Beeindruckende Persönlichkeit: Horst Annecke zu Hochzeiten. - © Andreas Frücht
Beeindruckende Persönlichkeit: Horst Annecke zu Hochzeiten. | © Andreas Frücht

Bielefeld Horst Annecke ist gestorben

Trauer: Der engagierte Banker, Politiker, Kulturvermittler und ,,Bielefelder Patriot" war eine lebende Marke

Wilfried Massmann

Bielefeld. Im Alter von 77 Jahren ist am Wochenende Horst Annecke gestorben. Er war eine eindrucksvolle Persönlichkeit in dieser Stadt, die er so sehr schätzte, fast liebte, und sie so gern bedeutungsvoller gesehen hätte. An ihm lag es nicht, dass das bisher nur unzureichend gelungen ist. Annecke, 1938 als Apotheker-Sohn in Berlin geboren, wuchs in Bochum auf. Dort stand der Eleve auf der Bühne, studierte später Theater- und Zeitungswissenschaften, wurde bei der Bundeswehr Offizier der Reserve und begann danach ein Rechtsstudium, das er als promovierter Jurist abschloss. In Münster verdiente sich der junge Anwalt seine ersten Sporen, bevor er im Bankhaus Lampe Fuß fasste. Nach Bielefeld kam der Neu-Banker 1969. Rudolf-August Oetker berief ihn 1979 in die Geschäftsleitung der Privat-bank und machte ihn später zum persönlich haftenden Gesellschafter. In dieser Zeit entfachte Horst Annecke ein fulminantes Berufsleben, das er intelligent mit seinen privaten wie öffentlichen Ambitionen verband. Sein Wirken wechselte zwischen Neigung und Pflicht, schwankte vom trockenen Banker zum Liebling der Götter. Er bestach durch effektvolle Auftritte im öffentlichen Leben, er provozierte durch geschliffene Wortspiele und beispielhaftes Einbringen seiner Person in zahlreiche Aufgaben. Zeitweise war der Jurist in 13 Vereinen zugleich Schatzmeister. Wortaktiv setzte er Maßstäbe - wo Annecke war, war oben, wo Annecke mitmischte, war vorn. Seine gesellschaftlichen und kulturellen Engagements tragen weiter Früchte. Horst Annecke war Mitbegründer der Literarischen Gesellschaft und des Industrie- und Handelsclubs, der Wilhelm-Murnau-Gesellschaft und des Golfclubs. Er war Testamentsvollstrecker des Kommunisten Heiner Müller und Verehrer des Anarchisten Thomas Bernhard, er engagierte sich in der ,,Initiative der 100" (1986), die sich für eine wirtschaftsfreundlichere Stadt aussprach, und war zehn Jahre lang Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtrat. Annecke gehörte dem Kuratorium Westfälischer Friede (Münster) an und gründete die Juristische Gesellschaft mit. Der Mann im dunkelgrauen Flanell, der sich einen ,,Bielefeld-Patrioten" nannte, wünschte sich für diese Stadt etwas mehr Wirtschaft, etwas mehr Kultur - etwas mehr Glanz für ein Oberzentrum. Es war ein pralles Leben, das er in Bielefeld und an vielen auswärtigen Orten genoss. Apropos Genuss: In die ,,Herrenabende" des Bankhauses mit prominenten Rednern führte der charmante Gastgeber gewohnt mit längeren, geistreichen Vorreden sein Publikum ein - auswendig gelernt und eindringlich vorgetragen. Perfekte Selbstinszenierung vom Feinsten. Ein feinsinniger und gelegentlich sarkastischer Mann hatte es verstanden, sich zur Eigenmarke zu stilisieren. Als der Banker etwas vor der geplanten Zeit 2003 von Rudolf-August Oetker in den Ruhestand versetzt worden war, nahm ihn Dr. Manfred Streitbörger in seiner Anwaltskanzlei auf. Der Tod seiner Ehefrau, Christiane Annecke, geborene von Wenczowskij, im Jahr 2012 veränderte sein Leben nachhaltig. Das Paar hat zwei Söhne. Jetzt, nach seinem endgültigen Abtritt, ist das Bielefelder Gesellschafts- und Kulturleben ein starkes Stück ärmer geworden. Sein Ende kam nicht überraschend: Seit gut zwei Jahren nahm er leider sichtbar ab an Weisheit und Kraft.

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