Wütende Eltern: Die meisten können es beim Sonderelternabend nicht glauben, in welchem Stil Bethel die integrative Sekundarschule jetzt wieder schließt. - © Sarah Jonek
Wütende Eltern: Die meisten können es beim Sonderelternabend nicht glauben, in welchem Stil Bethel die integrative Sekundarschule jetzt wieder schließt. | © Sarah Jonek

Bielefeld Schließung der Sekundarschule: Glaube der Betroffenen an Bethel erschüttert

Verwunderung darüber, wie der Vorstand die neue Schule aufs Abstellgleis geschoben hat

Kurt Ehmke

Bielefeld. Es war wie eine Zeitreise ins Jahr 2013: Empörte Menschen sitzen in der Bodelschwinghschule - und vorne versuchen Verantwortliche, eine Schließung zu rechtfertigen. 2013 ging es ums das Freibad, diesmal um die Sekundarschule. Bethel-Vorstand Johanna Will-Armstrong und Schulbereichsgeschäftsführerin Barbara Manschmidt versuchten, das völlig überraschende Aus der 2013 gegründeten Schule - der einzigen ihrer Art in Bielefeld - zu begründen. Wut und Empörung schlugen ihnen entgegen; es gab auch Tränen. Vor der Schule steht ein Protestgalgen. Was bleibt, ist Unverständnis über die Entscheidung; und die Art und Weise. Ohne Vorwarnung, ohne Gespräche und ohne erkennbaren Rettungsversuch hatte Bethel das Aus verkündet. Nachdem ein Gutachter einen 20-Millionen-Euro-Investitionsstau erkannt hatte. Eine Summe, zu der es in Bethel Gerüchte gibt, dass sie sogar drastisch höher sein soll, was Sprecher Jens Garlichs aber dementiert. Eine Summe, deren Wucht verwundert, sind doch die betroffenen Gebäude seit Jahren als sanierungsbedürftig bekannt - so waren die Lehrer bereits dem Schimmelpilz in Haus A ausgewichen - selbst auf Abibällen hatte man sich über den desolaten Zustand des Gebäudes am Zionswald mokiert. Für die Stadt ist das Aus der Schule, die, stark vereinfacht, eine Art Gesamtschule ohne Oberstufe ist, ärgerlich. Ist diese Schulform doch an weiteren Stellen geplant und Bethel soll als Vorzeigeschule dienen. Schuldezernent Udo Witthaus zu der Entscheidung: "Die Stadt Bielefeld muss die wegfallende Kapazität der Sekundarschule Bethel durch eigene Angebote kompensieren." Definitiv nicht möglich sei es aber, die Trägerschaft der Ersatzschule zu übernehmen. "Das dürfen öffentliche Träger nicht." Für künftige Schülergenerationen müsse man aber eine Lösung finden. Ob die Schaffung der Sekundarschule Brodhagen den Wegfall kompensieren könne, sei aber nicht absehbar. "Das hängt davon ab, ob die Eltern, die ihre Kinder in Bethel angemeldet hätten, dies künftig an der städtischen Sekundarschule tun." Und was ist mit den aktuellen Schülern? "Die haben Anspruch, ihre Schullaufbahn in Bethel zu beenden. Sie werden erst relevant, wenn sie in eine öffentliche Schule wechseln sollen." Die Paprika-Koalition spricht von einem "fatalen Signal". Thomas Wandersleb von der SPD kritisiert: "Dass ein Ersatzschulträger sich so überraschend zurückzieht, ist ein beispielloser Vorgang." Gerd-Peter Grün sieht "gemeinsames Lernen, Inklusion und Kinder ohne gymnasiale Empfehlung auf der Strecken bleiben". Oberstes Ziel müsse jetzt sein, die Schule dauerhaft zu erhalten. Viele fragen sich: Was ist los in Bethel? Geht es wirklich ums Geld? Sollte das der Fall sein: Wer trägt Verantwortung dafür, dass 2013 eine Schule neu gegründet wird, ohne vorher das Fundament zu prüfen, auf dem die Schule stehen soll? Oder geht es um etwas anderes? Es gab auch Veränderungen im Vorstand: Bernward Wolfs Nachfolgerin Johanna Will-Armstrong sagte anfangs: "Ich will hier nichts umwerfen." Insider sprechen aber davon, dass sie sehr ambitioniert sein soll. Da Bethel-Chef Ulrich Pohl gesundheitlich angeschlagen ist und Rainer Norden 60 wird, sei denkbar, dass es hier um eine klare Positionierung im Vorstand geht. Oder hat Will-Armstrong beim Blick auf den bizarren Investitionsstau nur beschlossen, knallhart zu sein? Dafür wäre das Themenfeld Schule ein gewagtes: Es rumort bei den Eltern. Pikiert ist die Stadt, irritiert das Landes-kirchenamt - und auch die Bezirksregierung ist alarmiert. Immerhin stellt sich bei 15 beamteten Lehrern die Frage, ob sie an das Land zurückfallen - oder Bethel sie weiterbeschäftigen muss. Bethel-Chef Pohl ließ ausrichten, er wolle das Thema zurzeit nicht kommentieren. "Er will erst in Ruhe die Gespräche mit allen Beteiligten führen", so Garlichs.

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