Planen gemeinsam die Sitzungen mit den studentischen Kleingruppen: Die Teamer Maxim Buchholz, Lisa Gosejohann mit Projekt-Organisatorin Julia Sacher, Professorin Valerie Kastrup und Teamerin Lena Ebeling (von links) bei einer der regelmäßigen Reflexionstreffen. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Planen gemeinsam die Sitzungen mit den studentischen Kleingruppen: Die Teamer Maxim Buchholz, Lisa Gosejohann mit Projekt-Organisatorin Julia Sacher, Professorin Valerie Kastrup und Teamerin Lena Ebeling (von links) bei einer der regelmäßigen Reflexionstreffen. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld Die Paten aus dem dritten Semester

Universität Bielefeld führt als erste deutsche Hochschule Kleingruppenlernen aus England/USA ein / Kürzere Vorlesungen

Ansgar Mönter

Bielefeld. Die Kleingruppe genießt an Schulen und Hochschulen einen guten Ruf. Sie ist übersichtlich genug, damit jeder mit seiner Frage zum Zuge kommt, und sie ist groß genug, um Schwarm-Intelligenz hervorbringen. An Universitäten in England und den USA ist das seit langem bekannt. Dort ist das Lernen im kleinen Kreis institutionalisiert. Die Universität Bielefeld kopiert nun diese einfache und geniale Studienmethode. Erste Erfahrungen sind gesammelt. Sie sind vielversprechend. Weil das System aus England kommt, hat es einen englischen Namen: Peer Assisted Learning, kurz PAL. Frei übersetzt: Ebenbürtige unterstützen sich beim Lernen. Das Grundmodell geht so: Von den 90-minütigen Vorlesungen für Erstsemester an der Uni wird die letzte halbe Stunde abgezwackt für Kleingruppen. Jeweils 10 bis 15 Studenten finden zusammen. Sie arbeiten den Stoff auf, klären Fragen, besprechen Organisatorisches; ein Student aus dem dritten oder vierten Semester moderiert, regt Diskussionen an, macht auf Hilfsmöglichkeiten aufmerksam oder gibt Tipps - mit dem Ziel, dass die Erstsemester unter sich voneinander lernen. An der Uni Bielefeld hat das Zentrum für Studium, Lehre, Karriere (SLK) im Wintersemester damit begonnen, das PAL-System einzuführen. Erste Abteilung war die Sportwissenschaft. Weitere Fakultäten werden folgen, die Vorbereitungen laufen. "Es soll flächendeckend eingeführt werden", sagt Julia Sacher, mit Ulrike Magarin hauptverantwortlich für PAL. Die ersten Ergebnisse aus der Sportwissenschaft dürften andere Abteilungen überzeugen. "Die häufigen Teilnehmer an den Sessions sind im Durchschnitt eine Note besser", berichtet Lena Ebeling. Die Lehramtsstudentin ist eine von derzeit elf Teamern, die als Paten den Erstsemestern zur Seite stehen. In den PAL-Sitzungen funktioniert das Lernen so gut, das mehr als zwei Drittel der neuen Studenten das Angebot sehr häufig annehmen, die anderen zumindest dann, wenn es auf die Klausuren zugeht. Für die Erstsemester springt noch mehr heraus als die Aufarbeitung des Vorlesungsstoffs. Viele Fragen rund um das Studium klärt die Kleingruppe, "zum Beispiel, wie man einen Stundenplan zusammenstellt, was von der Vorlesung wichtig ist und was weniger und wie viel man sich im ersten Semester überhaupt aufhalsen kann", erklärt Maxim Buchholz, Lehramtsstudent und Pate bei PAL. Für junge Studenten, das hat Patin Lisa Gosejohann festgestellt, ist es gut zu erfahren, wie man an der Hochschule mit der Freiheit beim Lernen klug umgeht. Das haben sie beim Abi nämlich nicht gelernt. "Da hilft unser Rat als Studierende." Valerie Kastrup, Professorin für Sport und Erziehung an der Abteilung für Sportwissenschaft, war die erste Lehrende, die ihre Vorlesung auf 60 Minuten verkürzt hat für PAL. "Das war manchmal schwierig", gesteht sie, "aber es bietet auch die Gelegenheit, den Stoff genau zu prüfen und zu gucken, auf was verzichtet werden kann." Kastrup ist mit den Paten im ständigen Austausch. Über die Rückmeldungen kann sie ihre Vorlesungen genau auf die Bedürfnisse der Studenten ausrichten. Das klappt prima. Bedenken, weitere Lehrende zu finden, die dazu bereit sind, haben die PAL-Verantwortlichen deshalb nicht. "Wir haben eher Sorge, genügend Teamer zu finden", sagt Sacher. Viele Studenten haben volle Terminpläne, manche arbeiten nebenher. Da wird es eng. Noch arbeiten die Paten ehrenamtlich. Doch bald soll ihr Einsatz angerechnet werden für das Studium. "Wir arbeiten dran, das wird klappen", sagt Sacher.

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