Bielefeld Deutschlands beste Bestatterin kommt aus Bielefeld

Nina Siekmann (24) besteht ihre Meisterprüfung mit "sehr gut"

Nina Siekmann zeigt in der sanft beleuchteten Trauerhalle eine Urne mit lokalem Bezug. Das hohe Gefäß ist mit einer Ansicht der Sparrenburg bemalt. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Nina Siekmann zeigt in der sanft beleuchteten Trauerhalle eine Urne mit lokalem Bezug. Das hohe Gefäß ist mit einer Ansicht der Sparrenburg bemalt. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Das Gruseln packt so manchen Zuhörer, wenn er von Nina Siekmanns Beruf erfährt. Die 24-Jährige ist Bestatterin und neuerdings auch Meisterin. Die Prüfung hat sie gerade als Jahrgangsbeste bestanden – mit der Note sehr gut.

"Um Gottes Willen, das kannst du doch nicht machen." Häufig bekommt die junge Bielefelderin das zu hören. "Für den Rest des Abends bin ich dann das Gesprächsthema", erzählt sie und versucht zu erklären, was ihr dieser Beruf bedeutet.

Von ihm angezogen fühlte sie sich schon, als sie noch etwas ganz anderes lernte. Nina Siekmann verließ das Gymnasium nach der zwölften Klasse und absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Als "Notlösung" bezeichnete sie heute die Entscheidung für diesen Beruf. Die Note bei der Gesellenprüfung: ebenfalls sehr gut.

Die Suche nach dem neuen Ausbildungsplatz gestaltete sich mühsam. Ein Traditionsunternehmen sollte es sein. "Ich wollte mich gut aufgehoben fühlen." Bei Schormann kam sie schließlich unter. Ihr Chef, Johann Felix Schormann, erinnert sich bis heute an "eine gewisse Hartnäckigkeit" der Bewerberin.

Einkleiden von Toten

Schlank, fast zart wirkt Nina Siekmann. Ihr blondes langes Haar trägt sie offen. Schwer vorstellbar, wie sie den oft anstrengenden körperlichen Einsatz schafft, den der Beruf mit sich bringt. Überführungen gehören zu ihren Aufgaben, das Einkleiden und Einbetten von Toten, den Abschied der Angehörigen vom Verstorbenen begleiten, Trauerfeiern und Beisetzungen organisieren, dazu Behördengänge.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen sind zusätzliche Aufgaben auf die Bestatter zugekommen. "Oft springen wir ein, wenn ein naher Verwandter oder hilfsbereiter Nachbar fehlt", sagt Siekmann. Auch über die Beisetzung hinaus. Ist ein Rentenantrag auszufüllen oder ein Auto abzumelden – sie übernimmt das häufig. "Praktisch alle Wünsche, die an uns herangetragen werden, versuche ich zu erfüllen."

Die Trauer der Angehörigen mitzuerleben macht es oft schwer, professionelle Distanz zu wahren. Obwohl Trauerpsychologie Bestandteil der Meisterausbildung ist. "Wenn mich etwas sehr mitnimmt, dann besprechen wir das hier im Betrieb. Auch meine Familie und Freunde haben Verständnis."

Ausbildung geht weiter

Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung hat Siekmann das Bundesausbildungszentrum in Münnerstadt bei Bad Kissingen besucht, ein Jahr lang jeweils eine Woche im Monat. Etwas kürzer war der Weg während der Lehre. Im Berufskolleg Wermelskirchen besuchte sie drei Jahre den Blockunterricht.

Ausbildungsrichtlinien für Bestatter gibt es erst seit zehn Jahren. Verpflichtend sind sie bis heute nicht, erzählt Johann Felix Schormann. Bestatter kann sich etwa auch ein Tischler nennen, der Särge herstellt und Beisetzungen organisiert. 2010 erst folgten die Richtlinien für die Meisterprüfung.

Für Nina Siekmann ist die Ausbildung längst nicht abgeschlossen. Als nächstes hat sie sich die Qualifizierung im Bereich Thanatopraxie vorgenommen, dazu gehören unter anderem die Rekonstruktion von Leichen, die Einbalsamierung und die Herstellung von Totenmasken.

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