Bielefeld/Osnabrück Rocker gehen mit Messern auf ihre Gegner los

Mindestens zwei Verletzte nach Attacke mit Baseballschlägern und Messer

Jens Reichenbach

Bielefeld/Osnabrück. Überraschend wurde am Sonntagabend Bielefeld wieder Schauplatz einer Auseinandersetzung unter Rockern. Lange war es nach der Auflösung der türkischen Hells Angels, den "Turkey Nomads", ruhig in der Stadt. Doch nun sollen zwei Männer auf offener Straße durch Messerstiche verletzt worden sein, ein weiterer durch den Einsatz von Pfefferspray. Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer bestätigte den Vorfall auf Anfrage, sprach aber lediglich von zwei Verletzten, die dem Rockermilieu zuzuordnen sind. Augenzeugen berichteten unabhängig voneinander, dass es gegen 19.30 Uhr vor der Markant-Tankstelle an der Herforder Straße zu tumultähnlichen Szenen gekommen war. Etwa 25 bis 30 Männer seien plötzlich aufeinander losgegangen, nachdem zuvor einige Osnabrücker Fahrzeuge vorgefahren waren. Zwei dieser Männer sollen dabei ohne Umschweife mit Baseballschlägern auf eine Gruppe losgegangen sein. Dann beobachtete einer der Augenzeugen, wie ein Angreifer ein Messer zog und damit einem Mann in den Bauch stach. Ein Mann, der auf den Boden geworfen wurde, soll einen Stich in den Oberschenkel erhalten haben. Weder Geschädigte noch Angreifer wollten mit der Polizei sprechen Der Haupttäter und seine Gefolgsleute seien für die Augenzeugen anhand ihrer "Kutten" (Lederjacke mit erkennbarem Logo) als Mitglied der rockerähnlichen Gruppe "United Tribuns" zu erkennen gewesen. Die United Tribuns aus Osnabrück haben der Polizei schon viel Arbeit bereitet. Sie ermittelte bereits wegen Schutzgelderpressung und illegalen Waffenbesitzes. Dem Vernehmen nach sind auch einige Bielefelder Mitglied dieser Gruppierung. Bei Eintreffen der Polizei waren laut Sprecherin Landwehrmeyer nur noch sechs Männer vor Ort, zwei von ihnen konnten dem Rockermilieu zugeordnet werden. "Einer der Männer gehört einem auswärtigen Hells Angels Club an", so Landwehrmeyer, "der andere ist als Mitglied der Bielefelder Turkey Nomads bekannt." Die Verletzten wollten sich selbst zur Versorgung ins Krankenhaus begeben. Weil weder Geschädigte noch Angreifer mit den Polizeibeamten sprechen wollten, sei keine Aussage über das Motiv der Angreifer möglich, sagte Landwehrmeyer. Aus Insiderkreisen war die Rede davon, dass ein Tribuns-Mitglied aus Bielefeld seine Vereinskutte abgegeben und damit seinen Austritt vollzogen habe. Sollte er zuvor dem Club geschadet haben, gilt er damit automatisch als "vogelfrei" und muss jederzeit mit tätlichen Angriffen seiner ehemaligen Brüder rechnen. Die beiden Verletzten in Bielefeld sollen Freunde des Ex-Tribuns sein, die schlichten wollten.

realisiert durch evolver group