Sie wollen bewegen: Alexander Kowalak, Kay Lofthouse und Uwe Adam, von links, haben sich dem breiten Thema alltagsnaher Mobilität verschrieben, mit besonderem Blick aufs Radfahren. Sie wollen vernetzen, anschieben, bewegen. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Sie wollen bewegen: Alexander Kowalak, Kay Lofthouse und Uwe Adam, von links, haben sich dem breiten Thema alltagsnaher Mobilität verschrieben, mit besonderem Blick aufs Radfahren. Sie wollen vernetzen, anschieben, bewegen. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld Lebensgefühl Radfahrer

Initiative versucht, die Bielefelder zu bewegen / Zufällig-geplante Tour am 30. Januar

Kurt Ehmke

Bielefeld. Tausende Bielefelder fahren Rad - unzählige Akteure fühlen sich an diversen Stellen mit verantwortlich für das Thema. Es gibt Verbände, Politiker, den Radfahrbeauftragten, Ärzte, Umweltgruppen, Wissenschaftler. Nur vernetzt sind sie aus Sicht von Alexander Kowalak eher schlecht. Er will das mit vielen Mitstreitern ändern, auch über den "Critical Mass", eine eigenwillige, spezielle Radfahrer-Aktionsform. Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich Radfahrer, die sich in sozialen Netzwerken und über Mund-zu-Mund-Propaganda verabreden, um 19 Uhr auf dem Kesselbrink, um dann gemeinsam durch Bielefeld zu radeln. Das Phänomen - weltweit gelebt - ist in Bielefeld angekommen, "es waren schon 150 Leute dabei, aber auch schon einmal nur 30", sagt Kay Lofthouse, die regelmäßig mitradelt. Da die Idee die einer fast zufälligen, nicht-organisierten Tour ist, gibt es keinen offiziellen Veranstalter. "Mit der Polizei ist es an dieser Stelle zurzeit etwas schwierig", sagt Kowalak - es geht um Stichwörter wie Streckensicherung und unangemeldete Versammlungen. Hintergrund: Sind es 16 Radler und mehr, dürfen sie nebeneinander im Verbund auf der Straße fahren, auch wenn es daneben benutzungspflichtige Radwege gibt. Damit bekommt der "Critical Mass" demonstrativen Charakter, bringt öffentliche Aufmerksamkeit. Uwe Adam ist Hausarzt, er weiß, wie wichtig Radfahren und jede Bewegung im Alltag ist. Er findet die "Critical Mass" attraktiv, weil "sie keine Eskalation ist, aber auch nicht gleichgültig gesehen wird". Bis zu zwei Stunden radeln die Aktivisten dann durch Bielefeld, Kinder sind dabei, ältere Bürger, "ein 75-Jähriger kommt sogar immer aus Verl zu uns geradelt". Adam, der zynisch sagt, er könne sich beruflich eigentlich über all die Bewegungsunfreudigen freuen, wolle das aber natürlich nicht, ärgert sich: "Wenn ich sehe, dass Kinder, die ihren Schulweg malen sollen, einen Auto-Rücksitz malen, dann weiß ich, dass es viel zu tun gibt." Kowalak hofft, "dass Bielefeld reif ist für die Critical Mass" - parallel will er so viel wie möglich Aufmerksamkeit für Themen wie Radfahren und tägliche Bewegung im Straßenverkehr erzeugen. Für ihn sind das Zukunftsthemen in Großstädten: "Ich hoffe, dass wir so ein urbanes, modernes Lebensgefühl nach Bielefeld bringen können." Dafür hat er auch eine Homepage aufgebaut - hier sollen bewegte Menschen Infos finden zur Critical Mass, zu Aktionen, zu interessanten Texten - und gibt es Blogs. Themen wie "Chic on Bike", Stadtradeln, "Stars" und Walkability ((alltagsnahe Mobilität) sollen behandelt werden - "wir sehen das als Begegnungsplattform", sagt Kowalak. Eine Plattform für das "Lebensgefühl Fahrrad". www.faradies-bielefeld.de

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