Ein echter Profi: Dieser Mensch hat gleich drei Parkplätze besetzt. - © Winfried Kleinheinrich
Ein echter Profi: Dieser Mensch hat gleich drei Parkplätze besetzt. | © Winfried Kleinheinrich

Bielefeld Das sind die kreativsten Einpark-Experten Bielefelds

Nach unserem Aufruf haben wir herrlichste Bielefelder Parkplatz-Fotos bekommen

Kurt Ehmke

Bielefeld. Autos werden breiter, Parkplätze bleiben schmal – das ist nicht neu. Neu ist, wie sehr sich das (selbst-)bewusste Falschparken etabliert. Selbst auf Supermarktparkplätzen werden Firmen beauftragt, Fremdparker mit Knöllchen zu bestrafen. In Parkhäusern wird jetzt ähnlich vorgegangen. So an der Ritterstraße – hier warnt ein Schild vor 30 Euro, die fällig werden. Ein Mitarbeiter zieht nur die Augenbraue hoch auf die Frage, ob das Parkverhalten schlimmer geworden sei. Er verdreht die Augen und nickt. Das Parkverhalten einiger weniger nervt viele. Beispiele: Ein schmaler Kleinwagen steht in einem Parkhaus mitten auf der Trennlinie zweier Parkplätze. Ein Volvo Kombi wurde kurzerhand quer über zwei Parkplätze abgestellt. Auf Frauenparkplätzen, das bestätigt ein Mitarbeiter eines neueren Parkhauses, „parken regelmäßig Männer und ignorieren breit grinsend alle Hinweise". Behindertenparkplätze seien ähnlich beliebt. Eine Frau parkt auf einem Behindertenparkplatz an der Hagenbruchstraße, sie sagt gestresst: „Ich muss nur kurz was besorgen." 35 Euro würde das kosten, wäre eine Politesse in der Nähe. Was geht in Menschen vor, die sich so benehmen? Für die NW hatte Psychologin Anita Siegmund 2012 nach Erklärungen gesucht – und sie gefunden. Ihre Stichworte: Zeitnot, Jagdtrieb, verlagerte Verantwortung auf andere, Stress, Machtgehabe, bewusstes Regelbrechen als innere Haltung, Testosteron-Steuerung, Stress und Überlastung. Ein Mitarbeiter eines Innenstadtparkhauses, der wie seine hier zitierten Kollegen nicht genannt werden möchte, kann in einigen Punkten zustimmen. Es seien mehr Männer als Frauen, „und auch, wenn das fremdenfeindlich klingen mag, es sind besonders junge türkischstämmige Männer, denen hier fast alles egal ist". Die sogar lautstark ausflippten, wenn sie angesprochen würden. Aber auch Männer in Anzügen; Männer, die in breiten Limousinen ins Parkhaus donnerten, seien der Klassiker unter jenen, die breit parkten und rücksichtslos zwei Plätze für sich beanspruchten. „Ich kenne einige schon, anderen sehe ich es sofort an." Schuld sei natürlich immer das Parkhaus, „ist halt zu eng hier". Für Parkhausbetreiber ist es ein Konflikt. Anders als bei der Politesse ist der Falschparker ihr Kunde – und so gehen viele nicht offensiv auf die Suche nach Regelbrechern. „Wenn es bei uns aber voll ist, dann schauen wir nach, und dann gibt es auch das Ticket." Eine beauftragte Firma treibe das Geld ein. In den Parkhäusern scheint Trend zu sein, dass die Zahlen ansteigen, vor allem aber die Rücksichtslosigkeit zunimmt. Es werde nicht mehr um ein paar Zentimeter gerungen, sondern selbstbewusst gleich komplett falsch geparkt. Diese Haltung erklärt Dennis Scheiding auf Facebook so: „Wenn ich im Parkhaus teuer bezahle, will ich ordentlich aussteigen können – quetschen und andere Autos beschädigen" sei nicht seine Sache. Dann lieber breit parken. Auf den Straßen zeigen die Zahlen auch nach oben. 27.000 Verkehrsordnungswidrigkeiten mehr gab es 2016 gegenüber 2015 – gut 419.000 unter dem Strich. Parkverstöße machen exakt die Hälfte davon aus; hier gab es ein Plus von 3.000. Und abgeschleppt werden mussten fast zehn Prozent mehr Autos (2016: 1.457). In Hameln ruft sogar die Facebook-Gruppe „Parksünder" dazu auf, Falschparker mit sichtbarem Kennzeichen an den Online-Pranger zu stellen. In Bielefeld lehnen die meisten Facebook-User das ab – aber Fotos und Kommentare gibt es viele. Ramazan Gök beklagt „viele Falschparker an der Hauptstraße – es ist zum Kotzen". Ein anderer schreibt: „An der Rosenhöhe gilt oft das Motto ,Hier park’ ich – und nach mir die Sintflut’." Kommentar Beim Anblick all der Fehlleistungen von Autofahrern könnte man ja kurz lachen, aber das Lachen bleibt einem doch eher im Halse stecken. Denn: Der Straßenverkehr bildet nur ab, wie eine Gesellschaft tickt. Was Werte wie Rücksichtnahme, Akzeptanz Schwächerer, Respekt vor Regelwerken angeht. Und so legen die vielen Bilder Zeugnis ab – sie erzählen von Egoisten, von Narzissten, von Verweigerern. Noch ein Beispiel: Von einem Auto haben wir gleich drei Fotos zugemailt bekommen – aufgenommen an drei Tagen im selben Parkhaus. Jeden Tag wieder steht der Kleinwagen quer über zwei Parkplätze. Noch Fragen?

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