Wieder geht's um Unterschriften: Unter dem Strich 11.000 Unterschriften wurden für den Erhalt der Sekundarschule gesammelt - hier erhält Bethel-Vorstand Johanna Will-Armstrong einen Großteil. Das Bürgerbegehren, das jetzt von der Stadt eine Sekundarschule am Standort Gadderbaum einfordert, benötigt 10.900 Unterschriften. - © Andreas Zobe
Wieder geht's um Unterschriften: Unter dem Strich 11.000 Unterschriften wurden für den Erhalt der Sekundarschule gesammelt - hier erhält Bethel-Vorstand Johanna Will-Armstrong einen Großteil. Das Bürgerbegehren, das jetzt von der Stadt eine Sekundarschule am Standort Gadderbaum einfordert, benötigt 10.900 Unterschriften. | © Andreas Zobe

Bielefeld Bürgerbegehren heizt Streit um Sekundarschule an

In Kürze sollen die Bielefelder um ihre Unterschrift gebeten werden

Kurt Ehmke

Bielefeld. Eine irritierende Mischung aus Ruhe und Sturm liegt über der Sekundarschuldebatte. Einerseits verrinnt Zeit. Bethel wirkt abgeklärt, der Vorwurf des "Aussitzens" steht im Raum. Und auch die Stadt kommt nur rudimentär voran. Andererseits gibt es Proteste, gärt es gewaltig in der Paprika-Koalition und setzt die CDU auf einen eigenen schulpolitischen Vorstoß. Ab Dezember soll nun auch ein Bürgerbegehren Druck erzeugen. Die Gemengelage ist kompliziert. Stadt, CDU und SPD halten das Bürgerbegehren für wenig sinnvoll. Anders die Grünen, die aber nicht geschlossen hinter dem Vorstoß stehen. Der wird getragen von drei Frauen aus Gadderbaum: Ilka Mühlfeld, Kerstin Metten-Raterink (Bezirksvertreterin der Grünen) und Julia Schäfer (Martinschul-Pflegschaft) - sowie im Hintergrund Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff (Grüne). Ziel ist neuer Druck Schäfer: "Der Glaube an Bethel ist kaum noch da, wir aber wollen diese bewährte Schulform erhalten - weil wir denken, dass sie nur woanders in Bielefeld gegründet werden kann, wenn sie hier vor Ort bleibt und funktioniert." Doch es gibt auch Bauchschmerzen: Viele, die eine Sekundarschule in Gadderbaum fordern und am liebsten die Bethel-Schule erhalten möchten, sehen Bethel als Schuldigen. Sie wollen den diakonischen Schulträger in die Pflicht nehmen und die Schließung der erst 2013 gegründeten Schule nicht hinnehmen. Und so gibt es aus dem bisher hoch aktiven "Bündnis Sekundarschule bleibt" auch kritische Stimmen zum Bürgerbegehren. De facto soll es zwei Lager geben: Die einen blicken konsequent auf Bethel und wollen Bethel in die Verantwortung nehmen, die anderen argumentieren pragmatischer damit, dass sie letztlich für Bielefeld und Gadderbaum im Stadtbezirk eine Sekundarschule fordern. Diese Fraktion will die Stadt noch stärker mit ins Boot zwingen. Geschmäckle Ein erhebliches Geschmäckle hatte für viele, dass sich anfangs der dem Bethel-Vorstand nahestehende Chef von Bethels Spendenabteilung für das Bürgerbegehren starkgemacht hatte. Der Vorwurf, dass über ihn gezielt und taktisch motiviert der Druck weg von Bethel hin zur Stadt verlagert werden sollte, stand schnell im Raum und sorgte für Ärger. "Müssen Lösung finden" Auf Seiten der Stadt kann Schulverwaltungsamtsleiter Georg Müller nachvollziehen, dass Eltern eine Lösung in Gadderbaum wünschen - der Standort habe sich bewährt. Im bisher letzten Jahrgang kommen vier von zehn Kindern aus Gadderbaum, sechs aus dem Rest der Stadt. "Ich sehe, dass es ein stadtbezirksnahes Angebot geben sollte und sehe die Kooperation mit dem Bethel-Gymnasium als erstrebenswert an." Deshalb habe die Stadt um ein Jahr Aufschub gefeilscht. "Da sollten Bethel und wir zu einer Lösung finden." Die beste sei die vorhandene, mit Bethel als Träger. Sollte die Stadt Träger werden, stellt Müller beim Blick auf städtische Grundstücke in Gadderbaum klar: "Wo, das ist offen, ich aber würde für einen Neubau plädieren." Auch könne über ein Erbbaurecht nachgedacht werden. Mit Blick auf das Bürgerbegehren sagt er: "Wir haben aber keine Gelddruckmaschine; was hier ausgegeben wird, kann woanders nicht ausgegeben werden." Skepsis schwingt mit, wenn er betont, dass eine rechtlich einwandfreie Frage im Bürgerbegehren "ein kleines Kunststück" sei. Die Zeit laufe. "Ich denke, der Bürgerentscheid müsste im Mai parallel zur Landtagswahl stattfinden." Der schwarze Peter Lars Nockemann (SPD) warnt: "Wir müssen aufpassen, dass der schwarze Peter nicht von Bethel zu uns umgelegt wird." Die Stadt dürfe nicht büßen müssen für Investitionen, die Bethel nicht getätigt habe. Das neue Bürgerbegehren schreckt auf, das ist zu spüren. Für die Organisatoren ist das ein Teil der Strategie. Es heißt: "Stadt und Bethel lehnen sich bisher auf Kosten der Schüler zurück - und das wollen wir durchbrechen."

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