Daniel Bérenger nahm für ein Foto an seinem Schreibtisch kurz mal die Pfeife in den Mund. In Kürze geht der bekannte Leiter der Bielefelder Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Ruhestand. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Daniel Bérenger nahm für ein Foto an seinem Schreibtisch kurz mal die Pfeife in den Mund. In Kürze geht der bekannte Leiter der Bielefelder Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Ruhestand. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld Der Mann mit der Pfeife

Daniel Bérenger, bekanntester Archäologe der Region, geht in den Ruhestand

Bielefeld. Er trägt manchmal einen roten Schal und hat häufig die Pfeife im Mund. Daniel Bérenger (65) ist wohl der bekannteste Archäologe in der Region Ostwestfalen-Lippe und ein Mann mit einer gehörigen Portion Humor. Am 27. September wird er in Bielefeld in den Ruhestand verabschiedet. "Das wird ein Bruch, ich habe richtig Angst davor", sagt Bérenger - wie immer ganz unverblümt und ehrlich. Viele Menschen werden diesen bescheidenen und tüchtigen Wissenschaftler, der seit Mitte der 90er Jahre die Archäologie-Außenstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld leitet, sehr vermissen. Das Lob, er habe in seinem Leben doch wohl schon jeden Stein in Ostwestfalen-Lippe umgedreht, kontert Bérenger sofort mit der Bemerkung, es gebe doch "viel zu viele Steine auf der Paderborner Hochfläche". Geboren und aufgewachsen ist er in dem kleinen Ort St. Liguaire nahe der Stadt Nior in Mittelfrankreich. "Frühmorgens gingen dort die Kühe über die Straße, am Abend kamen sie zurück." Bérengers Familie war bürgerlich, katholisch und konservativ. Er erinnert sich an ein Abendessen, bei dem die Eltern abfällig über Brigitte Bardot redeten. "Warum ist die Frau denn so böse? Ist sie etwa Protestantin?" Das habe er spontan gefragt. Im Jahr 1969, als er sein Abitur gemacht hatte und die Ziele der Studentenbewegung viele junge Menschen bewegten, habe er für Charles de Gaulle geschwärmt. "Ich war ziemlich rechts, aber das hat sich geändert", sagt Bérenger heute mit einem Lachen. Kurz nachdem er begonnen hatte, in Poitiers Geschichte zu studieren, habe er in den Semesterferien bei der Weinlese in Bordeaux "eine süße Deutsche" kennengelernt. "Sich in alle möglichen Frauen zu verlieben, das war schon schlimm genug, aber sich als Franzose in eine Deutsche zu verlieben, das erschien mir damals noch viel schlimmer", sagt Bérenger.Metallsondengänger als Dorn im Auge Immerhin fuhr er anschließend regelmäßig in 19 Stunden mit seiner alten "Ente" von Poitiers nach Bonn. Als die Beziehung nach gut drei Jahren zu Ende war, begann Bérenger sich dort in einem Zweitstudium der Archäologie zu widmen. "Ich wollte mich den Menschen nicht mehr über Texte, sondern über Fundstücke nähern", sagt Bérenger. In Bonn lernte er seine Frau, eine Grafikdesignerin (60) kennen. Das Ehepaar hat keine Kinder. "Ich brauche nicht nur einen Erzeuger, sondern einen Vater - und das bist du nicht", habe seine Frau bisweilen während der Nachwuchsdebatten zu ihm gesagt. Nach Bielefeld kam er 1976 durch ein spontanes Angebot. Der LWL suchte jemanden, der im Vorfeld der Einführung des Denkmalschutzgesetzes die Bodendenkmäler in OWL inventarisierte. "Das war eine seltene und große Chance, eine Landschaft und ihre historische Entwicklung kennenzulernen", sagt Bérenger. "Es gibt hier etwa 2.200 bronzene Grabhügel und dazu zahlreiche Wildschweine, die in der Gegend lauern." Bérenger untersuchte sehr vieles. Zum Beispiel die eisenzeitlichen Gräberfelder von Eilshausen (Hiddenhausen) und Ilse (Petershagen). Er definierte die "Paderborner Gruppe" der Bronzezeit. Bei der Stadtkerngrabung an der Welle in Bielefeld erlebte er, "wie sich das Verhältnis der Bielefelder zu ihrer eigenen Geschichte sehr veränderte". Ein Dorn im Auge sind Bérenger die illegalen Metallsondengänger. "Das ist grauenvoll, diese Menschen zerstören das Weltkulturerbe", sagt er. Im Ruhestand werde er "mit der Archäologie nicht aufhören, aber mit der Bürokratie". Er wolle in Bielefeld bleiben und mit seiner Frau hoffentlich noch eine schöne Zeit verbringen. Ad multos annos.

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