53 Meter im Durchmesser: Der Gasbehälter an den Heeper Fichten wird mit Kränen abgetragen. Noch steht der Großteil des Gerippes. Im März soll es weg sein. - © Andreas Zobe
53 Meter im Durchmesser: Der Gasbehälter an den Heeper Fichten wird mit Kränen abgetragen. Noch steht der Großteil des Gerippes. Im März soll es weg sein. | © Andreas Zobe

Mitte Gasometer an den Heeper Fichten abgerissen

Heeper Fichten: 80-jährige Geschichte des markanten runden Behälters an der Eckendorfer Straße endet. 1.000 Tonnen Stahl kommen in den Hochofen. Stadtwerke suchen noch nach Nachnutzung des Geländes

Joachim Uthmann

Mitte. Konstantin Geiger zwängt sich teils durch eine enge, aufgeschweißte Öffnung im Stahlmantel, um alten Ölschlamm abpumpen zu können. Der hat sich über Jahrzehnte unerreichbar am Fußes des Gasometers gesammelt. Jetzt ist der dicke Stahl aufgeschnitten. 80 Jahre lang ragte der hohe runde Gasbehälter über die Baumwipfel in den Heeper Fichten. Jetzt wird er abgetragen. Ab März kann hier Gras wachsen. 60.000 Kubikmeter Gas fasste der Koloss, wenn alle drei Teleskopwände hochgefahren waren, erläutert Ingenieur Jens Zielonka. Obendrauf saß ein Deckel, "wie eine große Tasse", so Elmar Höper von der Abrissfirma Lobbe, mit 20.000 Kubikmeter Wasser zur Beschwerung. Und damit es im Sommer nicht verdunstete, lag eine "Handbreit" Öl darauf. Am Rand sickerten Reste nach unten - und werden erst beim Abriss erreichbar. Höper: "Da ist auch schon mal ein Vogelkadaver drin." Mustafa Akcapinar zerlegt mit dem Schweißgerät die dicken Stahlelemente, die ein großer Kran von dem 40 Meter hohen und im Durchmesser 53 Meter großen Behälter abträgt. Rund 1.000 Tonnen Stahl fallen an. Sie werden für den Abtransport per Lkw in passende Stücke geschnitten, und im Stahlwerk recycelt. Eine mittlere sechsstellige Summe kosten Abtrag und Entsorgung, so Ulrich Sölter, Geschäftsbereichsleiter Netze. Der Verkauf des Stahls senke den Preis nur wenig. In den 1930er-Jahren diente der Gasometer auch zur direkten Versorgung von Haushalten, später war er nur Zwischenspeicher für Spitzenzeiten. Im 2. Weltkrieg wurde er beschädigt, konnte aber repariert werden. "Die Konstruktion ist unverändert", sagt Zielonka. Auffallend sind die vielen Nieten, "fast wie am Eiffelturm". Zwei ähnliche Gasbehälter am Stadtwerkesitz an der Schildescher Straße fielen in den 1990er-Jahren. Heute reichen zwei Gaskugeln mit je 70.000 Kubikmetern Fassungsvermögen in Vilsendorf als Speicher, so Zielonska. Der Weiterbetrieb des Gasometers sei auch angesichts erforderlicher Instandsetzungsarbeiten nicht mehr wirtschaftlich. Was aus dem Gelände im Wald wird, sei offen. Ein Verkauf stehe derzeit nicht zur Diskussion, erklärte Sölter. Denkbar sei eine Rekultivierung als Ersatz- und Ausgleichsmaßnahme für andere Bauvorhaben. Pläne des Bielefelder Alpenvereins, in den alten Gasometerwänden ein Kletterzentrum einzurichten, hatten sich vor allem aus Kostengründen zerschlagen.

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