Noch nicht selbstverständlich: Vor allem Jugendlichen fällt es noch immer schwer, sich ihre Sexualität einzugestehen. Politiker wollen diesen Prozess unterstützen. - © dpa
Noch nicht selbstverständlich: Vor allem Jugendlichen fällt es noch immer schwer, sich ihre Sexualität einzugestehen. Politiker wollen diesen Prozess unterstützen. | © dpa

Bielefeld Aktion "Anders Gleich" soll sexuelle Vielfalt in Bielefeld fördern

Paprika-Koalition und Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen wollen auf Homosexualität aufmerksam machen

Monika Kophal

Bielefeld. Lesbisch, schwul, bisexuell und transsexuell zu sein, ist in vielen Teilen der Gesellschaft noch nicht selbstverständlich. Zwar hat die Stadt in den Jahren 2002 und 2004 bereits einen Aktionsplan entwickelt, um Vorurteile abzubauen, doch das ist der Paprika-Koalition und dem Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen Bielefeld nicht genug. Welche Bedürfnisse haben Homosexuelle und wie lässt sich sexuelle Vielfalt fördern? Antworten auf diese Fragen erhoffen sich die Politiker von der Veranstaltung "Anders Gleich" am Mittwoch, 16. März, im Rathaus. Im Juni 2004 verabschiedete der Sozial- und Gesundheitsausschuss ein kommunales Handlungsprogramm zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Viele der dort vorgestellten Ideen seien in den vergangenen Jahren in Vergessenheit geraten. Björn Klaus und Wiebke Esdar (SPD), Klaus Rees (Grüne), Michael Gugat (Piraten), Friederike Vogt vom Frauenkulturzentrum und Peter Struck von der Aids-Hilfe wollen diesen Aktionsplan nun auffrischen. Zum Beispiel sollen wieder regelmäßig Fortbildungen für Sozialarbeiter in der Jugendarbeit angeboten werden. "Die Träger der Jugendeinrichtungen sind verpflichtet regelmäßig Veranstaltungen zu dem Thema sexuelle Vielfalt anzubieten", sagt Struck. Für viele Jugendliche, sagt Esdar, ist es nach wie vor schwierig, sich selbst ihre Homosexualität einzugestehen. Dass das Wort "schwul" noch immer als Schimpfwort gebraucht wird, "zeigt, dass wir uns noch mitten im Prozess befinden." Doch es gibt auch positive Beispiele. So haben die Aids-Hilfe und das Gesundheitsamt eine Test- und Impfkampagne auf den Weg gebracht, mit der man große Erfolge erzielen konnte. Anregende Ideen erhoffen sich die Politiker von der Stadt Dortmund. Dort nämlich ist das Thema sexuelle Vielfalt in der Gleichstellungsstelle verankert. Dortmunds Konzept soll bei der Veranstaltung vorgestellt werden. In Bielefeld fehle eine solche Bündelung. Rees weist auch daraufhin, dass sich unter den Geflüchteten in Bielefeld auch Menschen befinden, die aufgrund von Homophobie aus ihren Ländern fliehen mussten. Die Themen Sexualität und Integration spielen hier ineinander. Das Ziel sei Schwulen, Lesben, Bisexuellen oder Transsexuellen ein eigenes Angebot zu bieten und sie trotzdem nicht als eine geschlossene Gruppe darzustellen.

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