Pommes mal anders: Bastian Begemann vor seiner Frittenbude bei der Eröffnung im vergangenen Sommer. Die Kartoffeln stammen von der regionalen Scholle, die Toppings sind teils exotisch. - © Andreas Frücht
Pommes mal anders: Bastian Begemann vor seiner Frittenbude bei der Eröffnung im vergangenen Sommer. Die Kartoffeln stammen von der regionalen Scholle, die Toppings sind teils exotisch. | © Andreas Frücht

Bielefeld Junge Gastronomen erobern Bielefeld mit kreativen Ideen

Handgemachte Fritten und Eintöpfe: Im Vordergrund stehen Regionalität, Nachhaltigkeit und Qualität der Produkte

Heidi Hagen-Pekdemir
Josephine Böllhoff

Bielefeld. Ob Küche nach Hausfrauenart, Pizza und Pasta, ob vegane Gerichte oder handgemachte Burger: In Bielefeld bekommt jeder das auf den Teller, worauf er gerade Appetit hat. Eine Reihe kreativer Gastronomen haben sich rund um den Emil-Groß-Platz niedergelassen. Bei der „Wilden Kuh" etwa handelt es sich um einen Ableger des Stammgeschäfts an der Friedrich-Ebert-Straße. Die Betreiber Sibel Yilmaz und Erbil Temel möchten ihren Gästen eine Alternative zu massenproduziertem Fleisch bieten. Das Rind- und Lammfleisch für die Burger wird täglich frisch gehackt. EMIL-GROSS-PLATZ Eher zu den jüngeren Anliegern am Emil-Groß-Platz gehört das „Nachtisch"-Café mit seinen süßen Crêpe-Kreationen. Auch die „Frittenbude" an der Karl-Eilers-Straße kam erst kürzlich hinzu. Deren Betreiber Bastian Begemann, Inhaber des „Casa" und der „Bar 383", erläutert sein Konzept: „Regional ist im Kommen, da läuft der Markt hin." Die Kartoffeln in seinem Lokal stammen aus der Region, exotische Beilagen wie mexikanische Guacamole, asiatische Currysoße oder getrocknete Tomaten aus Italien geben dem frisch zubereiteten Imbiss ein exotisches Aroma. DAS TOR ZUM WESTEN Wer der Arndtstraße in Richtung Siegfriedplatz folgt, entdeckt hinter der Bahnunterführung das „Nichschlecht" (das fehlende T ist beabsichtigt). „Szeniges Wohnzimmer am Tor zum Westen" nennt sich dieses kleine Lokal. In Sichtweite, dort, wo die Mindener auf die Jöllenbecker Straße stößt, eröffnete vergangenen Sommer das „Good Hood". Ein kuscheliges Lokal mit Elementen aus Omas Wohnzimmer in einem früheren Elektroladen. Burger gibt’s dort auch, wie das in angesagten Lokalen aktuell üblich ist. Dazu kommt eine feine Suppenauswahl – von der vietnamesischen Pho bis zur Tom Ka Gai, der thailändischen Spezialität aus Hühnerbrühe und Kokosmilch.Die Adresse des „Das Good Hood" – alles andere als eine Flaniermeile. Und auch die Szeneläden „Cutie" und „Nr. z. Platz" auf der gegenüberliegenden Seite liegen eher im Absatz. Doch seitdem es die Locations dort gibt, gehört das Viertel zu den angesagten Plätzen der Stadt. SZENETREFFPUNKT SIGGI Bliebe noch der Abstecher zum Siggi. Dort hat sich nach der Weinbar „Heinrich sein Enkel" auch das „Suutje" mit seinen Angebot regionaler Gerichte profilieren können. Fleisch kommt dort ebenso auf den Tisch wie Gerichte für Vegetarier, gebratener Spitzkohl, Auberginenlasagne – je nachdem, was die Saison bietet. Das Motto: Sättigend und bezahlbar soll alles sein. Fein abgestimmt auf das jeweilige kulinarische Angebot ist auch die Ausstattung der Betriebe: Die Trends reichen vom modernen und stylishen Rohbau bis hin zur „Rückbesinnung auf Omas gemütlichen Sofatrend", wie Thomas Keitel, Geschäftsführer des Gastgewerbeverbandes Dehoga, es nennt. ORIGINELLES AMBIENTE Irgendwo dazwischen liegt die Ausstattung der „Wilden Kuh". Sibel Yilmaz hat selbst das Designkonzept ihrer zwei Restaurants entworfen. Die Unternehmerin legt Wert auf ein „sehr natürliches und authentisches" Ambiente, in dem Gäste sich über das Essen hinaus gerne aufhalten und wohl fühlen. Im trendigen Rohbau am Emil-Groß-Platz gelingt dies dem Ehepaar Yilmaz und Temel mit schlichten Gestaltungsmitteln wie weißen Wänden, Holzmöbeln, Blumentöpfen und offenem Blick in die Küche. Für seine „Frittenbude" ließ Bastian Begemann orientalisch gemusterte Fliesen an die Wände anbringen, die Möbel sind aus hellem Holz. Die jungen Unternehmer mit ihrem Gespür für Trends wissen, wie sie ihre Zielgruppen für sich gewinnen können. Besonders wichtig sind ihnen Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität. So vielversprechend das alles klingt, beim Gastgewerbe handele es sich um einen hart umkämpften Markt, sagen die Gastronomen übereinstimmend. Sowohl Bastian Begemann, der bereits mit seinen weiteren Betrieben Erfahrung im Gastro-Bereich gemacht hat, als auch die „Wilde Kuh"-Inhaber sind sich einig: Eine erfolgreiche Gastronomie basiert nicht auf guten Ideen und Konzepten allein. Grundvoraussetzungen sind Durchsetzungsvermögen und kaufmännisches Wissen. Nach Schätzung des Deutschen Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga) ist die Zahl der Unternehmen in Bielefeld in den letzten Jahren leicht gestiegen. Nach der Umsatzsteuerstatistik gibt es in der Stadt aktuell 750 gastgewerbliche Betriebe, darin eingeschlossen auch Hotels.

realisiert durch evolver group