Schließung angekündigt: Das Aus der Sekundarschule Bethel bringt die Schulentwicklungplanung in Schwierigkeiten. - © Wolfgang Rudolf
Schließung angekündigt: Das Aus der Sekundarschule Bethel bringt die Schulentwicklungplanung in Schwierigkeiten. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Schulpolitiker wegen des drohenden Bürgerbegehrens unter Druck

Parteien suchen fieberhaft nach Ausweg aus verfahrener Lage. Weitere Sekundarschulen, Gesamtschule Bethel und Gymnasium Baumheide als Ideen

Joachim Uthmann

Bielefeld. Das drohende Bürgerbegehren zum Erhalt einer Sekundarschule in Bethel setzt die Politiker zunehmend unter Druck. Verzweifelt suchen die Parteien nach Auswegen, wie die Stadt sich aus der misslichen Lage befreien kann. Der Schulausschuss diskutiert heute über die Schulentwicklungsplanung und holt Rat von Experten der Bezirksregierung ein. Überraschende Vorschläge wie ein Gymnasium Baumheide machen die Runde. Eine Einigung ist nicht absehbar. Das Ende der Hauptschulen stellt die Stadt schon vor Probleme. Hinzu kommen Überhänge bei den Anmeldezahlen für Realschulen und Gymnasien. Dass Bethel jetzt seine Sekundarschule schließen will, reißt ein neues Loch in die Schulplanung. Wollte die Stadt hier einspringen, müsste sie rund zehn Millionen Euro aufbringen, kalkuliert man im Rathaus. Das ginge auf Kosten anderer dringender Schulprojekte. Doch das angedrohte Bürgerbegehren bringt die Stadt in Zugzwang. Bürgerbegehren droht: Die Paprika-Koalition will heute die Verwaltung beauftragen, konkrete Schritte bis Januar 2017 zu planen. Dabei setzt sie an vier Standorten Prioritäten, wie Thomas Wanderleb (SPD), Gerd-Peter Grün (Grüne) und Gordana Rammer (Bürgernähe/Piraten) erklärten: Beim möglichen Erhalt der Sekundarschule in Bethel stehen der Weiterbetrieb durch die von Bodelschwinghschen Stiftungen, ein Betrieb durch die Stadt oder private Dritte im Raum, ebenso Kooperationen. Bei Paprika gibt es weiter Skepsis. Dass mit Hannelore Pfaff eine prominente Grüne vor Ort für das Bürgerbegehren eintritt, erschwert die Argumentation. Fünfter Zug in Quelle: Wandersleb betonte, die Stadt könne eine Sekundarschule nicht wie Bethel heute als eng verzahnte Kooperation mit dem Gymnasium führen. Genau das sei aber einer der wichtigsten Wünsche, die Schüler bei einem Ortstermin am Freitag geäußert hätten. Wandersleb: "Das Bürgerbegehren trifft die Interessen der Schüler nicht." Außerdem könne die Stadt Besonderheiten wie Vorrechte für Martinschüler nicht anbieten. Ein Ausweg könnte die Fortführung als Gesamtschule sein. Hauptgegenargument gegen städtische Beteiligungen blieben aber die Kosten. Rammert: "Die Unzufriedenheit anderer Schulen würde steigen." Lösungen müssen aber auch für die letzten auslaufenden Hauptschulstandorte gefunden werden. Ein "integrierendes System" hält Paprika am Brodhagen für denkbar, wobei hier eine Elternbefragung anstehe. Und in Baumheide könnte eine Ganztagsrealschule aufgebaut werden, beides ab 2018/2019. Paprika will zudem am Gesamtschulausbau festhalten und schlägt für die Gesamtschule Quelle einen fünften Zug vor - ähnlich wie CDU und FDP. Für Sekundarschulen: Die CDU, die das Aus der Hauptschulen bedauert, setzt dagegen verstärkt auf Sekundarschulen: Sie schlägt diese für die Standorte Brodhagen, Kuhlo-Realschule und Bethel vor - jeweils drei- bis vierzügig und in Kooperation mit nahen Gymnasien wie Max-Planck, Helmholz, Cecilien und Bodelschwingh. Baumheide, heißt es in einem Antrag zum Schulausschuss, sollte als Ganztags-Realschule weitergeführt werden. Gymnasium Baumheide: Die FDP sieht die Sekundarschule dagegen auf dem absteigenden Ast: Die Annahmequoten gingen landesweit um 70 Prozent zurück. Deshalb dürften keine weiteren eingerichtet werden. Aber auch bei den Gesamtschulen gebe es keine Überhänge mehr. Ein Zug mehr in Quelle oder in der Realschule Brackwede könnte aber die Gadderbaumer Probleme lösen. Insgesamt sollten die Realschulen gestärkt und ein weiteres Gymnasium neu eingerichtet werden - Letzteres in der freiwerdenden Hauptschule Baumheide. Die unterschiedliche Tendenz bei den Schulformen zeigt die Grafik nach Zahlen des Amtes für Schule. Die Experten sehen in der Sekundarstufe I in Bielefeld bis 2030 "keine Entlastung". Wandersleb schließt daraus: "Wir dürfen nicht nur Schulen zumachen, sondern müssen auch welche aufmachen."

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