Schnelle Aufklärung nach Leichenfund: Die Bielefelder Mordkommission nahm nur wenige Tage nach der Tat am Baderbach in Stieghorst Mitte Februar 2016 den mutmaßlichen Mörder fest. Auch 2015 wurden alle Mordfälle aufgeklärt. - © Christian Mathiesen
Schnelle Aufklärung nach Leichenfund: Die Bielefelder Mordkommission nahm nur wenige Tage nach der Tat am Baderbach in Stieghorst Mitte Februar 2016 den mutmaßlichen Mörder fest. Auch 2015 wurden alle Mordfälle aufgeklärt. | © Christian Mathiesen

Bielefeld Bielefeld weiter sicherste Großstadt in NRW

Kriminalstatistik 2015: Dennoch kritisiert der Bund Deutscher Kriminalbeamter Polizeipräsidentin Giere heftig. Gewerkschaft sorgt sich um überlastetes Personal

Jürgen Mahncke

Bielefeld. Im Vergleich zu anderen Großstädten bleibt Bielefeld eine relativ sichere Stadt. Trotz guter Zahlen übt der Bund Deutscher Kriminalbeamter aber heftige Kritik an der Behördenleiterin Katharina Giere. Die Gesamtzahl der Straftaten stieg 2015 auf 28.029 Fälle an. Dies sind 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 16.021 Fälle konnten aufgeklärt werden. Das entspricht einer Quote von 57,2 Prozent, die sich damit zum Vorjahr kaum veränderte. Positiv zu vermerken, so Polizeipräsidentin Giere, seien weniger Delikte im Bereich Gewalt- und Straßenkriminalität sowie Raubstraftaten. Ebenso sei eine rückläufige Entwicklung im Bereich der Computerkriminalität zu verzeichnen. In Bielefeld wurden 2015 sechs Tötungsdelikte (2014 waren es 10) begangen, zwei blieben im Versuchsstadium. Alle Taten wurden aufgeklärt. Erstmals, nach starkem Anstieg in den letzten Jahren, nahm 2015 die Zahl der Wohnungseinbrüche nicht weiter zu. Sie bleibt mit 885 Fällen aber auf hohem Niveau. Die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche war wie schon im Vorjahr ein Schwerpunkt der Bielefelder Polizei. Im Mai 2015 wurde die Ermittlungsgruppe "Einbruch" zur Analyse, Bekämpfung und nachhaltigen Verhütung der gesamten Einbruchskriminalität eingerichtet. Aktionstage gegen Wohnungseinbrüche verstärkten den Fahndungs- und Ermittlungsdruck auf Einbrecher und führten zu wichtigen Ermittlungsansätzen. "Dass die Bevölkerung zum Thema Einbruchschutz sensibilisiert und informiert wird, ist uns ein wichtiges Anliegen", so Katharina Giere. "Denn nur gemeinsam mit den Bielefeldern können wir Einbrechern den Riegel vorschieben." Für den Bund Deutscher Kriminalbeamter, Bezirksverband Bielefeld, gibt es trotz dieser Zahlen keine Veranlassung, in Bielefeld optimistisch in die Zukunft zu schauen. "Wie in allen Medien zu lesen und zu hören ist, fehlt es in ganz NRW an Polizeipersonal," so Bezirksvorstand Rüdiger Blomeyer. Und für Bielefeld sehe es besonders düster aus. Während Innenminister Jäger pro Jahr 2.000 neue Polizeibeamte einstellen wolle, spreche die Bielefelder Polizeipräsidentin von ausreichendem Personal. "Wir gehen bereits jetzt auf dem Zahnfleisch, können nur noch reagieren und nicht mehr agieren. Wir sind wie Feuerwehrleute, die löschen, aber nicht versuchen Brände zu verhindern", so Blomeyer weiter. Die Aussage der Behördenleiterin gegenüber Mitarbeitern, ihre erste Pflicht als Polizeipräsidentin sei absolute Loyalität gegenüber dem Innenminister und es stehe ihr schlicht nicht zu, in diese Richtung Kritik zu üben, sei untragbar. Blomeyer vermisst die Loyalität der Chefin zu ihren teilweise überlasteten Mitarbeitern. "Wenn die Behördenleiterin von ausreichend Personal spricht, meint sie wohlmöglich ihren persönlichen, aus 13 Mitarbeitern bestehenden Leitungsstab", erregt sich der Gewerkschaftsmann. "Hier wird überwiegend daran gearbeitet, durch positive Meldungen die subjektive Sicherheit in Bielefeld zu steigern." Sicherheit lasse sich, so der Gewerkschaftsvertreter, nur mit mehr Personal in den Streifenwagen und in den Kriminalkommissariaten gewährleisten. Die Polizeipräsidentin will sich zeitnah gegenüber der NW zu den Vorwürfen äußern.

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