Bielefeld/Werther Bielefeld-Krimi holt IS-Terror nach OWL

Der Gefährder: Autor Rolf Düfelmeyer hat sein viertes Buch veröffentlicht. Darin macht er radikalisierte Salafisten und zwielichtige V-Männer zum Thema

Jens Reichenbach

Bielefeld/Werther. Frank Sommer ist erfahrener Leiter der Bielefelder Mordkommission und der Held der vier Bielefeld-Krimis von Autor Rolf Düfelmeyer. In seinem vierten und neuesten Fall, "Der Gefährder", wird Sommer von seiner Vergangenheit eingeholt. Vor acht Jahren hatte er als Ermittler in Köln den Sohn eines Mafia-Bosses erschossen. Als der Vater sieben Jahre später aus dem Gefängnis kommt, sinnt der auf Rache. Tatsächlich: Unbekannte entführen im Dornberger Forellenweg Sommers Frau Angelika. Schnell versuchen Sommer und seine Ermittlerkollegen dem Mafiosi das Handwerk zu legen. Doch plötzlich taucht ein Video auf, auf dem IS-Kämpfer die Entlassung eines kürzlich erst verhafteten Terroristen fordern. Der Fall entwickelt sich in eine ganz andere, ungeahnte Richtung. Autor Rolf Düfelmeyer, Religionslehrer und Pfarrer a. D., hat sich für seinen neuesten Krimi einer sehr aktuellen Entwicklung auch in OWL bedient. Denn er greift für seine fiktive Geschichte die tatsächlich existierende Salafistenszene in Herford auf, die von Staats- und Verfassungsschutz beobachtet wird, und aus deren Reihen bereits einige radikalisierte Männer aus Bielefeld und Herford für den IS in den Krieg gezogen sind. Vier dieser Terrorverdächtigen warten nach ihrer Rückkehr inzwischen in der JVA Bielefeld auf ihr Urteil. Die Ereignisse von München und Ansbach überholten die Fiktion Der ehemalige Pfarrer holt in "Der Gefährder" den Terror des Islamischen Staates "in die ostwestfälische Provinz", wie er selbst schreibt. Passt so ein politisch, brisantes Thema überhaupt in einen Regionalkrimi? "Unbedingt", sagt Düfelmeyer. Er wollte keinen Regionalkrimi im eigentlichen Sinne schreiben: "Viele normale Krimis werden nur noch brutaler, das finde ich zunehmend belanglos. Ich möchte in meinen Krimis aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen." Ein Verlag hatte das Buch des Wertheraners sogar abgelehnt, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass im beschaulichen Herford eine Terrorzelle losschlägt. Da waren die Anschläge von München, Ansbach und Würzburg auch noch nicht passiert. "Ich wurde von der Entwicklung der Ereignisse sozusagen überholt", sagt Düfelmeyer. "Mehr und mehr wird uns bewusst, dass die Krisen dieser Welt nicht irgendwo da draußen stattfinden, sondern direkt vor unserer Haustür." Welche Rolle spielt der Verfassungsschutz? Doch damit nicht genug für den Autoren: Eine wichtige Rolle in dem Fall spielt ein Detmolder Neonazi, der nach einem Molotow-Anschlag auf ein Flüchtlingsheim vom Verfassungsschutz als V-Mann angeworben wird, Informationen aus der Salafistenszene zu gewinnen. Denn Auslöser für Düfelmeyers Buch war die Lektüre von Irfan Pecis Sachbuch "Der Dschihadist - Terror made in Germany", der von seiner Radikalisierung erzählt und wie er nach seiner Verhaftung als V-Mann zur Trumpfkarte gegen den islamistischen Terrorismus wurde. Als Experte für die Bekämpfung islamistischer Bedrohungen stand dem Autor zudem noch Ulrich Buchalla zur Seite, der 14 Jahre lang Kommissariatsleiter beim Bielefelder Staatsschutz im Polizeipräsidium war. Trotzdem liegen zwischen der Realität Buchallas und dem Krimiplot Welten: "Das war so gewollt. Das ist ja auch ein Krimi und kein Sachbericht." Düfelmeyer ist mit dem Krimi "Der Gefährder" ein dichtes, spannendes und aktuelles Buch mit realistischen Bezügen gelungen. Ein reiner Bielefeld-Krimi ist es sicher nicht. Große Teile spielen in Herford. "Der Gefährder", Rolf Düfelmeyer, ist Ende Oktober im Prolibris-Verlag erschienen, ISBN 978-3-95475-134-1.

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