Ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe. - © Ingo Wagner/dpa
Ein Kampfflugzeug der türkischen Luftwaffe. | © Ingo Wagner/dpa

Bielefeld/Manbidsch Getöteter Bielefelder war seit drei Monaten Mitglied einer Miliz

Syrienkrieg: Getöteter Kämpfer der Kurdenmilizist in Bielefeld geboren worden

Ulf Hanke

Bielefeld/Manbidsch. Der junge Mann im Tarnfleck-Anzug lächelt etwas zaghaft und spricht dann ausgesprochen ruhig sein Vermächtnis in die Kamera. Es ist seine „Mitteilung an die Welt", die Anton L. offenbar für den Fall formuliert, dass ihm etwas zustoßen könnte. Am Donnerstag ist das Video veröffentlicht worden. Der gebürtige Bielefelder ist bei einem Angriff der türkischen Luftwaffe im Norden Syriens ums Leben gekommen. Das berichten kurdische Medien und die Kurdenmiliz YPG. Demnach ist Anton L. an der Seite des US-Amerikaners Michael I. in der Nähe der Stadt Manbidsch bereits am Donnerstag vor einer Woche getötet worden. Nach Angaben des örtlichen Militärrats gehörten beide zu einer Gruppe von freiwilligen Kämpfern, einer Art internationaler Brigade innerhalb der Kurdenmiliz YPG, die für die Verwirklichung eines freien, basisdemokratischen Kurdenstaats namens Rojava in Syrien gekämpft haben. Anton L. hatte demnach den Kampfnamen „Zana Ciwan". Über seine Motive hat er in dem Video kurz und knapp gesprochen. Demnach ist L. erst vor drei Monaten, am 3. September, der Kurdenmiliz YPG beigetreten, um die Kurden im Kampf gegen den Islamischen Staat zu unterstützten. Er fordert von seinen Zuschauern: „Öffnet eure Augen und nehmt euch ein Herz und unterstützt diese Bewegung!" Die Kurden seien die „einzige wirklich demokratische Kraft im Nahen Osten", sagt L., dann ist das Video auch schon zu Ende. Im August hatten Kurden die Stadt Manbidsch aus den Händen des Islamischen Staats befreit. Die Kurden stellen in Syrien einen großen Teil der demokratischen Kräfte (SDF). Die Kurdenmiliz YPG kämpft allerdings an mehreren Fronten. In der Region Nordsyrien ist die YPG in einem kurdisch-arabischen Bündnis gegen die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) aktiv, die wiederum von der Türkei unterstützt werden. Türkische Jets fliegen dort Luftangriffe. Ankara bekämpft die YPG, weil sie eng mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist. Die Kurden kontrollieren große Gebiete in Nordsyrien. In dem Ort Manbidsch bestand L.s Aufgabe offenbar darin, nach der Befreiung für Sicherheit zu sorgen. Auf mehreren Internetseiten werden die beiden getöteten Kämpfer als internationale Märtyrer für den Befreiungskampf Rojavas bezeichnet. Auch die kurdischen Studenten würdigen ihn als einen der ihren. An der Uni Bielefeld veranstalten sie gerade eine kurdische Woche. Das kurdischen Zentrum Bielefeld zeigte sich überrascht von dem Kämpfer für den Kurdenstaat. Der gebürtige Bielefelder L. war offenbar nicht stark in der prokurdischen Szene der Stadt verwurzelt. Am Abend kam es in Bielefeld zu einer spontanen Zusammenkunft von circa 50 Kurden in der Innenstadt, die im Zusammenhang mit L.s Tod stand. Laut Polizei verhielt sich die Gruppe friedlich und folgte den Anweisungen der Beamten.

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