Idee für offengelegte Lutter in der Ravensberger Straße: Diese Animation zeigt, wie die Strecke, unter der der Lutter-Kanal verläuft, aussehen könnte, wenn ein Teil des Wassers aus dem Rohr in einer Rinne oberirdisch geführt würde. - © Sven Detering
Idee für offengelegte Lutter in der Ravensberger Straße: Diese Animation zeigt, wie die Strecke, unter der der Lutter-Kanal verläuft, aussehen könnte, wenn ein Teil des Wassers aus dem Rohr in einer Rinne oberirdisch geführt würde. | © Sven Detering

Bielefeld Stadt soll Geld für Lutter geben

Geplante Offenlegung: Paprika-Bündnis will Projekt noch retten

Joachim Uthmann

Bielefeld. Erst Sinneswandel in Düsseldorf, jetzt Kehrtwende in Bielefeld: Die Paprika-Koalition will die auf der Kippe stehende Offenlegung der Lutter in der Ravensberger Straße und im Grünzug doch noch retten - und zwar mit städtischem Geld. SPD, Grüne, Bürgernähe und Piraten sind offenbar bereit, den Ratsbeschluss, der städtische Mittel für das Projekt ausschloss, zu ändern. Sie kündigten für den Stadtentwicklungsausschuss am 6. Dezember einen Antrag an. Nachdem das Landesumweltministerium im Februar die angebliche Zusage, Zuschüsse aus der Wasserrichtlinie zu gewähren, zurückgezogen hat, bleibe der Stadt jetzt nur noch die Alternative Städtebaufördermittel, so Umweltdezernentin Anja Ritschel (Grüne). Doch die Variante hat einen Haken: Bei ihr muss die Stadt einen zehnprozentigen Anteil übernehmen. Das wären nach bisherigen Berechnungen 320.000 Euro. Nach der Wasserrichtlinie wäre die Stadt aus dem Schneider gewesen: 90 Prozent wären vom Land gekommen, zehn Prozent hätte der Verein "Pro Lutter", der die Offenlegung vorantreibt, über Stiftungen und Spenden aufbringen müssen. Bei der Städtebauförderung zahlt das Land aber nur 80 Prozent, zehn Prozent bleiben beim Verein, doch zehn Prozent - für den Abschnitt Niederwall bis Teutoburger Straße, muss die Stadt zahlen. Insgesamt schätzt sie die Kosten auf 5,34 Millionen Euro für die Offenlegung auf dem 1,4 Kilometer langen Abschnitt parallel zum sanierten Lutterkanal zwischen Niederwall und Stauteich I. Die Politiker waren sich bisher weitgehend einig, dass die Stadt - die schon Teile der 30 Millionen Euro teuren Lutterkanal-Sanierung tragen muss, sich finanziell nicht an der Offenlegung beteiligt. Das bekräftigte der Rat 2013 mit einem Beschluss. Und der steht jetzt einer Lösung pro Offenlegung im Wege - es sei denn, die Politiker heben ihn auf. Und darüber gehen die Meinungen weit auseinander. CDU und Linke sprachen sich dagegen aus, die Grünen dafür. Die SPD diskutierte lange und und rang sich gestern nach Gesprächen im Paprika-Bündnis zu der Erklärung durch, die Offenlegung weiter zu unterstützen. Das Bündnis strebe die schnellstmögliche Umsetzung ohne weitere Verzögerungen an, schrieben Ratsfraktionschef Georg Fortmeier und Mitte-Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz als Sprecher der SPD des Stadtentwicklungsausschusses. Die Bezirksvertretung Mitte hat bisher kein Votum gefasst. Fortmeier und Franz sprechen sich für die Variante 2 mit dem finanziellen Eigenanteil der Stadt aus: "Wir honorieren die Bemühungen des Vereins Pro Lutter, der eine beträchtliche Summe Fördergelder einwerben konnte und können immerhin zusätzlich eine 80-Prozent-Förderung aus Städtebaumitteln erhalten - auch wenn dies bedeutet, dass wir einen alten Ratsbeschluss aufheben müssen." "Anwohner erhalten durch Gewässer aufgewertete Straße" Inhaltlich begründen die SPD-Politiker die Kursänderung damit, dass ein freigelegtes Gewässer das Stadtbild verschönere und die Lebensqualität erhöhe: "Außerdem wurde den Anwohnern vor Beginn der Planungen versprochen, dass sie nach der langwierigen Lutter-Baustelle eine durch ein fließendes Gewässer aufgewertete Straße erhalten." Sollte sich die Stadt zum Umschwenken auf die Städtebauvariante entschließen, kostet das aber Zeit. Statt 2017/2018 könnte die Ravensberger Straße, in der die Sanierung des Kanals zum Jahresende fertig sein soll und die erst mal nur provisorisch geschlossen wird, frühestens ab 2019 wieder hergestellt werden. Denn für die Offenlegung wäre eine Umplanung und ein neues Genehmigungsverfahren erforderlich.

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