Alter Name, altes Logo, neue Firma: Fabian Schühle und Wolfgang Klemme (v.l.) führen die neue Anker Kassensysteme GmbH. Früher wurden komplette Registrierkassen gebaut, heute werden Komponenten für alle großen Kassen-Hersteller produziert. - © Andreas Zobe
Alter Name, altes Logo, neue Firma: Fabian Schühle und Wolfgang Klemme (v.l.) führen die neue Anker Kassensysteme GmbH. Früher wurden komplette Registrierkassen gebaut, heute werden Komponenten für alle großen Kassen-Hersteller produziert. | © Andreas Zobe

Bielefeld Die Ankerwerke nehmen wieder Fahrt auf

Unternehmen: Die traditionsreichen Ankerwerke wechselten nach dem Konkurs 1976 mehrmals den Besitzer, wurden umstrukturiert und aufgeteilt

Sebastian Kaiser

Bielefeld. Der Plan scheint aufzugehen: Seit einem Jahr agiert das Traditionsunternehmen Anker wieder als eigenständiger Mittelständler. Mit Geldkassetten und Ständern für Kartenleser und Touchscreens konzentriert sich die Firma am Standort Bielefeld auf die Kernkompetenz "Hardware für Kassensysteme". 14 Millionen Euro Umsatz weist die Bilanz des ersten, wieder selbstständigen Jahres aus. "Wir liegen über Plan und sind gut profitabel", sagt Geschäftsführer Fabian Schühle. Die 1876 gegründeten Ankerwerke waren mit über 9.000 Mitarbeitern einmal der größte Arbeitgeber in Bielefeld. Nähmaschinen, Fahrräder, Mopeds, vor allem aber Registrierkassen und Buchungsmaschinen machten das Unternehmen groß. Dann wurde die Umstellung von der Mechanik auf die Elektronik zum Problem, 1976 musste Anker Konkurs anmelden. Das Unternehmen wurde aufgespalten, eine Auffanggesellschaft gegründet. Mehrere Investoren folgten, lange Zeit gehörte Anker zum Torex-Konzern. 2005 wurde die Softwareabteilung nach Berlin verlagert. 2012 stieg die US-Firma Micros ein, Weltmarktführer für Kassensysteme für Hotels- und Gastronomie. 2014 wurde Micros vom Softwarekonzern Oracle übernommen. "Zum dem auf Hardware ausgerichteten Bielefelder Bereich, passte das nicht", sagt Betriebsleiter Wolfgang Klemme. Im August 2015 kam der Neustart: Mit Hilfe von deutschen Investoren gelang die Ausgründung aus dem Oracle-Konzern. Fast jeder hat sie schon einmal gesehen: Geldschubladen, die Kassierer etwa in Supermärkten zu Beginn ihrer Schicht in die elektronischen Kassen schieben. Solche Kassetten sind die Spezialität von Anker. "In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir Marktführer bei Geldkassetten für den Lebensmittelhandel. Die Top Ten unter den großen Ketten sind unsere Kunden", berichtet Schühle. 100.000 der Kassetten mit standardisierter Aufteilung für Münzen und Scheine, die mit den Kassen aller großen Hersteller kompatibel sind, werden pro Jahr produziert. Die Mechanik muss präzise und stabil sein, mehrere tausend Mal am Tag springen die Kassetten automatisch auf, wenn bezahlt wird. "Sie sind ein wesentlicher Teil des Kassierprozesses", so Schühle. 55 Mitarbeiter sind in der Fertigung tätig, rund 15 in der Verwaltung. Hinzu kommen acht Vertriebsmitarbeiter, unter anderem in England und Osteuropa. "Mit der Neugründung mussten wir zwölf Mitarbeiter für Buchhaltung, Einkauf und Rechnungswesen neu einstellen, um wieder selbstständig arbeiten zu können", sagt Wolfgang Klemme. Eine "wachsende Produktlinie, die wir auch kundenindividuell fertigen und mit der wir gerade den Markt erobern", so Schühle, seien "Stands": Halterungen für Geldkassetten, Kartenleser, Quittungsdrucker, Touchscreens und Anzeigen, auf denen Kunden sehen, was sie gerade kaufen. In den nächsten Jahren plant Anker ein Wachstum von 10 bis 15 Prozent. Ziel sind die Beneluxländer, Frankreich, Spanien, Südeuropa. "Die Märkte wachsen. Zudem wollen wir in weitere Branchen wie Apotheken, Käufhäuser oder Kinos gehen", sagt Schühle. Ausgebaut werden soll das Entwicklungsteam. "Das Thema Sicherheit spielt eine große Rolle", erklärt Klemme. In diesem Jahr feiert Anker den 140. Geburtstag. "Wir suchen gerade nach einem repräsentativen Gebäude für die Verwaltung", sagt Fabian Schühle. Derzeit sitzt man noch im Keller der Produktionshallen am Werkering. Etwas vorzeigbarer dürfe es allmählich sein, meinen die Geschäftsleiter.

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