Auf diesem Screenshot ist zu sehen, wie ein Passant versucht, den "wütenden" Mann von seiner "Freundin" wegzuschieben. - © Screenshot
Auf diesem Screenshot ist zu sehen, wie ein Passant versucht, den "wütenden" Mann von seiner "Freundin" wegzuschieben. | © Screenshot

Bielefeld Schüler mimen Pärchenstreit - und viele Bielefelder gehen dazwischen

Youtube-Video wurde über 253.000 Mal angesehen

Alexandra Buck

Bielefeld. Das hätte auch in die Hose gehen können. Die Zwillingsbrüder Hamid und Cemil Hasso und ihre Freundin Larissa Koloczek haben in Bielefeld ein so genanntes „Prank-Video", zu deutsch: einen Videostreich, gedreht. Die drei Schüler wollten herausfinden, ob jemand einschreitet, wenn Hamid seiner „Freundin" Larissa brutal an die Kehle geht. Und die Bielefelder sind eingeschritten – manchmal heftiger, als Hamid lieb war. Die Szene ist immer dieselbe: Hamid schubst Larissa herum, ohrfeigt seine „Freundin" und fasst ihr an die Kehle. Von außen betrachtet sieht das ziemlich beunruhigend aus. Im wirklichen Leben ist Hamid aber ein lieber Kerl. Sein Zwillingsbruder Cemil filmt das Ganze unauffällig mit einem Fotoapparat. Die Idee ist nicht neu, das Ergebnis erstaunt in diesem Fall aber doch. Zwar passieren viele Menschen die Szenerie in der Bielefelder Innenstadt scheinbar ungerührt, doch etliche schreiten beherzt ein, gehen offensiv dazwischen, versuchen Hamid von Larissa wegzuschieben. Einer würgt den schauspielernden Hamid sogar. Bemerkenswert sind auch jene Szenen, in denen die Beteiligten darüber aufgeklärt werden, dass es sich lediglich um einen „Prank", also Streich, gehandelt hat. Da ist vor allem eines zu sehen: Erleichterung. Man umarmt sich. Alles wieder gut. „Was ich besonders beeindruckend fand, ist, dass auch Frauen dazwischen gegangen sind", sagt Larissa, die aus Löhne stammt. Auch ihre Freunde Hamid und Cemil  aus Lübbecke waren überrascht ob der vielen Mutigen, die eingeschritten sind. „Besonders gefreut hat uns, dass viele Migranten darunter waren", erzählen die drei. Und das ist die Botschaft des kleinen Filmteams: „Nicht alle Migranten sind böse, Frauen antatschende Monster." Nach den Übergriffen auf Frauen in Köln und anderen Städten waren die Brüder vollkommen fassungslos. „Dass so etwas in diesem Land im 21. Jahrhundert passieren kann, offenbar ohne, dass jemand einschreitet, das hat uns extrem traurig gemacht", sagen die beiden Kurden, die derzeit in Lübbecke ihr Abitur bauen. Mit dem Video wollen sie zeigen, dass es sehr wohl mutige Menschen gibt, die etwas tun – und dass darunter sehr wohl auch Migranten sind. „Die Leute sollen wieder Hoffnung haben und den Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren", das wünschen sich die drei Freunde. Vor zwei Jahren haben sie unter dem Namen „DONI" einen eigenen Kanal auf Youtube eingerichtet und dort bislang 26 Videos veröffentlicht. Das Streit-Video ist bei weitem das erfolgreichste. Am 16. Januar haben die Jungs das Machwerk bei Youtube eingestellt. Über 253.000 Mal ist der Film bislang angesehen worden.

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