Szene-Droge: Ein Zollbeamter zeigt Kokain. - © dpa
Szene-Droge: Ein Zollbeamter zeigt Kokain. | © dpa

Herford/Bielefeld Lange Haftstrafen für Kokain-Brüder

Prozess: Angeklagte aus Herford handelten mit Marihuana und Kokain im Kilogrammbereich. Der älteste der drei Brüder muss für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis

Nils Middelhauve

Herford/Bielefeld. Äußerlich nahmen die drei angeklagten Männer die Urteile gelassen entgegen - allerdings wussten sie auch, dass sie nicht gerade mit Haftstrafen im untersten Bereich zu rechnen hatten: Das Bielefelder Landgericht verurteilte gestern den 26-jährigen Viyan B. aus Herford zu siebeneinhalb Jahren, seine beiden jüngeren Brüder Firat (24) und Ziya (23, Namen aller Betroffenen geändert) zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis. Sie hatten bereits am ersten von insgesamt drei Verhandlungstagen eingeräumt, als Bande im großen Stil mit Marihuana und Kokain gehandelt zu haben. Der älteste der drei Angeklagten war der Kopf hinter den illegalen Geschäften der Bande. Er unterhielt den Kontakt zum niederländischen Lieferanten der Dealer und war für die Preisabsprachen zuständig. Seine beiden Brüder hingegen kümmerten sich in erster Linie um die Annahme der Drogen in Deutschland sowie den Weiterverkauf. Gehandelt haben die drei Brüder einzig und allein aus finanziellem Interesse: Keiner von ihnen ist selber Drogenkonsument. Die Bandenstruktur spiegelte sich auch in der Vergütung wider: Viyan B. erhielt den Großteil des eingenommen Geldes. Am wenigsten profitierte der jüngste der Angeklagten von den Geschäften. "Allerdings hatte er auch den kleinsten faktischen Beitrag geleistet", sagte der Vorsitzende Richter Carsten Nabel in der gestrigen Urteilsverkündung. Der Einstieg in die Drogengeschäfte erfolgte durch Viyan B. Im Oktober des vergangenen Jahres bestellte er bei seinem niederländischen Dealer 14 Kilogramm Marihuana sowie 200 Gramm Kokain für den Weiterverkauf. Der Kurier, der die illegale Ware nach Bad Salzuflen bringen sollte, geriet jedoch bei Beckum in eine Zollkontrolle und wurde festgenommen. Das Geschäft platzte. Irgendwann in der Folgezeit stiegen dann die beiden nun mitangeklagten Brüder in die Geschäfte von Viyan B. ein. In der Zeit vom 2. Mai dieses Jahres bis zum 27. Juni erhielt die Bande 26,5 Kilogramm Marihuana sowie 1,75 Kilogramm Kokain aus den Niederlanden. Die letzte Übergabe - es handelte sich um ein Kilogramm Kokain - wurde jedoch bereits von der Polizei observiert. Die Beamten nahmen die Beteiligten noch vor Ort fest, lediglich Firat B. gelang zunächst die Flucht. Er stellte sich zwei Tage später der Polizei. Bereits am ersten Verhandlungstag hatten die Angeklagten über Erklärungen ihrer Verteidiger Mario Prigge, Martin Lindemann und Tobias Diedrich umfassende Geständnisse abgelegt - Geständnisse, die das Gericht bei der Strafzumessung durchaus zu würdigen wusste. "Der wesentliche Aspekt bei einem Geständnis ist für uns die Übernahme von Verantwortung für die Taten", sagte Nabel. Dass somit die Hauptverhandlung verkürzt werde, sei jedoch kein Strafzumessungsgrund: "Dass wir hier dann ein paar Tage weniger sitzen, ist zwar schön für uns, spielt aber keine Rolle."

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