Stilecht in Kostümen: Die Shakespeare Company Berlin präsentierte ihr Bühnenprogramm in der Stadthalle. - © Andreas Fruecht
Stilecht in Kostümen: Die Shakespeare Company Berlin präsentierte ihr Bühnenprogramm in der Stadthalle. | © Andreas Fruecht

Bielefeld Theatermarkt Bielefeld: Gastspiele punkten mit Prominenz und Witz

In der Stadthalle treffen 170 Aussteller auf interessierte Kulturausrichter. Für Gastspiele wird diese Vernetzung immer wichtiger, weil die Zahl ihrer Spielorte abnimmt.

Hanna Paßlick

Bielefeld. Im ersten Ausstellungsgang reihen sich Krabat und Rapunzel an Hardy Krüger Junior. Ein paar Meter weiter ringen Musicals, Beatboxer und eine Shakespeare-Version um die Aufmerksamkeit der Besucher. Die Bandbreite des dritten Theatermarktes in der Bielefelder Stadthalle ist am Montag breit, vielleicht sogar breiter denn je. Weil vielerorts öffentliche Mittel gekürzt und Spielorte geschlossen werden, durchleben Gastspieltheater derzeit schwierige Zeiten. „Ein Grund mehr, uns bei Großveranstaltungen wie dieser stärker zu vernetzen", betont Christian Kreppel, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen (Inthega). 170 Aussteller Alle zwei Jahre lädt die Inthega zu ihrer zweitägigen Herbsttagung mit Theatermarkt ein. Dieses Mal haben sich 170 Aussteller aus allen Unterhaltungssparten angemeldet. „Der Schwerpunkt unseres Treffens liegt allerdings auf dem Theater", sagt Kreppel. Er erwartet rund 800 Besucher. Viele davon seien Träger oder Ausrichter kultureller Veranstaltungen. „Bei uns informieren sie sich dann über aktuelle Programme für ihre Spielstätten", so der Inthega-Präsident. Notwendiges Netzwerk Ein Großteil der Aussteller, darunter auch solche aus der Schweiz und Luxemburg, nutzen den Theatermarkt indes, um Kontakte zu knüpfen oder aufzufrischen. „Klar ist das hier auch ein Konkurrenzkampf", gibt Kim Pfeiffer von der Shakespeare Company Berlin zu. Ihr Ensemble spielt sechs Monate im Jahr in Berlin. Das allein reicht finanziell nicht aus, deshalb gehen die Darsteller auf Tour. Doch Kulturschaffende in kleinen Kommunen hätten immer weniger Geld zu Verfügung, so Pfeiffer. Da werde nur gebucht, was wirklich überzeuge. Um dauerhaft bestehen zu können, sei deshalb ein festes Netzwerk für Gastspiel-Ensembles lebensnotwendig, glaubt Pfeiffer. „Auch durch Kontakte lassen sich schließlich irgendwann Gastspiele verkaufen." Prominenz überzeugt Weil Shakespeare nicht jedermanns Geschmack ist, hat sich das gleichnamige Ensemble mit musikalischen Varianten breiter aufgestellt. Darauf setzt auch das Nordtour Theater aus Schleswig-Holstein. Die Zeiten für Gastspieltheater seien härter geworden, sagt Mitarbeiterin Eva-Maria Kramer. Um durchzuhalten, müsse ein Theater auch Trends überstehen. „Mal werden uns klassische Stücke aus der Hand gerissen, mal sind es die Komödien", sagt Kramer. Da sei es gut, unterschiedliche Sparten bedienen zu können. Um den Verkauf anzuheizen, setzt ihr Team derzeit vor allem auf bekannte Gesichter. Gerade hat es das Stück „Öffentliches Eigentum" ins Programm geschafft. Auf den Plakaten sind Rainer Hunold und Ulrich Gebauer zu sehen, beides bekannte Darsteller aus dem Fernsehen. „Ich sage mal so: Prominenz schadet nicht, wenn wir Gastspiele verkaufen wollen", sagt Kramer. Manchmal sei das „unglaublich schade", weil unbekannte Darsteller viele ihrer Fernsehkollegen locker in die Tasche stecken könnten. Doch die Plakate von Kramers Mitbewerbern verraten: Hier setzen alle auf dieselbe Strategie. Komödiantisches in Brackwede Auch beim Tourneetheater Brackwede soll Prominenz als Publikumsmagnet überzeugen. Hier ist ab dem 6. November eine Komödie zu sehen, in der die durchs Fernsehen bekannt gewordene Anja Kruse eine Hauptrolle spielt. „So etwas zieht", sagt Angelika Manski, die beim Bezirksamt dafür zuständig ist, die Gastspiele einzukaufen. Acht davon werden pro Saison gezeigt. Die meisten Stücke sind Komödien. „Die werden am besten angenommen", sagt Manski. Ihre Besucher würden das mit der Flucht aus dem Alltag begründen. „Sie sagen, ihr Leben sei so ernst, dass sie am Wochenende endlich Spaß haben wollen." Schnell ausgebucht Sie selbst bucht die Gastspiele, die pro Abend bis zu 10.000 Euro kosten, ausschließlich über das Internet. „Einfach weil es leicht zu machen ist und ich bei den Buchungen schnell sein muss", sagt Manski. Der Inthega-Theatermarkt sei spannend und interessant, um sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Aber viele Gastspiele seien schon lange im Voraus ausgebucht. Deshalb hat Manski das Programm für Brackwede schon jetzt bis Mai 2018 gesichert.

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