Das Bielefelder Landgericht hat im Lotto-Prozess ein Urteil gesprochen. - © dpa
Das Bielefelder Landgericht hat im Lotto-Prozess ein Urteil gesprochen. | © dpa

Bielefeld/Düsseldorf/Duisburg Urteil: Lotto-Betrüger müssen ins Gefängnis

Ehepaar ergaunert 2,6 Millionen Euro

Nils Middelhauve

Bielefeld/Düsseldorf/Duisburg. Nach 17 Verhandlungstagen erging nun der Richterspruch: Das Bielefelder Landgericht verurteilte ein mittlerweile getrennt lebendes Ehepaar aus Düsseldorf und Duisburg wegen Betrugs zu Haftstrafen von fünf sowie dreieinhalb Jahren. Die Angeklagten hatten von gutgläubigen Gewinnspielteilnehmern rund 2,6 Millionen Euro kassiert. Die Angeklagten Sven (45) und Britt M. (48), die zur Tatzeit in den Jahren 2009 und 2010 in Spanien lebten, beauftragten in Deutschland Call-Center mit der Akquisition von Kunden in der Bundesrepublik. Den Angerufenen wurde vorgeschlagen, sich zu Spielgemeinschaften zusammenzuschließen und auf diese Weise Chancen auf das große Geld zu erwerben. Ein Standardsatz in jenen Telefonaten verhieß „jedem Gewinnerpool die Chance auf garantierte 15 Millionen Euro jede Woche“. Die Teilnehmer zahlten monatliche Beiträge zwischen 49 und 59,90 Euro, die per Lastschriftverfahren abgebucht wurden. Für diese Gebühren, so suggerierten ihnen die Anrufer, würden die Kunden bei einer im europäischen Ausland betriebenen Lotterie angemeldet.Kuriose Rückmeldungen Allerdings verwendeten die Angeklagten lediglich einen kleinen Teil des derart eingenommenen Gelds tatsächlich für den Kauf von Lottoscheinen. Große Summen flossen hingegen in die Bezahlung der Call-Center-Mitarbeiter sowie in die Taschen des Ehepaars. Wenn die Glücksspielteilnehmer denn überhaupt Rückmeldung von den Veranstaltern erhielten, so waren diese zumeist kurios: Mal teilten die Lotterien veraltete Gewinnzahlen mit, in anderen Fällen erhielten die Tipper mehr Ziffern als tatsächlich gezogen als Gewinnzahlen genannt. Gewinnbenachrichtigungen über 66 oder gar 8 Cent waren keine Seltenheit. Im Tatzeitraum war es zu insgesamt 81.000 Lastschriften im gesamten Bundesgebiet gekommen. Allerdings erfolgte in rund 36.000 Fällen eine Rücklastschrift. Somit entstand letztlich ein Gesamtschaden von 2,66 Millionen Euro.Wo der Großteil des Geldes ist, bleibt unklar Auch nach 17 Verhandlungstagen bleibt es für die Ermittler im Dunkeln, wo der Großteil des Gelds zu finden ist. Britt M. hatte den gesamten Prozess über geschwiegen. Ihr Ehemann, den das Gericht nun zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilte, hatte sich zu einem späten Zeitpunkt der Beweisaufnahme dahingehend eingelassen, dass man doch das getan habe, was man den Kunden angeboten habe – nämlich Glücksspiele verkauft. Dass dies jedoch nicht auf legale Weise vonstatten gegangen war, sah das Bielefelder Landgericht schließlich als erwiesen an und verurteilte das Paar zu den genannten Gefängnisstrafen. Die Bielefelder Justiz war für das Verfahren zuständig, da sechs der Geschädigten in der Leineweberstadt ihren Wohnsitz haben. Ihre Lastschriftverfahren wickelten diese Tipper über den Bankverein Werther ab. Mit dem Urteil lag die IX. Große Strafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Reinhold Hülsmann über dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Deren Sitzungsvertreter Stephan Poerschke hatte sich für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten für Sven M. sowie zwei Jahre und neun Monate Haft für dessen Komplizin ausgesprochen. Die Verteidiger des Ehepaars hatten einen Freispruch für ihre Mandanten beantragt.

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