Container der Linienreederei Hamburg Süd. - © dpa
Container der Linienreederei Hamburg Süd. | © dpa

Bielefeld Oetker trennt sich von Reederei Hamburg-Süd

Der Bielefelder Konzern will die Sparte verkaufen, die rund die Hälfte seines Umsatzes ausmacht. Grund dafür sind hohe Verluste

Martin Krause
Andrea Frühauf

Bielefeld/Hamburg. Der Oetker-Konzern hat sich zu einem drastischen Einschnitt entschlossen: Die Bielefelder wollen ihre Reederei Hamburg Süd mit 6.000 Mitarbeitern an den dänischen Weltmarktführer Maersk Line A/S verkaufen. Ein Vorvertrag mit dem in Kopenhagen ansässigen Konzern sei unterzeichnet worden, in den kommenden Wochen werde ein konkreter Kaufvertrag ausgehandelt, erklärte Oetker-Sprecher Jörg Schillinger. Zum Kaufpreis äußerten sich weder Oetker noch Maersk. Nach Schätzungen von Analysten dürften Oetker drei bis fünf Milliarden Dollar zufließen – allein der Wert der Konzern-Flotte, zu der 48 eigene Schiffe gehören, wird auf mehr als zwei Milliarden Euro taxiert. Die größten Schiffe kosten neu fast 100 Millionen Euro. Der Entschluss zum Verkauf ist den Gesellschaftern „nicht leicht gefallen", wie es hieß. Oetker ist schon seit gut 80 Jahren an der 145 Jahre alten „Hamburg Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft KG" beteiligt, Beiratschef August Oetker hatte vor seinem BWL-Studium selbst eine Ausbildung zum Reederei-Kaufmann gemacht. Hamburg Süd habe sich zudem „im Vergleich zu ihren Wettbewerbern gut behauptet", so die Bielefelder. Durch die Übernahme der chilenischen Reederei CCNI war der Umsatz 2015 um 16,8 Prozent auf 6,1 (Vorjahr 5,36) Milliarden Euro gestiegen. Aber: Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren zunehmend ruinös geworden. „Die globale Containerlinienschifffahrt fährt bei steigenden Überkapazitäten seit Jahren hohe Verluste" ein, teilte Oetker selbst mit. Hamburg Süd soll – ähnlich wie der größere deutsche Konkurrent Hapag- Lloyd, dessen Übernahme 2013 am Widerstand der drei jüngeren Oetker-Geschwister gescheitert war – am Ende jährlich dreistellige Millionenverluste eingefahren haben. Um im globalen Konkurrenzkampf mit zum Teil staatlich subventionierten Wettbewerbern bestehen zu können, hätte Oetker nun sehr viel Geld investieren müssen: „Dies würde den Risikoausgleich innerhalb der Gruppe empfindlich stören", so Schillinger. Mehr über die Entwicklung des Konzerns sehen Sie in der interaktiven Zeitleiste:

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