200 Teilnehmer waren angemeldet, etwa 400 Russlanddeutsche kommen am Sonntag auf den Rathausvorplatz in Bielefeld. Rednerin Elvira Wieder (r.) fordert mehr Schutz von Polizei und Justiz vor Gewalt.Viele Familien haben Angst um ihre Kinder. - © Andreas Frücht
200 Teilnehmer waren angemeldet, etwa 400 Russlanddeutsche kommen am Sonntag auf den Rathausvorplatz in Bielefeld. Rednerin Elvira Wieder (r.) fordert mehr Schutz von Polizei und Justiz vor Gewalt.Viele Familien haben Angst um ihre Kinder. | © Andreas Frücht

Bielefeld Russlanddeutsche demonstrieren vor Rathaus gegen sexuelle Gewalt

Susanne Lahr

Bielefeld. Auf dem Rathausvorplatz haben Sonntagnachmittag rund 400 Russlanddeutsche gegen sexuelle Gewalt demonstriert. Damit sind sie einem bundesweiten Aufruf einer russlanddeutschen Organisation über sozialen Medien gefolgt. Auslöser ist die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen in Berlin durch drei Migranten zu Jahresbeginn. Die Demonstranten zeigten Plakate, auf denen stand „Frieden für unsere Kinder", „Stop Gewalt" oder „Merkel tritt zurück". Zu der offenkundig sehr emotionalisierten Gruppe sprachen die Bielefelderinnen Elvira Wieder und Tatjana Werner. Sie forderten nachdrücklich von der deutschen Politik und Polizei, dass sie etwas gegen die Gewalt unternimmt, die sich in erster Linie gegen Frauen und Kinder richtet. „Wir möchten ausreichend geschützt werden", sagte Elvira Wieder. Die Menschen hätten Angst um ihre Familien. Bundesinnenminister Thomas de Maizière „muss aufwachen und etwas tun". Nach den Worten der beiden Frauen richte sich der Protest nicht gegen Asylbewerber und Andersgläubige. Das betonte auch Valentin Janke aus Paderborn, der die Demonstration kurzfristig angemeldet hatte. „Wir wollen unsere Solidarität mit der Familie von Lisa zeigen, und wir wollen die Politik wachrütteln. Denn wenn die Polizei das vertuschen sollte, werden wir uns selbst dranmachen, das aufzuklären." Viele nickende Köpfe im Umkreis bekräftigen seine Worte, die er und andere aber nicht näher definieren möchten. Nur so weit: „Wir haben dann kein Vertrauen mehr in die Staatsgewalt." Viele Demonstranten drücken ihre Empörung darüber aus, dass so etwas wie der Fall „Lisa" in ihrem Deutschland geschehen konnte. Nach Auskunft der Polizei Berlin ist jedoch das Mädchen „entgegen vieler Berichterstattungen und Gerüchte in sozialen Netzwerken kein Opfer von Entführern gewesen", heißt es in einer Meldung vom 18. Januar. Auch sei sie nicht vergewaltigt worden. In einem Beitrag des russischen Fernsehens wurde der Polizei indes vorgeworfen, den Fall bewusst zu vertuschen. Zudem wird ein Zusammenhang zu den Flüchtlingen in Deutschland hergestellt. Ähnliches ist auch auf dem Rathausvorplatz zu hören. Viele Russlanddeutsche wollen keine weiteren Flüchtlinge hier haben. Deutschland solle die Grenzen dicht machen. Die Asylbewerber sollten zurück- geschickt werden. Und wenn diese Straftaten begingen, dürften diese nicht unter den Teppich gekehrt werden. Weder von Polizei und Justiz noch den Medien, die in die allgemeine Schelte mit einbezogen werden. Auch in Harsewinkel fand gestern eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt statt. Nach Auskunft der Polizei Gütersloh nahmen daran rund 100 Personen teil. Auch in anderen bundesdeutschen Städten gab es am Wochenende derartige Demos. Valentin Janke bestätigte, „dass es sehr viel Aggressionen bei den Leuten gebe", über die Art und Weise wie Lisa in Berlin von der Polizei behandelt und vom Opfer zur willfährigen Partnerin dreier Gewalttäter gestempelt worden sei.

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