Sehen Gefahr für Abendmarkt: Sebastian Wappelhorst (r.) und Martin Knabenreich (hinten) von Bielefeld Marketing. - © Sarah Jonek
Sehen Gefahr für Abendmarkt: Sebastian Wappelhorst (r.) und Martin Knabenreich (hinten) von Bielefeld Marketing. | © Sarah Jonek

Bielefeld Wechsel des Wochenmarktes auf den Rathausplatz steht auf der Kippe

Joachim Uthmann

Bielefeld. Plötzlich schien überraschend eine Lösung in Sicht. Doch binnen weniger Tage ist aus der Chance, in der Woche einen Markt am Rathaus zu etablieren, ein heftiger Streit geworden. Befürworter und Gegner versuchen, Händler auf ihre Seite zu ziehen. Gegenseitig beschuldigen sie sich, ein vernünftiges Modell für die Innenstadt zu torpedieren. Ob die angekündigte Arbeitsgruppe am 12. Dezember einen Ausweg findet, ist mehr als zweifelhaft. Gestern versuchten BfB-Bezirksvertreter Peter Wolff sowie die Händler Franz Mersch und Reinhard Laustroer mit einem neuen Vorstoß für den Rathausmarkt zu werben. Der habe sich als Provisorium beim Kesselbrinkumbau bewährt und werde von vielen gewünscht. Zuletzt hatte sogar das Ordnungsamt, das bisher skeptisch war, nach einer intensiven Prüfung den Rathausmarkt für machbar und wirtschaftlich eingestuft. Doch die Hoffnung der Befürworter, dass die Bezirksvertretung Mitte am Donnerstag die Weichen für den Rathausmarkt stellen würde, erfüllte sich nicht. Selbst SPD-Fraktionschef Frederik Suchla war erstaunt: "Wir waren eigentlich entscheidungsreif." Aber in der Sitzung fuhren die Bielefeld Marketing GmbH und Händler Ralf Reker schweres Geschütz gegen die Rückkehr des Wochenmarktes dienstags und donnerstags ans Rathaus auf - und nährten den politischen Streit um die Marktzukunft. "An fünf Tagen sechs Märkte in der Altstadt" hält Sebastian Wappelhorst "für nicht nachvollziehbar: Wir haben große Bedenken, dass das funktioniert." Mit dem Rathausmarkt dienstags und donnerstags, dem Obst- und Blumenmarkt auf dem Alten Markt mittwochs, freitags und samstags sowie dem Abendmarkt donnerstags auf dem Klosterplatz befürchtet Wappelhorst ein Überangebot. Und Zündstoff brachte er mit der Aussage in die Debatte, dass mit dem Rathausmarkt der mittlerweile von vielen geliebte Abendmarkt gefährdet sei. Mit dieser Drohung brachte Marketing Wolff und seine Mitstreiter auf die Palme. "Damit unterstellt man uns, wir würden den Abendmarkt kaputt machen", ärgert sich Wolff. Das sei ungeheuerlich und nicht haltbar. "NUR STEIGBÜGELHALTER" "Der Abendmarkt ist als Frische- und Versorgungsmarkt auch ohne Rathausmarkt tot", spitzt der BfB-Politiker zu, sagt aber auch: "Es lebe der Abendmarkt." Nur auf ihm gehe es nicht um den Verkauf frischer Lebensmittel, er sei "ein super laufender Treffpunkt am Abend". Und so sollte Bielefeld Marketing ihn als Organisator auch fördern. Die Frischehändler seien auf dem Abendmarkt "nur Steigbügelhalter für die Gastronomen", ergänzt Mersch. Weil Stadt und Marketing eine Wiederbelebung des Klosterplatzes mit einem Biergarten aus Angst vor neuen Anliegerklagen scheuten, hätten sie die Händler vorgeschoben. Laustroer: "Kunden kaufen vormittags auf dem Wochenmarkt." Für Wolff und seine Mitstreiter ist die Abendmarktausdrohung als Argument gegen den Rathausmarkt deshalb vorgeschoben. Auch die Alternative, den Markt auf dem Alten Markt zu erweitern, halten sie für nicht machbar, weil Händler an den Tagen längst an anderen Standorten verkauften. HÖHERE STANDGEBÜHR Dem hält Wappelhorst entgegen, dass es sehr wohl Interessenten gebe. Doch eine Hürde bleiben die höheren Standgebühren. Das Ordnungsamt, das den Markt auf dem Kesselbrink und gegebenenfalls am Rathaus organisiert, nimmt pro Standmeter mit 3,50 Euro nur die Hälfte. Marketing (Alter Markt , Klosterplatz) argumentiert, höhere Personal- und Marketingkosten zu haben und an die Stadt Sondernutzungsgebühren entrichten zu müssen. Ließe die Stadt diese nach, sei eine Erweiterung am Alten Markt eine denkbare Lösung. SPD-Politiker Suchla reibt sich angesichts der Querelen verwundert die Augen: Er versteht nicht, warum ein Versorgungsmarkt am Rathaus den "Event"-Markt auf dem Klosterplatz behindern soll: "Beide sind toll, funktionieren gut und beleben die Altstadt." Am 12. Dezember geht es in eine neue Beratungsrunde.

realisiert durch evolver group