Wollen Kommunikation zwischen Patient und Arzt erleichtern: Urologe Andreas Hinkel (von links), Chefchirurg Michael Schnabel und Markus Bönig von Vitabook stellen das neue Gesundheitskonto vor, auf dem Patienten ihre Daten speichern können. - © Andreas Frücht
Wollen Kommunikation zwischen Patient und Arzt erleichtern: Urologe Andreas Hinkel (von links), Chefchirurg Michael Schnabel und Markus Bönig von Vitabook stellen das neue Gesundheitskonto vor, auf dem Patienten ihre Daten speichern können. | © Andreas Frücht

Bielefeld Franziskus-Hospital: Künftig können Patienten Gesundheitsdaten in Cloud speichern

So sollen Komplikationen durch Medikamenteneinnahmen vermieden werden

Monika Kophal

Bielefeld. Zehn Prozent der Krankenhauseinlieferungen sind auf Fehler in der Medikamenteneinnahme zurückzuführen. Das geht aus einer Statistik des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hervor. Um das zu vermeiden, führt Gesundheitsminister Hermann Gröhe ab Oktober einen Medikationsplan ein – auf Papier. Das Fanziskus-Hospital startet zeitgleich mit dem Gesundheitskonto Vitabook. Das ist eine Cloud für Patienten, in der sie ihre Daten speichern und selbst verwalten können. Welchen Sinn das Gesundheitskonto Vitabook macht, zeigt folgendes Szenario: Ein Patient nimmt täglich 13 unterschiedliche Medikamente ein. Von seinem Augenarzt erhält er Tropfen für den Augeninnendruck, von seinem Hausarzt ein blutdrucksenkendes Mittel. Was der eine Arzt macht, bekommt der andere gar nicht mit – bis dato laufen die Gesundheitsdaten nirgendwo zusammen. Höchstens beim Patienten. Und der verliert als Laie schnell den Überblick. Mit möglichen Wechselwirkungen kennt er sich nicht aus, im schlimmsten Fall macht der Körper schlapp und der Patient muss ins Krankenhaus. Und dort wartet bereits das nächste Problem. „Viele Menschen wissen gar nicht genau, welche Medikamenten sie zu sich nehmen", sagt Michael Schnabel, Chefchirurg im Franziskus-Hospital. Zudem können Krankenhäuser nicht auf alle Medikamente zurückgreifen, die Hausärzte und Co verschreiben. Es gilt also, eine Alternative zu finden. Die Medikamente von zu Hause mitzubringen, ist gesetzlich verboten. Hier kommt das Gesundheitskonto Vitabook ins Spiel. Eine Plattform, vergleichbar mit einer Cloud, auf der Patienten all ihre Gesundheitsdaten speichern können. Angefangen bei den Medikamenten bis hin zu Operationen und Krankheiten. Wie bei einer Cloud gehören die Daten dem Patienten. Dieser kann selbst bestimmen, was er speichern möchte und wem er seine Informationen zur Verfügung stellt. Ein Produkt, das sowohl Ärzten als auch Patienten zu Gute kommt. Die Cloud kann den Patienten auf mögliche Wechselwirkungen zweier Medikamente hinweisen und somit grobe Fehler verhindern. „Wir Ärzte erhalten auf der Plattform nicht nur Informationen darüber, welches Medikament der Patient nimmt, sondern auch über den Wirkstoff", sagt Schnabel. Mit diesen Infos ist die Suche nach Alternativen leichter. Die Ideen hinter Vitabook und dem Medikationsplan vom Gesundheitsminister ähneln einander. Nur dass die Plattform Vitabook online agiert und mit einer Gesundheitskarte verbunden ist. Den Medikationsplan von Gröhe hingegen gibt es nur auf einem Blatt Papier. Erst 2018 soll dieser dann elektronisch von der jetzigen Gesundheitskarte abrufbar sein. Schnabel und Markus Bönig von der Firma Vitabook wollen nun möglichst viele Patienten, Ärzte, Apotheken und Altenheime erreichen. Vor allem Letztere sind wichtig, damit das Pflegepersonal den Bewohnern beim Einrichten des Kontos behilflich sein kann. Auch ein Viertel aller Heimeintritte sind laut Bönig auch auf falsche Medikamenteneinnahmen zurückzuführen. „Viele kommen mit einem Oberschenkelhalsbruch in ein Pflegeheim. Dass der Patient gestürzt ist, hat oft mit Schwindel zu tun und das wiederum kann eine Nebenwirkung von Medikamenten sein." Deutschlandweit haben bereits 50 Krankenhäuser Vitabook eingeführt, das Franziskus-Hospital, an dem man das Produkt gemeinsam weiter entwickeln will, ist in OWL das Erste.

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