Nur hier ist es etwas grauer: Am Bielefelder Pass überwiegt das Grau, nach rechts zur Burg und links zum Johannisberg setzt sich der Teutoburger Wald fort. - © DETLEF WITTIG
Nur hier ist es etwas grauer: Am Bielefelder Pass überwiegt das Grau, nach rechts zur Burg und links zum Johannisberg setzt sich der Teutoburger Wald fort. | © DETLEF WITTIG

Bielefeld Bielefeld ist eine der grünsten Großstädte Deutschlands

Bielefeld - grüner geht's kaum

Kurt Ehmke

Bielefeld. Es gibt so viele Ranglisten - und Bielefeld landet traditionell immer im Mittelfeld. Jetzt ist das anders. Zwar ist Bielefeld nicht die grünste Großstadt Deutschlands - definiert man aber Großstadt als Stadt ab 300.000 Einwohnern, dann wäre Bielefeld tatsächlich einmal Sieger einer Untersuchung. Und das wäre sogar glaubwürdig, denn wenn sich die Bielefelder als eines fühlen, dann als besonders grüne Stadt - dem Teutoburger Wald sei dank. Es gibt viele Lesarten zur Analyse der Berliner Morgenpost: Diese hat Satellitenbilder auf den Grünanteil hin ausgewertet - und so kommt Bielefeld auf einen Anteil von 81,2 Prozent grüner Flächen. Für jeden Bielefelder stehen rechnerisch 640 Quadratmeter Grünfläche zur Verfügung - elf Bielefelder teilen sich etwa die Fläche eines Fußballplatzes. Oder: Jeder Bielefelder kann fast exakt die Größe des Strafraums für sich als Grünfläche in Anspruch nehmen. Stichwort Fußball: Hier liest sich die Analyse wie die ideale Fußball-Tabelle - natürlich aus Arminensicht: Bielefeld vor Münster - und dann folgen Paderborn und Osnabrück. Derbysieger Bielefeld Blamiert ist auf jeden Fall Hannover, jene Stadt, die es 2011 in einem Ranking von meinestadt.de auf den Siegerplatz schaffte - was wohl eher eine gefühlt grüne Wahrnehmung war als eine realistische. Die Analyse basierte auf dem Anteil öffentlicher Grünflächen - damit war in Bielefeld der Teuto raus aus der Untersuchung und Bielefeld weg vom Fenster; und Hannover konnte siegen. In der aktuellen Satellitenbildauswertung nun landet Hannover auf einem der hinteren Ränge: Platz 54. Zeit, den Slogan "Die grüne Metropole" zu beerdigen - und vielleicht an Bielefeld abzutreten; wobei das mit der Metropole auch noch überdacht und angepasst werden müsste. Taugt die neueste Analyse für einen Slogan? Da die ewige Bielefeld-Story von der Stadt, die es nicht gibt, den meisten zum Hals heraushängt, ist der 800-Jahr-Feier-Spruch "Gibt?s doch gar nicht" längst wieder beerdigt. In Untersuchungen spielt in Bielefeld aber immer auch das Grün eine wichtige Rolle, ob über den beliebten Tierpark Olderdissen, die Parks und Grünzüge oder den Teutoburger Wald - das Lebensgefühl der Menschen ist grün angehaucht. Sogar politisch gesehen ist Grün in Bielefeld immer ein wenig mehr vertreten als in den meisten anderen Städten - zuletzt durchgehend im zweistelligen Prozentbereich. Wer übrigens von Leipzig, München oder gar Nürnberg schwärmt: Sie alle liegen in der Analyse hinten, mit weniger als 50 Prozent grüner Flächen. Als Martin Wörmann, Leiter des Umweltamtes, von der Studie hört, sagt er: "Das haben wir immer gewusst, ohne es aber belegen zu können." Drei Dinge förderten Bielefelds Grün. "Unser innerstädtisches Grünsystem, das sehr langfristig angelegt wurde." Entlang vieler kleiner Bäche sei früh auf eine Bebauung verzichtet worden - gemeinsam mit den Parks ein wichtiger Faktor. Hinzu komme der Teutoburger Wald. Wörmann: "Ein Mittelgebirge, das quer durch die Stadt läuft, wer hat das schon?" Der dritte grüne Faktor seien die vielen landwirtschaftlichen Flächen, über-wiegend Folge der Eingemeindungen in den 70ern. Wörmann: "Wir bemühen uns seit Jahren, unser Grün auch werblich herauszustellen, aber leider ist Bielefeld Marketing noch nicht so sehr auf diesen Zug aufgesprungen - dort wird eher auf die Universität gesetzt." Doch das scheint Vergangenheit. Martin Knabenreich von Bielefeld Marketing sagt auf Anfrage: "Nachdem unsere aktuelle Markenanalyse eindeutig das Grün als starkes Argument für das lebenswerte Bielefeld ergeben hat, setzen wir aufs Grün als zentralem Bestandteil der zukünftigen Kommunikationsstrategie." Wichtig sei, dass in Bielefeld das Grün nicht nur in der Menge vorhanden sei, sondern auch eine hohe Qualität habe. "Wir haben nicht einen großen Wald in der Stadt, sondern überall Grün, welches schnell zu erreichen ist - es durchzieht die gesamte Stadt." Knabenreich betont, dass die Satellitenbildanalyse "eigentlich Platz 1 für Bielefeld ergeben hat" - zumindest beim Blick auf echte Großstädte. Bis zum Sommer solle die neue Strategie stehen, die dann auch das Grün als einen Teil der Lebensqualität Bielefelds herausarbeiten soll. Natürlich nicht als Alleinstellungsmerkmal, aber als wichtiger Baustein der Marke Bielefeld. "Diese Analyse der Satellitenbilder ist Wasser auf unsere Mühlen", sagt Knabenreich.

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