Achtung, Polizeikontrolle: Gegen Mittag war das Verkehrsaufkommen - wie hier auf der Ostwestfalenstraße - noch sehr ruhig. Am Nachmittag an der Autobahn 33 sowie an der Paderborner Straße sorgte das Großaufgebot der Polizei im ohnehin schon übervollen Feierabendverkehr dann für den Zusammenbruch. - © Wolfgang Rudolf
Achtung, Polizeikontrolle: Gegen Mittag war das Verkehrsaufkommen - wie hier auf der Ostwestfalenstraße - noch sehr ruhig. Am Nachmittag an der Autobahn 33 sowie an der Paderborner Straße sorgte das Großaufgebot der Polizei im ohnehin schon übervollen Feierabendverkehr dann für den Zusammenbruch. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Kampf gegen Einbrecherbanden mit Großkontrollen

Verkehrsinfarkt nach Großkontrollen

Jens Reichenbach

Bielefeld. Um Einbrecher nervös zu machen, den Kontrolldruck hoch zu halten und vielleicht sogar ein paar Täter zu fassen, hat die Polizei am Mittwoch an vier verschiedenen Stellen große Verkehrskontrollen durchgeführt. Was die kontrollierten weitgehend ruhig über sich ergehen ließen, sorgte am Nachmittag aber für wutschnaubende Reaktionen der Bielefelder Autofahrer. Denn Bielefeld erlebte im Feierabendverkehr einen echten Verkehrsinfarkt. Auf dem Ostwestfalendamm (OWD) ging in beide Richtungen nichts mehr. Die Umgehungsstraßen waren schnell verstopft "Jetzt sorgt schon die Polizei selbst für die Verkehrsprobleme in dieser Stadt", rief ein Autofahrer, der am Nachmittag rund 40 Minuten länger benötigte, um von der Autobahn 33 über den Ostwestfalendamm (OWD) in die Innenstadt zu gelangen. In der Gegenrichtung dasselbe Spiel. Was war passiert? Die Polizei hatte am Übergang von der Autobahn zum OWD auf dem Standstreifen Autofahrer kontrolliert und später noch einmal auf der Gegenseite hauptsächlich auswärtige Fahrzeuge herausgewunken. Die Beamten stoppten oder verlangsamten den Verkehr also nicht aktiv, dennoch wurden die Autofahrer langsamer, suchten nach dem Grund für den offensichtlichen Großeinsatz. Spätestens damit war der ohnehin schon nervige Feierabendverkehr überfordert. Anders an der Paderborner Straße: Dort wurde der zweispurige Verkehr auf eine Spur verengt. Auch dort dauerte die Fahrt länger. Polizeisprecherin Hella Christoph betonte, dass man solche Kontrollen auch durchführe, damit sich die Bielefelder sicherer fühlen. Zudem wolle man immer weiter lernen: Woher kommen die Täter? Wohin wollen sie? Welche Fahrzeuge nutzen sie? Offenbar hatten die Ermittler in Bielefeld und ähnliche Aktionen in diesem Jahr für Abschreckung gesorgt: "Im Vergleich zum vergangenen Jahr, haben wir bisher 200 Einbrüche weniger als noch 2015", sagt Christoph. Die Innenminister von NRW, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen hatten kürzlich in der "Aachener Erklärung" eine bessere, länderübergreifende Zusammenarbeit im Kampf gegen Einbrecher vereinbart. Der gestrige Kontrolltag in Bielefeld war Teil der dazu angekündigten dreitägigen Großoffensive. Mit von der Partie waren diesmal auch Zollermittler der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und ein Experte der Bezirksregierung, der die Gewerbeberechtigungen und die Ladung von Mülltransporten überprüfte. Die Beamten haben viel zu tun. Kurz vor 12 Uhr starteten sie bereits an der Ostwestfalenstraße, wechselten später zur A 33 und zur B 68. Sie suchen Transporter, suchen nach Autos, in denen zwei oder drei Personen sitzen, haben auswärtige Kennzeichen im Blick, winken größere Arbeiterkolonnen heraus, bitten einige zur Drogenkontrollen und ahnden aber auch Verkehrsvergehen. Letztere erfassen die Bielefelder Beamten - unterstützt von Bereitschaftspolizisten aus Bochum - am häufigsten, sagt Sprecher Michael Kötter. Aber sie stoppten auch einen Autofahrer, der mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs war und Drogen eingeworfen hatte. Er wurde vorläufig festgenommen. Ein Bielefelder Skodafahrer legte einen litauischen Führerschein vor, der mehrere Fälschungsmerkmale aufwies. Einsatzleiter Achim Ropeter erklärt: "Das ist eine Art der Urkundenfälschung, die wir immer wieder feststellen müssen." Die Betroffenen kaufen sich im Ausland ein gefälschtes Dokument aus Osteuropa, wenn sie in Deutschland ihren Führerschein verloren haben. "Wer mehrere Monate im Ausland lebt, hat tatsächlich die Möglichkeit, dort auch einen Führerschein zu machen", so Ropeter. Bei der Überprüfung des Skodafahrers stellt sich aber sein angeblicher Aufenthalt in Litauen als Lüge heraus. Das überprüften die Beamten direkt am Computer. "Führerscheintourismus" nennt das der Einsatzleiter: "Einen falschen, albanischen Führerschein gibt es in Italien bereits für 150 Euro."

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