In mehrere Wohnungen ist das SEK am Montagmorgen eingedrungen und hat dort Verdächtige eines versuchten Tötungsdeliktes festgenommen. - © dpa
In mehrere Wohnungen ist das SEK am Montagmorgen eingedrungen und hat dort Verdächtige eines versuchten Tötungsdeliktes festgenommen. | © dpa

Bielefeld/Bünde SEK nimmt in Bielefeld neun Tatverdächtige fest

Spektakulärer Zugriff: Mordkommission ermittelte nach Baseballschläger-Attacke auf einen 30-Jährigen in Bünde. Hintergrund ist die Eskalation einer serbisch-bosnischen Familienfehde

Jens Reichenbach

Bielefeld/Bünde. Insgesamt neun Wohnungen hat sich das Spezialeinsatzkommando (SEK) Bielefeld am frühen Montagmorgen vorgenommen und ist dort jeweils gegen 6 Uhr früh unangekündigt eingedrungen. Das Ziel der Zugriffsspezialisten: Die Festnahme von neun möglicherweise bewaffneten Tatverdächtigen. Ihre Quote: neun Mal Erfolg. Eine Mordkommission der Bielefelder Kripo hatte seit einer Baseballschlägerattacke am 19. Dezember 2015 in Bünde in dem Fall ermittelt. Jetzt schlugen die Festnahme-Experten des SEKs mit großem Erfolg zu. Wie Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer bestätigte, konnten dabei ein mit Haftbefehl gesuchter Mann (41) sowie einige seiner Komplizen festgenommen werden - alle Festnahmen fanden in Bielefeld statt. Lebensgefährliche Attacke mit Stangen und Baseballschlägern Bei den Festgenommenen handelt es sich um einschlägig vorbestrafte Tatverdächtige, denen eine gefährliche und schwere Körperverletzung in Bünde zur Last gelegt wird, so die Polizei. Damals hatte eine Gruppe Männer einen 30-jährigen Mann aus Bünde zunächst mit einer Schusswaffe bedroht und dann in einem Hauseingang an der Fahrenkampstraße in Bünde mit Knüppeln, Stangen und Baseballschlägern schwer misshandelt und lebensgefährlich am Kopf verletzt. Anschließend flüchteten die Täter mit mehreren Fahrzeugen vom Tatort. Aufgrund der lebensbedrohlichen Verletzungen ging die Polizei von einem versuchten Tötungsdelikt aus. Weil Zeugen aussagten, die Täter hätten vom Opfer abgelassen, hat die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Tötungsabsicht inzwischen heruntergestuft, erklärte die Sprecherin. Dennoch habe das Opfer von der brutalen Attacke bleibende Schäden behalte. Eine kurzzeitig einberufene Mordkommission aus Bielefeld übernahm die Ermittlungen und deckte bald darauf auf, dass die Attacke in Bünde wohl der vorläufige Höhepunkt einer Serie verschiedener gegenseitiger Straftaten war, die im Rahmen einer "Familienfehde" zweier serbisch-bosnischer Gruppen begangen wurde, so Kathryn Landwehrmeyer. Dabei seien auch Schusswaffen im Spiel gewesen, so die Behördensprecherin. Schwerpunkt der Auseinandersetzungen mit Brandstiftung, Bedrohung und Erpressung war Bielefeld. Die Protagonisten seien aber aus ganz OWL, hieß es. Von einer Bewaffnung der Männer war auszugehen Nach der Identifizierung der neun Tatverdächtigen von Bünde erließ jetzt das Amtsgericht Bielefeld mehrere Durchsuchungsbeschlüsse und einen Haftbefehl. "Diese Maßnahmen konnten heute von der Kripo Bielefeld mit Unterstützung von Spezialeinsatzkräften durchgesetzt werden", sagte Landwehrmeyer, die den Einsatz als großen Erfolg bezeichnete. Das SEK wurde eingesetzt, weil die Ermittler von einer Bewaffnung der Männer ausgehen mussten. Der mit Haftbefehl gesuchte 41-jährige Tatverdächtige und seine acht Mittäter wurden allesamt in Bielefeld vorläufig festgenommen. Während der Haupttäter im Laufe des Tages in U-Haft ging, seien alle anderen wieder auf freiem Fuß, so die Behörde. Die eingesetzten Beamten fanden in den Wohnungen tatsächlich zahlreiche Beweismittel, die für das Strafverfahren von Bedeutung sind. Darunter auch Schlagwaffen, die zu der Attacke in Bünde passen könnten. Die Ermittlungen dauern an.

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