Für 840.000 Euro wurde das Gebäude des Falkendoms saniert und gedämmt. Doch ab 22 Uhr haben die Betreiber keine Betriebsgenehmigung mehr. - © Jens Reichenbach
Für 840.000 Euro wurde das Gebäude des Falkendoms saniert und gedämmt. Doch ab 22 Uhr haben die Betreiber keine Betriebsgenehmigung mehr. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Gericht stoppt Partys und Musik im Falkendom

Eilverfahren: Eine Anwohnerklage gegen die Bau- und Betriebsgenehmigung des Stadtteilzentrums hat Erfolg gehabt. Partys und Konzerte nur noch bis 22 Uhr erlaubt

Jens Reichenbach

Bielefeld. "Achtung! Die heutige Show von 'Sarah and Julian' und 'The Late Call' muss wegen eines Brandschadens am Gebäude vom Falkendom ins Kamp Café verlegt werden!" So lautet die kurze Nachricht auf der Homepage des Stadtteilzentrums Falkendom an der Meller Straße. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Der Brand ist das eine. Aber fast gleichzeitig muss die Jugend- und Kulturarbeit der Falken noch einen viel größeren Dämpfer hinnehmen. Zwar habe eine brennende Mülltonne Sonntagfrüh einen beträchtlichen Fassadenschaden an dem gerade für 840.000 Euro sanierten Gebäude verursacht, erklärt Uli Gödde von den Falken. "Aber innen drin ist alles in Ordnung." Schwerer wiegt die jüngste Niederlage der Stadt vor dem Verwaltungsgericht Minden. Ein Anwohner des Falkendoms hatte gegen die erteilte Bau- und Betriebsgenehmigung geklagt und nun im Eilverfahren Recht bekommen. "Nach dem Urteil sind bei uns von 22 bis 6 Uhr keine Veranstaltungen mehr erlaubt", erklärt Gödde. Zwar stehe das Hauptsacheverfahren noch bevor, aber bis dahin sei man an das Urteil gebunden. "Wir machen seit vielen Jahren offene Jugendarbeit im Auftrag der Stadt. Dazu gehört auch Kulturarbeit für Jugendliche." Das heutige Konzert sollte das erste Konzert im neuen Falkendom werden, der seit September 2015 wegen des Umbaus geschlossen war. "Alle haben sich schon darauf gefreut. Jetzt müssen wir für die Konzerte neue Bühnen finden oder sie so vorverlegen, dass bis 22 Uhr Schluss ist." Aus Göddes Sicht ist Letzteres Nonsens: "Das sind Angebote für Jugendliche ab 16 Jahren, damit die sich nicht heimlich in die Diskos schleichen. "Wenn wir aber schon um 22 Uhr zu machen, kommt niemand." Auch das geplante Eröffnungsfest stehe auf der Kippe. Ein Sprecher der zwei Klägerfamilien betont: "Wir wollen nicht die Bösen sein. Aber wir wollen auch unsere Lebensqualität erhalten." Vor allem die Falkendom-Partys hatten in der Vergangenheit für schlaflose Nächte gesorgt, auch wegen der Gäste vor der Tür - teilweise bis 5 Uhr früh. 2013 forderten die klagenden Nachbarn ein Ende der Partys bis 1 Uhr. Die Stadt entschied sich daraufhin, das Gebäude zu sanieren und mit einer umfangreichen Dämmung Energie zu sparen und Lärm aufzuhalten. Ob Letzteres gelungen ist, weiß noch niemand. Der Nachbar befürchtete aber, dass das Konzertprogramm mit dem Umbau noch kommerzieller ausgerichtet werden könnte. Die unkonkrete Betriebsgenehmigung und ein Lärmgutachten am Rande der Grenzwerte hätte alles möglich gemacht, sagt er. Das sah auch das Gericht so und beschränkte den Betrieb.

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