Vor dem Gericht und seinem Opfer hat sich Alexander J. jetzt für seine Messerattacke entschuldigt. Er verlas eine mit Anwalt Alexander Strato abgestimmte Erklärung. - © Wolfgang Rudolf
Vor dem Gericht und seinem Opfer hat sich Alexander J. jetzt für seine Messerattacke entschuldigt. Er verlas eine mit Anwalt Alexander Strato abgestimmte Erklärung. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Messertäter entschuldigt sich bei Opfer und den jungen Augenzeugen

Staatsanwalt Veit Walter fordert 8 Jahre Haft für den 36-jährigen Alexander J.

Nils Middelhauve

Bielefeld. In seinem letzten Wort wurde er emotional: Alexander J., der im Mai seine getrennt von ihm lebende Ehefrau an einer Bushaltestelle in Sennestadt mit einem Messer schwer verletzt hatte, entschuldigte sich bei allen Zeugen der Tat und bat seine Noch-Ehefrau um Verzeihung. Der 36-Jährige hatte seine Frau im Mai 2016 direkt vor einem haltenden Bus angegriffen, zahlreiche Unterstufenschüler hatten die Tat mit ansehen müssen und mussten anschließend psychologisch betreut werden. Vor seinem Schlusswort hatte Staatsanwalt Veit Walter beantragt, J. zu einer Gefängnisstrafe von acht Jahren zu verurteilen. Stockend verlas J. (36) dann am Ende des zweiten Verhandlungstags vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts eine vorbereitete Erklärung. „Ich entschuldige mich bei allen Menschen, die Zeuge meiner Tat geworden sind", sagte er mit erstickter Stimme. Insbesondere gelte dies für die Kinder, die aus einem Bus der Linie 30 heraus den Messerangriff auf seine Ehefrau beobachtet hätten, hieß es. Dann wandte er sich direkt an die als Nebenklägerin im Saal anwesende Ehefrau (35), die im November 2015 die Scheidung eingereicht hatte: „Mir tut es aufrichtig leid, dass ich Dir meine Welt und meine Werte aufgezwungen habe. Du bist frei, Deinen Lebensweg zu suchen. Ich hoffe, Du findest, was Du suchst. Verzeih mir." Alexander J., der die eingereichte Scheidung nicht akzeptieren wollte und die 35-Jährige immer öfter bedrängte und auch bedrohte, hatte dieser am 13. Mai schließlich aufgelauert und an der Haltestelle Travestraße an der Elbeallee mehrfach mit einem Messer auf ihren Körper, ihren Kopf und ihr Gesicht eingestochen. Durch die Verletzungen verlor die Frau das linke Augenlicht. Nur der Busfahrer, vor dem der Angriff unmittelbar stattfand, griff ein, zerrte J. von seinem Opfer und verhinderte dadurch Schlimmeres. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt - vermutlich mit dem Urteil.

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