Die Kinder der Frölenbergschule in Bielefeld-Brackwede haben fleißig Plastikdeckel gesammelt. - © Andreas Zobe
Die Kinder der Frölenbergschule in Bielefeld-Brackwede haben fleißig Plastikdeckel gesammelt. | © Andreas Zobe

OWL Spendenaktion soll mit Plastikdeckeln gegen Polio helfen

Auch in OWL wird bereits kräftig für die ungewöhnliche Benefizinitiative gesammelt

Johannes Hülstrung

Bielefeld. Manchmal kann alles so einfach sein. Die Deckel von Plastikflaschen abschrauben, gesammelt beim Verwerter abgeben und so die Kinderlähmung bekämpfen - das ist das Konzept hinter "Deckel gegen Polio". Für ein Kilogramm Plastikdeckel, etwa 500 Stück, kann irgendwo auf der Welt ein Kind gegen Polio geimpft werden. Gesteuert wird das Projekt vom Verein "Deckel drauf" aus Nürnberg. "Die Sammlung ist ein ungewöhnlicher Weg, um ein soziales Projekt zu finanzieren", sagt der Vereinsvorsitzende Dennis Kissel. "Dass unsere etwas schräge Idee tatsächlich funktioniert, motiviert uns immer wieder, weiterzumachen." Auch in Ostwestfalen-Lippe wird fleißig gesammelt. Die Frölenbergschule in Bielefeld-Brackwede zum Beispiel beteiligt sich - mit allen 220 Kindern. "Die Schüler nehmen das sehr gut an", sagt Lehrerin Nicole Jacob. Etwa einmal pro Woche kommt ein großer Müllsack voller Plastikdeckel zusammen. Die Aktion wird zum Teil auch in den Unterricht eingearbeitet: "Ich habe mit meiner Klasse über Krankheit und Impfen gesprochen", sagt Jacob. Pfandrückgabe auch ohne Deckel Gesammelt werden können auch die Verpackungen von Überraschungseiern oder Kunststoffdeckel von Shampooflaschen, Zahnpastatuben oder Getränkekartons. Überwiegend geht es aber um die Deckel von Ein- und Mehrwegflaschen. Die Pfandindustrie stört sich an dem Hilfsprojekt nicht, obwohl ihr dabei recycelbares und damit geldwertes Material verloren geht. Die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) weist lediglich darauf hin, dass die Deckel bei der Rückgabe der Flaschen nicht von Bedeutung sind: "Sofern der Barcode und die DPG-Markierung vom Automaten korrekt erkannt werden, erfolgt die Rücknahme der Verpackung", teilt Sprecher Mike Pöthig auf Anfrage dieser Zeitung mit. Polio, die Kurzform von Poliomyelitis, ist eine Infektionskrankheit, die die Nervenzellen des Rückenmarks befällt und tödlich sein kann. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen drei und acht Jahren. Fast weltweit ist das Virus inzwischen ausgerottet. Noch immer schwer von Polio geplagt sind allerdings etwa Pakistan, Afghanistan und Nigeria. Vier offizielle Sammelstellen in OWL Im Kampf gegen die Krankheit sind dem Verein "Deckel drauf" rund 500 Sammelstellen bekannt, überwiegend in Norddeutschland. In OWL sind offiziell vier gelistet: die Grundschule Preußisch Oldendorf, die Grundschule Regenbogen in Lübbecke, die Sekundarschule Warburg und Karin Hülsmann in Herzebrock-Clarholz. Darüber hinaus gibt es einige weitere Sammelstellen, die aus organisatorischen Gründen noch nicht auf der Karte des Vereins im Internet verzeichnet sind. Viele dieser Sammelstellen laufen über Alfred Hellmann vom Rotary-Club Bielefeld-Süd. Wie viele Deckel durch seine Initiative zusammengekommen sind, kann er nicht ganz genau sagen: "Aber das geht schon an die Million." Der Kontakt kam über Dennis Kissel von "Deckel drauf" zustande. Er ist Präsident des Rotary-Clubs Herzogtum Lauenburg-Mölln, der als "Pilotclub" in das Projekt gestartet ist. Zu den Sammelstellen des Rotary-Clubs Bielefeld-Süd gehört auch die Frölenbergschule. Deren Schüler engagieren sich nicht nur, sondern profitieren selbst von der Hilfsaktion. "Für die Kinder ist das super, weil sie so lernen, wie man ohne großen Aufwand ganz konkret etwas Gutes tun kann", sagt Jacob. Manchmal kann eben alles so einfach sein.

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