Sprachlos: Rund 70 Frauen und 15 Männer demonstrieren für die Opfer von Menschenhandel und Gewalt. - © Andreas Frücht
Sprachlos: Rund 70 Frauen und 15 Männer demonstrieren für die Opfer von Menschenhandel und Gewalt. | © Andreas Frücht

Bielefeld "Walk for Freedom": 70 Frauen sorgen in Bielefeld für große Aufmerksamkeit

Am europäischen Tag gegen Menschenhandel schweigen die Demonstranten für die, die keine Stimme haben

Hanna Paßlick

Bielefeld. Ein langer Zug von Frauen zieht am Dienstagnachmittag durch die Bielefelder Innenstadt. In Schwarz gekleidet demonstrieren sie gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. Doch sie tun es schweigend, müssen es sogar, denn ihre Münder sind zugeklebt. „Damit zeigen wir Solidarität mit all denen, die keine Stimme haben oder nicht gehört werden", hatte Mitorganisatorin Kristina Frank vorab erklärt. Die Bielefelderin findet es erschreckend, dass Sklaverei und Menschenhandel weltweit präsent sind, obwohl es doch eigentlich verboten wurde. Selbst in Bielefeld komme niemand an dem Thema vorbei. Das bestätigt auch Katharina Hontscha-Stavropoulos von der Frauenberatungsstelle Theodora. Sie und ihre Kolleginnen sind nachts in Bielefelder Bars und Clubs unterwegs, um Frauen in der Prostitution zu beraten, zu unterstützen oder ihnen beim Ausstieg zu helfen. Bei ihrer Arbeit halten die Theodora-Mitarbeiterinnen auch Ausschau nach Frauen, die unfreiwillig in der Prostutition gelandet sind. Sie bieten ihnen Hilfe und Schutz an und vermitteln sie weiter Derzeit seien es vor allem Frauen aus Nigeria, die unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt wurden sagt die Theodora-Mitarbeiterin. "Viele von ihnen müssen sich schon auf dem Schiff nach Deutschland prostituieren, um die Überfahrt überhaupt bezahlen zu können." Später würden die Frauen dann bedroht und eingeschüchtert. Sie müssten ihre Pässe abgeben und vermeintliche Schulden abbezahlen. Eine Falle, aus der Betroffene nur selten alleine entkommen würden. Mit ihrem Schweigemarsch am europäischen Tag gegen Menschenhandel wollen die Demonstranten auf genau diese Missstände aufmerksam machen. In Anlehnung an eine europaweite Aktion haben sie ihren Protest "Walk for freedom" genannt. Auf den Straßen der Stadt erregen die Frauen Aufmerksamkeit. Hier sind die Menschen an laute, farbenfrohe Proteste gewöhnt. Wo sonst Trillerpfeifen, Lautsprecher und Warnwesten zum Einsatz kommen, ist an diesem Tag alles still. Dutzende Passanten bleiben stehen, recken die Hälse, um den Anlass für diesen Menschenzug zu verstehen. Männer, die die Demo begleiten, verteilen Flyer zum Thema. Mit dabei ist auch Florian Koch. „Gerade wir als Männer sollten aufstehen und sagen: Wir müssen etwas dagegen tun", sagt er. Der Student aus Osnabrück hat den Eindruck, dass vor allem bei Männern noch großer Aufklärungsbedarf zum Thema Zwangsprostitution bestehe. Auch in seinem Bekanntenkreis gebe es noch solche, die glauben würden, Prostitutierte würden ausschließlich freiwillig arbeiten, weil sie damit gut verdienen könnten. Aber welche Rechte und Perspektiven die Betroffenen hätten, damit setze sich kaum ein Mann auseinander. Koch: "Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass Menschenhandel hier bei uns stattfindet." Um ein größeres Bewusstsein für das Thema zu schaffen, haben die Organisatoren der Demo eine Facebook-Seite erstellt. Auf „Handel gegen Menschenhandel" werden Infos ausgetauscht und Absprachen getroffen – auch für künftige Protestaktionen. Um die Problematik weiter ins Bewusstsein der Menschen zu rufen.

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