Glasfaser-Kabel: Die Leitungen, die schnelle Internetverbindungen ermöglichen, bestehen aus farbigen Einzelsträngen. - © dpa
Glasfaser-Kabel: Die Leitungen, die schnelle Internetverbindungen ermöglichen, bestehen aus farbigen Einzelsträngen. | © dpa

Bielefeld Bielefelder Unternehmen fordern besseren Breitbandausbau

Die Stadt will den Ausbau des Kabelnetzes vorantreiben und hofft auf Bundesmittel. Den kleinen Unternehmen sind die Anschlusskosten zu hoch. Eine IHK-Umfrage benennt Knackpunkte

Sebastian Kaiser

Bielefeld. Ob Hightech oder Handwerk - gute Internetanbindungen gehören für Unternehmen zu den Grundvoraussetzungen. Doch gerade in den Außenbereichen der Stadt sind schnelle Glasfaser-Datenkabel keineswegs Standard. Die Stadt will sich jetzt um Fördermittel bemühen und den Ausbau voranbringen. "Wenn Bielefeld nicht schnell in die Socken kommt, wird der Standort abgehängt", sagt Reinhard Tweer, Geschäftsführer der Sennestädter Gießerei Tweer und Vorsitzender des regionalen Unternehmerverbandes der Metallindustrie. Herford und Gütersloh geben in Sachen Breitbandausbau derzeit mächtig Gas. "Bielefeld muss mithalten", sagt Gerald Blome, Referent für Stadtplanung bei der Industrie und Handelskammer. In der Innenstadt sei die Versorgung topp, doch in Randbereichen, wo noch Kupferkabel aus den 1990er Jahren liegen, brauchen Firmen und Privatkunden einen langem Atem, wenn sie ins Internet gehen. Betroffen sind vor allem kleinere Unternehmen, Handwerksbetriebe oder Handelsvertreter. "Die Übertragung größerer Pläne oder von Fotodokumentationen dauert unerträglich lange. Videokonferenzen mussten wir sogar schon abbrechen", sagt Oliver Davidsohn, Inhaber der DAV-Gebäudereinigung mit 100 Mitarbeitern im Gewerbegebiet Winterstraße. Neben der Telekom gehören Unitymedia und die Stadtwerketochter BiTel, die aktuell Ausbauprojekte verfolgen, zu den Kabelanbietern. "Wer einen schnellen Anschluss will, kann ihn auch bekommen", sagt BiTel-Geschäftsführer Alfred Kerscher. Das Problem: Wer weit weg von der Hauptleitung sitzt, muss für das Verlegen der Leitungen mit hoher Übertragungsrate bis zu seinen Gebäuden selbst bezahlen. Da können schnell über 10.000 Euro und mehr zusammenkommen. Peter Rump, Inhaber des Reise-Know-How-Verlages mit elf Mitarbeitern, sind die Kosten zu hoch. Er sitzt an der Osnabrücker Straße. "Das Glasfaserkabel liegt vier Häuser weit entfernt." "Das Problem sind immer die letzten Meter, die von den Hauptsträngen bis zu den Gebäuden in den Nebenstraßen", sagt Gerald Blome. "Wir brauchen ein schnelles Internet, denn wir übertragen ständig größere Datenmengen, Fotos und Karten. Doch die Sendung eines Buches etwa an eine Druckerei reicht schon und der halbe Verlag liegt erst einmal flach", ärgert sich Peter Rump. Auch Reinhard Tweer liegt mit seinem 350-Mitarbeiter-Unternehmen an der Krackser Straße eher am Ende der Leitung. Regelmäßig muss die Gießerei Pläne oder Simulationsmodelle online zu Kunden senden. "Das geht, aber die Schmerzgrenze ist schnell erreicht", so Tweer. "Doch was ist in Zukunft. Die Industrie 4.0 stellt neue Anforderungen, der Bedarf an die Datenübertragungsleistung wird rasant steigen." Beim Ausbau der Infrastruktur hofft die Stadt jetzt auf die neue Breitbandförderung des Bundes, die nun auch für Großstädte gilt. Für Planungsleistungen, für den Ausbau der Infrastruktur und für Fachleute, die den Ausbau koordinieren, gibt es Mittel. Bis 2018 will der Bund deutschlandweit für eine flächendeckende Breitbandversorgung mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit sorgen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur stellen Bund und Länder rund 2,7 Milliarden Euro für den Breitbandausbau bereit. Wie weit die einzelnen Kommunen kommen, hängt auch vom Geschick bei der Planung ab. Pro Projekt schießt der Bund höchsten 15 Millionen Euro dazu. Würde in Bielefeld in jedes Haus ein Glasfaserkabel gelegt, so wie es in Gütersloh beabsichtigt ist, würde das nach Schätzungen von Experten über 80 Millionen Euro kosten. Die vom Bund angepeilte Übertragungsrate von 50 Mbit hält die IHK mit Blick auf die Anforderungen von Unternehmen bereits für zu gering. "2018 wird das nicht mehr reichen", sagt Gerald Blome. Breitbandförderung – das macht die Stadt „Wir werden den ersten Förderantrag kurzfristig stellen", sagt Brigitte Meier von der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft WEGE. Bis zu 50.000 Euro könne die Stadt erhalten, um Beratungsleistungen einzukaufen. Die sind notwendig, um Infrastrukturförderungsanträge stellen zu können. Die nächste Runde, in der Mittel für den Leitungsbau beantragt werden können, endet im April. Im Februar will sich die Stadt um Mittel für einen Breitbandkoordinator bewerben. Drei Jahre lang gibt es dafür 50.000 Euro. Der Koordinator könnte eine Bedarfsanalyse betreuen und sich um Fördergelder kümmern. „Wir möchten diese Funktion bei der WEGE ansiedeln und die Stelle noch im Frühjahr besetzen", sagt Meier. Beantragt die Stadt Fördergelder für den Breitbandausbau, muss sie sich für ein Betreiber- oder ein Deckungslückenmodell entscheiden. Beim Betreibermodell verlegt sie selbst Glasfaserkabel und vermietet anschließend das Netz an einen Telekommunikationsanbieter. In der anderen Variante gleicht die Stadt die Finanzlücke aus, die bei einem Unternehmen entsteht, das in einem wirtschaftlich unattraktiven Gebiet die Breitbandversorgung herstellt. In beiden Fällen kann Bielefeld Bundeszuschüsse von bis zu 60 Prozent erhalten, 40 Prozent der Kosten würde das Land tragen. Es geht vor allem darum, dass weiße Flecken von der Breitbandkarte verschwinden. Das ist nicht ohne Tücken. „Derzeit sieht es nicht so aus, dass Fördermittel auch für Gebiete, die lediglich mit der Funktechnik LTE versorgt sind, gewährt werden", sagt BiTel-Geschäftsführer Alfred Kerscher.

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