Hat zahlreiche Rassisten für ihre Filme interviewt: Mo Asumang, afrodeutsche Künstlerin und Moderatorin, war jetzt zu Gast in der Universität Bielefeld. Dort erzählte sie unter anderem von ihren Erlebnissen mit Alltagsrassismus. - © Christian Weische
Hat zahlreiche Rassisten für ihre Filme interviewt: Mo Asumang, afrodeutsche Künstlerin und Moderatorin, war jetzt zu Gast in der Universität Bielefeld. Dort erzählte sie unter anderem von ihren Erlebnissen mit Alltagsrassismus. | © Christian Weische

Bielefeld Filmemacherin Mo Asumang erzählt von ihren Erfahrungen als Afrodeutsche

Rassismusdiskussion: Schauspielerin, Moderatorin und Filmemacherin Mo Asumang erzählt in der Universität von ihren Erfahrungen als Afrodeutsche

Ansgar Mönter

Bielefeld. Sie nennt sich "Brownie", und sie lacht darüber. Mo Asumang (52), Filmemacherin, Schauspielerin, Moderatorin und vieles mehr, beschäftigt sich schon ihr ganzes Leben lang mit ihrer Hautfarbe. Zwangsweise. "In der Schule in meiner Klasse war ich die einzige Schwarze", erzählt sie. Also fiel sie auf. Darüber hat sie in der Universität erzählt - als Teil der Aktion "Uni ohne Vorurteile". Asumang hat früh erfahren müssen, was Rassismus bewirkt. Rassismus war ihr sogar in der Familie ganz nah. Über die Oma. "Die war bei der SS", sagt sie. Ihre Oma habe sich umbringen wollen, als sie hörte, ein schwarzes Enkelkind zu bekommen. Mo Asumang hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater. Oma wuchs mit der NS-Propaganda auf. "Doch als sie mich als Baby sah, war alles vergessen, da war sie plötzlich ganz Mensch", erzählt sie. Plötzlich war die Hautfarbe egal. "Das macht mir Mut." Die Oma war es sogar, die Mo für den Alltag stark machte. "Sie hat mir gesagt, wenn andere mich Neger nennen, soll ich Kalkeimer sagen." Mo Asumang ist eine humorvolle und zugleich ernste Frau. Rassismus beschäftigt sie bis heute privat und beruflich. Während sie in der Uni spricht, stehen vor dem Hörsaal in Gebäude X zwei Sicherheitsmänner. Draußen fährt die Polizei mit einem Streifenwagen vorbei. Man weiß ja nie. Sie ist schon bedroht worden. Asumang ist aber eigentlich unerschrocken und mutig. So begegnet sie selbst den härtesten Rassisten bei ihrer Arbeit als Filmemacherin. Sie hat NPD-Anhänger interviewt, Jungnazis bei einer Demo befragt und in den USA Ku-Klux-Klan-Mitglieder gesprochen. Irritiert darüber, dass ihnen eine Schwarze ruhig und klug nachfragend begegnet, offenbarten die Rassisten meist Lücken in ihrer Weltsicht oder verstricken sich in Widersprüche. Das ist komisch. Einerseits. Andererseits sind Rassisten gefährliche Leute. Ihr Hass wirkt auch ohne Faustschlag. "Rassismus nimmt dir Selbstbewusstsein, Zeit und Kraft", sagt Mo Asumang. Sie wehrt sich. Mit Humor und Intelligenz. "Und preußischer Disziplin, mit der mich meine Oma großgezogen hat."

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