Bielefeld "Die Kirche verändert sich"

SOMMERGespräch (1): Klaus Fussy unterstützt Laienbewegung Sant’ Egidio

Klaus Fussy im Garten des Pfarrhauses. Im Hintergrund die katholische Kirche in Schildesche. - © FOTOS: ANDREAS ZOBE
Klaus Fussy im Garten des Pfarrhauses. Im Hintergrund die katholische Kirche in Schildesche. | © FOTOS: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Klaus Fussy war bis zum 1. Juli Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Schildesche. Im August wird er in das Pfarrhaus der St.-Joseph-Gemeinde in die Innenstadt umziehen. In seiner neuen Aufgabe wird Fussy sich verstärkt den Menschen am Rande unserer Gesellschaft zuwenden. Neben seiner Tätigkeit als Dechant für Bielefeld und Lippe sowie seiner Arbeit im Citykloster wird er die katholische Laienbewegung Sant’ Egidio unterstützen. Mit Klaus Fussy sprach NW-Redakteur Arno Ley.

Herr Fussy, was ist die Gemeinschaft Sant’ Egidio?

KLAUS FUSSY: Sant’ Egidio entstand in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche 1968 in Rom. Es war kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, da stellten sich dort vor allem Gymnasiasten die Frage: Wie geht es weiter mit dem christlichen Glauben? Wie kann man seinen Glauben leben in der Stadt? Eine Antwort war: Wir müssen die Stadt kennenlernen, die Stadt auch mit ihren Kehrseiten. In den Vorstädten von Rom lebten damals schon viele Flüchtlinge. Sant’ Egidio versuchte die Jugendlichen dort von der Straße zu holen, bot Nachmittagsschulen an, organisierte Sprachunterricht, missioniert dabei aber nicht. Wer sich um die Armen kümmert, findet kein Ende mehr für seine Arbeit. Es gründeten sich andere Gruppen von Sant’ Egidio. Eine davon, die einzige bisher im Erzbistum Paderborn, gibt es seit einigen Jahren in Bielefeld.

Für Sant’ Egidio verlassen Sie Schildesche?

FUSSY: Ich verlasse Schildesche nicht. Wir haben hier stabile Gemeindeprojekte, die von Menschen getragen werden, die eine gute Arbeit machen. Die Menschen sind nicht von mir abhängig, auch wenn ich vieles mit angeregt habe. Meine Arbeit wird nur andere Schwerpunkte bekommen. Ich bin bis 2016 als Dechant für Bielefeld und Lippe gewählt. Das Dekanat reicht bis Bad Pyrmont über die Landesgrenze hinaus nach Niedersachsen. Das ist weiter entfernt als der Weg von Bielefeld nach Paderborn. Die katholische Kirche im Erzbistum verändert sich, weil es immer mehr Menschen gibt, die von den bisherigen Gemeindestrukturen nicht mehr angesprochen werden. Es gibt verschiedene Projekte in Bielefeld. Eines davon ist beispielsweise das Citykloster, das ich um 2000 mit initiiert habe.

Was ist denn das Citykloster?

FUSSY: Dort machen wir Angebote für Menschen, die ihren Zugang zum Glauben suchen, für Fragende, die von der bisherigen Form der Gemeinden nur schwer zu erreichen sind. In der Jodokuskirche bieten wir zum Beispiel dienstags bis samstags, von 12.20 bis 12.30 Uhr, ein Mittagsgebet an, mit Elementen der Stille, des Nachdenkens, wo man zu sich finden kann. Samstags stellen wir von 11 bis 14 Uhr eine Kirchenbank an die Obernstraße am Bunnemannplatz auf. Dort gibt es immer jemanden, der zum Gespräch bereit ist, eine erste Anlaufstelle, für jemanden, der sich aussprechen möchte. Wir haben auch zwei Gästezimmer in St. Jodokus und einen Laden an der Ecke Klosterstraße, in dem es ein breites Angebot an liturgischen Dingen gibt.

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