Fahrrad im Trend: Die Stadt hofft, mehr Bielefelder zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegen zu können. Dafür muss aber die Infrastruktur verbessert werden. Am Hauptbahnhof zeigt sich, wie wichtig ausreichende Abstellmöglichkeiten sind. - © Andreas Frücht
Fahrrad im Trend: Die Stadt hofft, mehr Bielefelder zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegen zu können. Dafür muss aber die Infrastruktur verbessert werden. Am Hauptbahnhof zeigt sich, wie wichtig ausreichende Abstellmöglichkeiten sind. | © Andreas Frücht

Bielefeld Stadt will deutlich mehr Geld für den Bielefelder Radverkehr ausgeben

Zwei neue Stellen geplant: Oberbürgermeister, Politiker und Verbände wollen das Fahrrad auf die „Überholspur“ bringen und den Anteil am Gesamtverkehr von 15 auf 25 Prozent erhöhen

Jürgen Mahncke

Bielefeld. Fahrradfreundlich darf sich Bielefeld nennen. Doch Radfahrer und Verkehrsverbände ziehen das zunehmend in Zweifel. Denn zu wenig Geld fließe in den Ausbau der Infrastruktur. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) will dem jetzt abhelfen. Er stellte eine ehrgeizige Initiative vor, nach der der Anteil des Radverkehrs in Bielefeld von 15 auf 25 Prozent bis 2025 gesteigert werden soll. Investiert werden soll sogar drei Mal so viel wie bisher – wenn auch über Fördergeld. Clausen steht mit der Forderung, den Radverkehr deutlich zu stärken, aber nicht allein. Auf Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses 2014 entwickelte eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Ratsparteien, Polizei, Radfahr-, Handels- und Wirtschaftsverbänden sowie Ämtern der Verwaltung fünf Leitsätze. Danach soll der Radverkehrsanteil spürbar erhöht, ein Radverkehrskonzept erarbeitet, die Infrastruktur verbessert und mehr fürs Fahrrad geworben werden. Die Experten nennen das Verfahren BYPAD (Bicycle policy audits). Das Amt für Verkehr hat daraus Schlüsse gezogen, die Clausen vorstellte: Wichtiger Punkt dabei sei, dass im Amt für Verkehr zwei zusätzliche Stellen für die Radverkehrsförderung ab 2017 geschaffen werden. Das Geld muss im Haushalt aber noch gefunden werden. Der OB hält sie aber für sinnvoll, weil nur so erstrebenswerte Projekte und Planungen wie ein Radschnellweg von Herford über die Bielefelder Uni bis nach Werther vorbereitet werden könnten – um später dafür Geld zu erhalten. Denn Clausen erhofft sich zunehmend Zuschüsse von EU, Bund und Land. Auch dort sei angekommen, dass das Fahrrad „auf die Überholspur" gehöre. Elektroräder lägen im Trend und erleichterten den Umstieg. Weil zudem noch viele Kurzdistanzen gerade in der Stadt mit dem Auto zurückgelegt werden, sehen Stephanie Dietz und Fahrradbeauftragter Oliver Spree vom Amt für Verkehr „ein großes Potenzial, aufzusatteln". Dazu tragen bereits Aktionen wie „Stars" zur Förderung von Radfahren an Grundschulen oder „Ohne Auto mobil" mit eintägiger Sperrung der B 61 nach Herford bei. Nötig sei aber auch, in die Infrastruktur zu investieren – in bessere und mehr Radwege, von denen es bisher 300 Kilometer in Bielefeld gibt, aber auch Abstellmöglichkeiten vor Einrichtungen und in der Innenstadt. Bisher gibt die Stadt für Radverkehr insgesamt unter Einbeziehung von Straßenbau gerade mal 1,2 Millionen Euro aus – umgerechnet 4,50 Euro pro Einwohner und Jahr. Das liege unter dem Schnitt. Als Zielwert für „Aufsteiger", wie fahrradfreundliche Städte genannt werden, gelten aber 13 bis 18 Euro pro Einwohner und Jahr. Das wären für Bielefeld umgerechnet mindestens 4,3 Millionen Euro. Clausen ist klar, dass „wir davon noch weit weg sind". Doch wenn die Politik mitziehe, könnten über Umschichtungen von Straße auf Radwege sowie Fördermittel mehr erreicht werden. Ein Forum aller Beteiligten soll den Prozess begleiten. Stadtentwicklungs- und Finanzausschuss sollen darüber am 20. September beraten. Ein wichtiges Ziel bei der Radwegeförderung sei zudem die Sicherheit. Und so verteidigte Clausen auch den umstrittenen Tempo-30-Vorschlag des Amtes für Verkehr für die Stapenhorststraße: „Ein relevantes Maß an mehr Sicherheit überlagert den Verlust von Parkplätzen und an Zeit für Autofahrer." Ob Tempo 30 dort aber wirklich eingeführt wird, ließ der OB noch offen. Denn derzeit laufe noch die Anhörung der Bezirksvertretung Mitte, die das Thema vertagte. Clausen stellte aber auch klar: „Die Entscheidung trifft die Straßenverkehrsbehörde und damit im Endeffekt ich." Das Votum der Politiker werde aber bei der Abwägung berücksichtigt.

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