Bielefeld Kommentar: Verstörend paradox

Reaktionen auf die sexuellen Übergriffe auf Frauen

Ansgar Mönter

Zahlreiche Menschen müssen nun ihren sozialromantischen Blick auf Zuwanderung und Flucht einem Realitätscheck unterziehen. Das betrifft vor allem politisch eher links Eingestellte. Eine Mitteilung der Bielefelder Grünen nach den sexuellen Übergriffen an Silvester zeigt das. Darin werden pflichtschuldig die Taten verurteilt, um alsbald zum eigentlichen Zweck der Erklärung zu kommen: abwiegeln, ja leugnen der Tatsache, dass die Täter wohl ausnahmslos arabischer Herkunft waren und dass das kein Zufall war. Stattdessen wird von "gesellschaftlichen, alltäglichen Sexismus aller sozialen Schichten" verallgemeinernd schwadroniert und vor einer Verknüpfung mit Migranten gewarnt. Die Grünen sollten Feministinnen, Intellektuelle und Aufgeklärte arabischer Herkunft nach den Ursachen des Verhaltens der Täter fragen. Dann würden sie zu hören bekommen, dass - neben anderen Faktoren - die Religion eine bedeutende Rolle einnimmt. Der Islam, wie er vor allem in Arabien verbreitet ist, blockiert besonders strikt einen freien, selbstgewählten Austausch von männlichen und weiblichen Qualitäten. Geschlechtertrennung ist übrigens auch in Bielefelder Moscheen üblich. Das politisch korrekte Verdunkeln erinnert an die Groteske aus dem Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld aus dem vergangenen Jahr. Das IKG verstieg sich zur Analyse, die "Juden-ins-Gas"-Rufe von vor allem arabischstämmigen Demonstranten gegen den Gazakrieg seien eine Integrationsbekundung gewesen: Sie hätten sich den Deutschen anpassen wollen. Das ist ein so großer Blödsinn, dass er nicht mal eine Widerrede verdient. Feige statt feministisch reagierte jetzt die Gleichstellungsstelle der Stadt. Wie Frauen berichten, sei ihre Bitte um Unterstützung für eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt in Bielefeld abgebügelt worden mit der Begründung, dass es sexuelle Übergriffe doch immer und überall gäbe. Sind bestimmte Ethnien und Kulturen beteiligt, wird schön- oder weggeredet, was offensichtlich ist, selbst wenn damit die eigenen Ideale verraten werden. Die Metabotschaft dahinter: Der Ausländer/Migrant/Flüchtling bedarf eines besonderen Schutzes; wie ein Kind, das noch keine volle Selbstverantwortung tragen kann. Damit werden sie herabgesetzt. Das geschieht aus Angst vor dem rechten Dämon. Das Blöde daran ist nur: Der wird dadurch gefüttert. Politische Korrektheit ist gefährlich. Unterm moralischen Zensurdeckel steigt der Druck. Am Ende knallt es so heftig, dass alles in Gefahr gerät: Sicherheit, sozialer Friede, Asylrecht. Nach Lage der Dinge braucht es nicht mehr viel bis dahin. Idealisten kämpfen gegen patriarchale, sexistische und antisemitische Gifte und für die Freiheit der Frauen, unabhängig davon, welche Religion, Kultur oder Ethnie es dabei zu kritisieren gibt. Es ist eine verstörende Form politischer Paradoxie, dass gerade so viele Linksstehende das Gegenteil tun. Kontakt zum Autor

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