Märchenschloss: Während die Cellistinnen der Bielefelder Philharmoniker (hinten, unter dem blauen Schirm) barocke Musik spielen, schweben diese Fabelwesen über den Sparrenburghof. Die Besucher des ersten Klangfestivals sind sichtlich beeindruckt von dem vielfältigen Programm für alle Sinne. - © Andreas Frücht
Märchenschloss: Während die Cellistinnen der Bielefelder Philharmoniker (hinten, unter dem blauen Schirm) barocke Musik spielen, schweben diese Fabelwesen über den Sparrenburghof. Die Besucher des ersten Klangfestivals sind sichtlich beeindruckt von dem vielfältigen Programm für alle Sinne. | © Andreas Frücht

Bielefeld Klangfest: Auftakt auf der Burg

Hunderte Bielefelder erscheinen zum Zuhören, Staunen und Miterleben auf der Sparrenburg

Jens Reichenbach

Bielefeld. Das Klangfestival 2016 hat mit seiner Eröffnungsveranstaltung "Umsonst & draußen" auf der Sparrenburg einen denkbar stimmungsvollen Auftakt erlebt. Sonne, Kunst, Musik sowie viele begeisterte Teilnehmer und Zuhörer hatten ihren Anteil dabei, dass das neue Musiktheaterfest eine gelungene Premiere feiern konnte. Oben auf dem Burgturm sorgte Sängerin Christina Gürtler für einen frühen Aha-Effekt: Improvisationsgesang aus der Höhe. Mit einer roten Pappe hatte sich die Gesangslehrerin einen Trichter gebaut, um auf dem gesamten Gelände der Burg zu hören zu sein. "Es war ein erhabenes Gefühl - der Blick in die Weite, die feierliche und fröhliche Stimmung haben mich inspiriert", sagte die Bielefelderin, die noch nie zuvor auf dem Wahrzeichen ihrer Heimatstadt aufgetreten war. "Das hat angeblich bisher nur eine Person vor mir gemacht." Unten blickten die Besucher in die Höhe, lauschten, staunten und klatschten zum Abschluss. Doch die Besucher waren nicht nur als Zuhörer dabei. Sie sollten mitmachen, mitsingen und tanzen. Vor allem Kinder und Jugendliche wurden an mehreren Stationen auf dem Burggelände zur Teilnahme aufgerufen: Auf dem Mühlenrondell zum Kindertanz, auf dem Kiekstattrondell zum Basteln von eigenen Pappgitarren. Die Kunst- und Musikschule war mit mehreren Gruppen am Programm beteiligt. Das Künstlerinnenforum sorgte mit Ausstellungsstücken und Installationen zwischen Burgmauern, Ausgrabungen und Kunstgarten für die optischen Klangfarben im Orchester der Kreativität. Klangfestival-Initiatorin Nike Schmitka zeigte sich von Beginn der Veranstaltung an begeistert: "Wir haben schon beim Aufbau viel Interesse der Sparrenburgbesucher bemerkt. Doch dann - kurz vor dem Start - wurde es hier rappelvoll. Die Menschen wollten heute mitsingen und mittanzen." Toller Moment im Burginnenhof: Gerade als drei Cellistinnen der Bielefelder Philharmoniker - Stephanie Kostenbader, Yoonha Choi und Annette Fuhrmann - zwei Sätze des Barock-Komponisten Giacobo Cervetto intonieren, tanzen fantastische Fabelwesen über den Burghof. Die Zuschauer weichen zur Seite. Die Sparrenburg verwandelt sich nun auf allen Sinnesebenen zum Märchenschloss. Sabrina Strunk, Lehrerin der Musik- und Kunstschule, hat die beeindruckenden Fabelkostüme mit Applikationen aus dem Märchenwald entworfen. "Wir haben davon nichts gewusst", sagte Cellistin Kostenbader. "Ich musste mich richtig zwingen, nicht hinzusehen, damit ich nicht rauskomme", berichtet Fuhrmann. Es war eben ein fantastischer Tag voller Musiktheater.

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