Abschluss unsicher: Tausenden Studenten in Bielefeld und Paderborn droht die Zwangsexmatrikulation, weil sie in einem auslaufenden Studiengang sind. - © dpa
Abschluss unsicher: Tausenden Studenten in Bielefeld und Paderborn droht die Zwangsexmatrikulation, weil sie in einem auslaufenden Studiengang sind. | © dpa

Bielefeld/Paderborn Studenten droht Zwangsexmatrikulation

Proteste an den Unis: Lehramt mit Abschluss Staatsexamen läuft aus

Christina Zimmermann

Bielefeld/Paderborn. Tausenden Lehramtsstudierenden droht die Zwangsexmatrikulation. Denn das Lehramtsstudium mit dem Abschluss Staatsexamen läuft 2016 und 2017 - je nach angestrebter Schulform - aus. Auch an den Universitäten in OWL sind zahlreiche Studierende betroffen. Dagegen kämpft das Studentenbündnis "Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften", an dem sich auch die Fachschaft Lehramt der Uni Paderborn beteiligt. Denn dort allein sind laut Bündnis etwa 3.000 Studierende in den betroffenen Studiengängen eingeschrieben. Mit einer Unterschriftenaktion wollen die Studierenden versuchen, die Fristen aufzuheben oder zumindest zu dehnen. Hintergrund ist der europaweit eingeführte Bologna-Prozess, mit dem die alten Diplom- und Magisterstudiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt wurden. Bereits zum Wintersemester 2007/2008 wurden laut Wissenschaftsministerium keine Studienanfänger in den alten Studiengängen mehr aufgenommen. Das Schulministerium teilt mit, jedem Studierenden seien über die Regelstudienzeit hinaus vier Semester eingeräumt worden, um das Studium mit dem 1. Staatsexamen zu beenden. Derzeit werde zwar eine gewisse Modifikation der Fristen geprüft. "Eine generelle Aufhebung der Auslauffristen ist nicht möglich", heißt es aus dem Schulministerium. Auch die Universität Paderborn verweist auf kommende Gespräche während der nächsten Sitzung der Hochschulprorektoren für Studium und Lehre.Berufsziel nicht verschlossen Das Ministerium weist darauf hin, dass denjenigen, die nicht fertig werden, ihr Berufsziel nicht verschlossen bleibe. Denn grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, in einen Bachelor- oder Masterstudiengang zu wechseln und sich die bisherigen Leistungen anrechnen zu lassen. Es räumt allerdings ein: "Das kann einen gewissen Mehraufwand bedeuten." Denn es gebe neue Anforderungen an die Studienanfänger, etwa ein Praxissemester. Von der Zwangsexmatrikulation wären an der Universität Bielefeld etwa 1.300 Lehramtsstudierende betroffen. Mehr als die Hälfte von ihnen sollte das Studium "ohne größere Probleme abschließen können", sagt Pressesprecher Ingo Lohuis. Er könne aber Studierende in Köln verstehen, die erst 2011 auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt haben. Die Universität Bielefeld hat ihre Studierenden seit 2002 schrittweise mit einem Modellversuch darauf vorbereitet. Sie wurden bereits studienbegleitend geprüft, während den Absolventen der klassischen Staatsexamensstudiengänge ein mehr als einjähriger Prüfungsmarathon noch bevorsteht. "Für sie erscheinen die Auslaufregelungen daher besonders bedrohlich", sagt Lohuis. Die Uni Bielefeld setzt bei der Umstellung auf Transparenz und ein umfangreiches Beratungsangebot. Seit Mai 2011 seien die betroffenen Studierenden in Infoveranstaltungen über die Umstellung informiert worden, sagt Lohuis. Eine individuelle Beratung gebe es bei der für Lehramtsfragen zuständigen Bielefeld School of Education.Unsicherheit und Irritation Die Fachschaft Lehramt der Universität Paderborn setzt sich für eine solche Transparenz ein. In einer Stellungnahme heißt es, den Studierenden lägen keine offiziellen Informationen zu expliziten Regelungen bezüglich der Vorgehensweise in den kommenden zwei Jahren vor. Besonders der Begriff "Härtefall" sei nicht ausreichend definiert. Das führe zu Unsicherheit und Irritation der Betroffenen. Außerdem betont die Fachschaft, dass durch das Auslaufen der Studiengänge "die individuelle Gestaltungsfreiheit des Studiums enorm eingeschränkt" werde.

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