Bielefeld Riesen-Trafo versorgt FH und Uni mit Strom

70-Tonnen-Gerät kostet 500.000 Euro

Auf Schienen wurde das Großgerät in das Umspannwerk befördert. Auf der Außenseite ist der Trafo mit Kühlelementen bestückt. Er darf nicht heiß werden, sonst verliert er seine Leistungsfähigkeit. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Auf Schienen wurde das Großgerät in das Umspannwerk befördert. Auf der Außenseite ist der Trafo mit Kühlelementen bestückt. Er darf nicht heiß werden, sonst verliert er seine Leistungsfähigkeit. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. In der Nacht kam er an. Ein Spezialtransorter schleppte einen 70 Tonnen schweren Transformator jetzt zum Umspannwerk der Stadtwerke nahe der Uni. Das Großgerät ist in der Lage, 20.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Der Trafo ist aber für den Campus da, für Uni und FH.

Acht Meter ist der Trafo lang, viereinhalb Meter hoch, drei Meter breit. Er besteht aus Eisen, Kupfer, Holz und Unmengen von Öl. Die Materialien haben eine wichtige Funktion. "Sie isolieren den Trafo", erklärt Klaus Schauffert, Ingenieur der Stadtwerke. Das Großgerät arbeitet deshalb sehr leise. "Höchstens bis zur Grundstücksgrenze" könne man es hören, sagt Schauffert.

Eine halbe Millionen Euro kostet das Monstrum. "Es steckt viel Handarbeit drin und wurde zum großen Teil in Deutschland gebaut", sagt der Ingenieur. Eine Firma in Regensburg hat es hergestellt.

So ein Trafo arbeitet normalerweise gut 50 Jahre. Gefüttert wird der Trafo mit 110.000 Volt Strom. Der kommt aus drei unterirdischen Leitungen, jede so dick wie kräftige Männerarme. In den Transformator wird der Strom über pizzagroße Steckdosen geleitet im Obergeschoss des Umspannwerks. Dort steht allerhand Hightech und die Überwachungselektronik. Der Transformator wandelt den Hochspannungsstrom um in 10.000-Volt-Spannung und schickt ihn weiter zu den kleineren Trafos auf dem Campus, die ihn weiter umwandeln zu 400-Volt-Einheiten. So kann er aus den Steckdosen in Uni und FH verwendet werden.

29 solcher Trafos in der Dimension stehen in Bielefeld. Sie erledigen die gleiche Arbeit wie Umspannwerke in offener Art, wie es zum Beispiel eines gibt an der Westerfeldstraße. In einer Stadt aber gibt es nicht so viel Raum, deswegen sind die Trafos nötig. Sie schaffen auf 60 Zentimetern durch ihre intelligente Technik und Isolierung das, wofür sonst zehn Meter Platz beanspruchen werden würde.

Zwei Nächte war der Trafo unterwegs von Regensburg nach Bielefeld. Rechtzeitig stand er vor dem neuen Umspannwerk. Alles war bereitet für das Aufstellen und Anschließen. "Hier ist es relativ einfach", sagt Schauffert. Auf Schienen wird das Gerät ins Gebäude gezogen. Richtig in Betrieb geht es erst später. "Das ist ein sukzessiver Prozess", erklärt Schauffert. Beginn ist im Juli, Vollbetrieb irgendwann im Oktober. Kabel für Kabel werden angeschlossen, acht Mittelspannungskabel verlassen das Umspannwerk Richtung Universitätsgebäude und neuem Campus.

Der Bau des neuen Umspannwerks begann im Sommer 2013. Es wird gebraucht, weil demnächst die Fachhochschule mit versorgt werden muss, ebenfalls die neuen Unigebäude. Sollten auf dem Campus weitere Hochschulgebäude entstehen, könnte es sein, dass noch ein Transformator neben diesem aufgestellt werden muss.

Der jetzige Bau steht an einer Stelle, wo früher eine Wiese war. "Ein schwieriger Untergrund", berichtet Schauffert. Zahllose Kabel und Leitungen führen unter der Grasnarbe her, die Stadtwerke mussten sorgfältig und lange arbeiten. Entstanden ist ein schwarzer Kubus mit einigen Farbelementen, von manchen spaßeshalber Kaaba genannt, frei nach dem weltbekannten schwarzen Pilgerbauwerk in Mekka.

Für Ingenieur Schauffert ist der Funktionsbau, der die Stadtwerke sieben Millionen Euro gekostet hat, architektonisch gelungen.

Copyright © Neue Westfälische 2016
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group