Bauen für Künstler: Etienne Descloux (v.l.), Sam Chermayeff und Roger Bundschuh. Thomas Thiel (r.) hat die Ausstellung für den Kunstverein kuratiert. - © Foto: Sarah Jonek
Bauen für Künstler: Etienne Descloux (v.l.), Sam Chermayeff und Roger Bundschuh. Thomas Thiel (r.) hat die Ausstellung für den Kunstverein kuratiert. | © Foto: Sarah Jonek

Bielefeld Kunstverein zeigt Ausstellung "Künstler als Auftraggeber von zeitgenössischer Architektur"

Auch Bienen brauchen Häuser

Stefan Brams

Bielefeld. Was passiert eigentlich, wenn Künstler Architekten beauftragen, für sie Quartiere zu bauen? Dieser Frage geht der Kunstverein in seinem neuesten Ausstellungsprojekt unter dem Titel "Künstler als Auftraggeber von zeitgenössischer Architektur" nach, das jetzt im Museum am Waldhof zu sehen ist. Das vorweg: Viel anders als zeitgenössische Architektur, die von engagierten Nicht-Künstlern in Auftrag gegeben wird, sieht diese Architektur auch nicht aus. Vielleicht ist sie noch ein wenig experimenteller, vielleicht dauern die Abstimmungsprozesse noch etwas länger zwischen Architekten und künstlerischem Bauherrn, aber absolut ungewöhnlich ist das alles nicht, was im Kunstverein an architektonischen Ideen, Projekten und tatsächlich entstandenen Bauten zu sehen ist. Einen Besuch wert ist die Ausstellung, die Bauprojekte aus Argentinien, Deutschland, England, Italien und der Schweiz zeigt, dennoch. Schon allein wegen Olaf Nicolai lohnt sich ein Blick. Der Künstler hatte 2002 gar einen Architektenwettbewerb für funktionale Bienenhäuser im Botanischen Garten von München ausgelobt. Das Architekturbüro Saubruch Hutton hat ihn mit seinen bunten Bienenhäusern gewonnen. Im Museum am Waldhof sind sie als Modelle und auf Fotos in der Landschaft zu sehen. Eine minimalistische Farb- und Raumkomposition, die etwas Augenzwinkerndes hat. Auch Bienen brauche eben Häuser. Ungewöhnlich ist das am Denkmalschutz gescheiterte Vorhaben von Roger Bundschuh, einen multifunktionalen Pavillon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin auf Initiative des Künstlers Michael Beutler zu realisieren. Der transparente Ausstellungspavillon sollte zwischen Bäumen eingepasst und später wieder umgesetzt werden. Allein die Denkmalpfleger sagten nein. Schade, denn in diesem Vorhaben lag eine große Spannung von Architektur, die wieder zu Kunst werden sollte nach dem Abbau. Wie auch in dem Bauvorhaben an der Kurfürstenstraße 142 in Berlin. Das Büro "June 14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff" gibt mit drei Regalen, die mit Modellen vollgestellt sind, Einblicke in den Entwurfsprozess für ein Wohn- und Atelierhaus, das 21 Künstler und Kreative in Auftrag gegeben haben. Es ist faszinierend zu sehen, wie Modell um Modell entstanden ist, bis überlappende Quader die Lösung für das Bauprojekt darstellten. Die ausgehängte Korrespondenz zeigt, welch immense Abstimmungen diesem kreativen Prozess zu Grunde liegen. Etienne Descloux, der in der Ausstellung gleich fünf Wohnräume für unterschiedliche Künstler versammelt, setzt seine architektonischen Eingriffe in einen direkten Dialog mit Arbeiten seiner Auftraggeber. Obwohl er Standard-Materialien einsetzt, haben alle Räume etwas sehr Individuelles, verlieren sich die Standards wieder. Er ist es denn auch, der betont: "So anders sind die Wünsche, die die Künstler an meine Bauten haben, auch nicht, auch sie brauchen schon mal ein Kinderzimmer." Auch eine Antwort auf die Fragen der Ausstellung. Samstag, 25. April, 15 Uhr: Ausstellungsrundgang mit den Architekten. Zu sehen bis zum 12. Juli. Weitere Infos unter www.bielefelder-kunstverein.de

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