Der 1,3 Tonnen schwere Motor hängt am Haken des Ladekrans. In roter Warnkleidung überwachen Marco Riffelmann (v. r.) und Dietmar Plischke die Arbeiten. In drei Jahren soll das 77 Jahre alte Dieselaggregat die Rangierlok wieder antreiben. - © Andreas Zobe
Der 1,3 Tonnen schwere Motor hängt am Haken des Ladekrans. In roter Warnkleidung überwachen Marco Riffelmann (v. r.) und Dietmar Plischke die Arbeiten. In drei Jahren soll das 77 Jahre alte Dieselaggregat die Rangierlok wieder antreiben. | © Andreas Zobe

Bielefeld Nostalgie pur: Eisenbahnfreunde restaurieren alte Rangierlok

Das Projekt wird sich über drei Jahre hinziehen

Jürgen Mahncke

Bielefeld. Die Drehscheibe am Ringlokschuppen hat die beiden Rangierloks in die richtige Position gebracht. Langsam drückt die rote Kleinlokomotive, von den Bielefelder Eisenbahnfreunden mit viel Liebe restauriert, die Köf II Richtung Zaun. Hier wartet schon ein Lkw, der mit seinem Ladekran das Herzstück der nicht mehr fahrtauglichen Lok, den Dieselmotor, mit seinem Ladekran hochhievt und auf der Ladefläche verstaut. Die kleine Köf II, eine Kleinlokomotive, ölbetrieben mit Flüssigkeitsgetriebe, ist den Eisenbahnfreunden ans Herz gewachsen. 2014 entdeckte sie Marco Riffelmann von den Bielefelder Eisenbahnfreunden auf einem Abstellgleis in Kirchlinteln im Landkreis Verden. Sie stand im Wald und rostete still vor sich hin. Ihre letzten Dienst hatte sie für ein Futtermittelunternehmen geleistet. Mit dem Unternehmen war Riffelmann schnell handelseinig. Für 4.500 Euro wechselte die rollende Rostlaube den Besitzer. Weil das komplette Betriebsbuch der Lok mit übergeben wurde, war schnell klar, dass die 1944 gebaute Lok in der Vergangenheit auch in Bielefeld zum Einsatz kam. „Vom 7. September 1972 bis zum 13. Mai 1973 war die Rangierlok im Stadtgebiet unterwegs", erzählt Dietmar Plischke, Mitglied der Eisenbahnfreunde. „Sie zog Expressgutwagen mit Lebensmitteln zum Konsum in Ubbedissen, leistete Rangierarbeiten in Hillegossen oder transportierte mit vielen angehängten Waggons Papier zur ehemaligen Feldmühle." Und Plischke muss es wissen, denn sein Vater war der Lokführer, und der Sohn durfte ihn oft auf seinen Fahrten begleiten. Um die Köf II wieder fahrtauglich zu machen, wird es vermutlich einige Jahre dauern. Begonnen wird jetzt mit der Überholung des Motors, einer Dieselmaschine mit 128 PS und einem Hubraum von 13,5 Litern. In den letzten Wochen haben viele Helfer geschraubt und geflext, um den Antrieb vom Motorblock zu lösen. „Es gab einige Probleme", berichtet Riffelmann. „Viele Bolzen waren festgerostet. Um den Motor überhaupt von den Kupplung zu lösen, mussten wir rabiat vorgehen und Eisensägen einsetzen." Der Rost hatte vor dem Dieselmotor nicht halt gemacht. Weil zwei Zylinderköpfe fehlten, lief Wasser in das Dieselaggregat. Ein Vogelpaar baute in dem vorhandene Loch sein Nest. Das Unternehmen Motoren Eckernkamp in Leopoldshöhe hat nun die komplizierte Aufgabe, den in Köln bei Deutz gebauten Motor wieder zum Laufen zu bringen. Es soll ein Lehrlingsprojekt werden, dass sich über drei Jahre hinzieht. Viele Ersatzteile müssen von Hand nachgebaut werden. Er wird ein Meisterstück sein, wenn das Herz der Köf II wieder schlägt, der Dieselantrieb wieder zuverlässig arbeitet. In der Zwischenzeit kümmern sich die Helfer und Schrauber um das Chassis und die Verblechung der alten Rangierlok. Sie muss komplett zerlegt werden. Die meisten Metallplatten sind durch den Rostfraß so porös geworden, dass man spielend leicht mit dem Finger durch sie durchstoßen kann. Weil es keine Ersatzteile gibt, muss das meiste per Hand mit viel Geschickt nachgebaut werden. Mit lautem Poltern ist der 1,3 Tonnen schwere Motor inzwischen auf der Ladefläche des Lkw gelandet. Fahrer Erdem Köse weiß, dass er eine wertvolle Fracht transportiert. Sie hat zwar im Augenblick nur Schrottwert, aber das Herz aller Eisenbahnfreunde hängt an dem rostigen Stück.

realisiert durch evolver group