Kesselwagen aus dem Jahr 1967: Finanziell unterstützt durch Sponsoren konnten die Bielefelder Eisenbahnfreunde im vergangenen Jahr einen Kesselwagen restaurieren. Nun haben die Vereinsmitglieder auch die Technik der Drehscheibe erneuert, auf der sie den Wagen stolz präsentierten. - © Björn Leisten
Kesselwagen aus dem Jahr 1967: Finanziell unterstützt durch Sponsoren konnten die Bielefelder Eisenbahnfreunde im vergangenen Jahr einen Kesselwagen restaurieren. Nun haben die Vereinsmitglieder auch die Technik der Drehscheibe erneuert, auf der sie den Wagen stolz präsentierten. | © Björn Leisten

Bielefeld Drehscheibe im Ringlokschuppen wird 80 Jahre alt

Eisenbahnfreunde: Vereinsmitglieder haben die Technik der Zufahrtsplattform für den Ringlokschuppen erneuert

Arno Ley

Mitte. Als die damalige Bundesbahn 1985 ihr Betriebswerk in Bielefeld aufgab, besaß sie noch viele Zeugnisse einer großen Vergangenheit, zeigte aber nur wenig Liebe dafür. Denn das Staatsunternehmen ließ die Gebäude verrotten und die Maschinen verschrotten. Die Drehscheibe, unverzichtbar für die Zufahrt zum Ringlokschuppen, wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Daran erinnert der Verein der Bielefelder Eisenbahnfreunde an diesem Wochenende. Die Bielefelder Eisenbahnfreunde haben sich 2004 zu einem Verein zusammengeschlossen. Da waren die meisten Nebengebäude des früheren Betriebswerkes bereits abgerissen. Der Ringlokschuppen, der 1988 unter Denkmalschutz gestellt worden war, konnte vor diesem Schicksal bewahrt werden. Er wurde nach umfangreichen Bauarbeiten 2003 unter privater Regie als Veranstaltungszentrum und Diskothek neu eröffnet. Vorher waren Teile des Dachs bereits eingestürzt. Das Schicksal des Wasserturms, der an privat verkauft wurde, ist ungeklärt. Das weitere noch erhaltene Gebäude zwischen den Gleisen, die ehemalige Füllstation für den Bremssand der Lokomotiven, durften sich die Eisenbahnfreunde als Vereinsheim ausbauen. Zentraler Verkehrsknoten des Bahnbetriebswerkes (BW) war die Drehscheibe, die die Zufahrt zu den einzelnen Einfahrten des Ringlokschuppens ermöglichte. Nach der Schließung des BW hatte die Natur zeitweilig von ihr Besitz ergriffen. Auf dem Drehteller sammelten sich Sand und Blätter. Auf dieser kargen Bodenschicht siedelten sich Birken an. Dann wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, wie sich Zeitgenossen erinnern, die Zufahrtgleise mit der Hilfe von Trennschleifern entfernt. So war es eine der ersten Aufgaben, die sich den Bielefelder Eisenbahnfreunden stellte, die Drehscheibe wieder funktionsfähig zu machen. Die Geschichte der Drehscheibe ist eng verbunden mit dem Ringlokschuppen. Als dessen älterer (linker) Teil 1906 in Betrieb genommen wurde, war dies nur möglich mit einer ebenfalls neuen Drehscheibe. Die wurde 1922 durch eine größere ersetzt, als der Schuppen von zehn auf 22 Einfahrten vergrößert wurde. An der Dachkonstruktion des Gebäudes, in dem Lokomotiven geparkt und gewartet wurden, war zu erkennen, dass es wirtschaftlich schwierigere Zeiten waren. Das Dach des im Kaiserreich errichteten Teils des Lokschuppens wurde von Stahlträgern gehalten, das des neuen Anbaus nur von Holzbalken. Diese vermoderten als das BW stillgelegt wurde und waren somit die Ursache für den teilweisen Einsturz des Daches. 1936 wurde die Drehscheibe zum zweiten Mal erneuert. Die Lokomotiven waren kräftiger, aber auch länger geworden. Ungeklärt ist, warum die Bielefelder Drehscheibe nun einen Durchmesser von 23,5 Meter bekam. Das damalige Normmaß waren 23 Meter. Mit ihrem Sondermaß ist die Bielefelder nun einzigartig in Deutschland. Um weiterhin benutzt werden zu dürfen, muss die Drehscheibe in regelmäßigen Abständen von einem Eisenbahnsachverständigen untersucht werden. "Das ist so ähnlich wie der TÜV beim Auto", erklärt Marco Riffelmann, der Vorsitzende der Bielefelder Eisenbahnfreunde. Für die Kosten der Untersuchung muss der Verein aufkommen. Für die nächste Kontrolle, die es in wenigen Wochen geben soll, wurde jetzt die Elektrik der Anlage und die Beleuchtung erneuert, das Bedienungshäuschen und andere Teile wurden frisch lackiert. Zudem wurde eine neue Seilwinde gekauft, mit der die Loks oder Wagen auf die Drehscheibe gezogen werden können. Vor allem bei der Bewegung der Drehscheibe zeigt sich die große Bedeutung, die sie für das BW hatte. Sie kann sowohl durch einen Elektromotor, durch Druckluft und mit einer Handkurbel bewegt werden. "Wenn die Drehscheibe stillstand, ging keine Lok rein oder aus", erklärt Riffelmann diese dreifache Absicherung der Funktion.

realisiert durch evolver group