Bielefeld Streit um Diebstahl aus Müllcontainer in Bielefeld

Schüler protestieren vor Polizeipräsidium / Anzeige nach Brot-Entnahme aus einem Abfallbehälter

Bielefeld. Ein Fladenbrot, Donuts und zwei Beutel Graubrot – mit dieser "Beute" wurden drei Schüler des Oberstufenkollegs in der Nacht zu Montag von der Polizei gefasst. Weil sie die Lebensmittel in Babenhausen aus dem Abfallcontainer eines Discounters entnommen hatten, wird nun gegen sie ermittelt. Ihre Mitschüler sind darüber so empört, dass sie gestern zu einer spontanen Demonstration vor der Polizeiwache in der Kurt-Schumacher-Straße aufgerufen hatten. "Volle Bäuche statt volle Container", rufen die gut 40 Demonstranten im Chor. Ein paar von ihnen mit vollem Mund, denn eine Mitschülerin, die regelmäßig zum "Mülltauchen" geht, hat ein kleines Buffet aufgebaut. "Das habe ich letzte Nacht im Abfallcontainer eines Supermarktes gefunden. Ich möchte den Leuten mal zeigen, was so alles weggeworfen wird, obwohl es noch absolut genießbar ist", sagt sie. Das frische Brot, ein paar Äpfel und diverse Süßigkeiten sind im Nu verschwunden. "Ein bisschen Glück gehört schon dazu. Manchmal ist ein ganzer Container voll mit Schokolade, Spirituosen oder Brot. Ich habe auch schon mal zwei Paletten Cola gefunden. Dort gibt es alles und es ist genug für alle da!", sagt die junge Frau. Ungestraft nehmen darf man sich die Lebensmittel allerdings nicht: "Müll auf dem privaten Gelände eines Supermarktes ist kein herrenloses Gut, sondern Eigentum des Besitzers", erklärt Christoph Mackel, Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft. Laut Polizeibericht wurde gegen die drei Schüler im Alter zwischen 21 und 24 Jahren Strafanzeige gestellt. Rechtlich handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen, von der Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit über Geld- bis hin zur Haftstrafe sei alles drin. "Besser ist es, im Supermarkt zu fragen, ob man sich etwas nehmen darf", rät er. Für die jungen Männer kommt das zu spät. Einer von ihnen ist Ricco (21). "Die Polizei kam mit drei voll besetzten Streifenwagen. Wir wurden durchsucht, und dann mussten wir mit den Beamten zurück, um die Backwaren wieder in den Container zu werfen. Wir wurden behandelt wie Kriminelle!" Laut Polizei lag der Wert der angeblich für die Tafel bestimmten Waren bei etwa zehn Euro – wenn man sie denn hätte verkaufen können. Die Bielefelder Tafel sagte auf Nachfrage der Neuen Westfälischen jedoch, dass der betroffene Supermarkt gar nicht zu ihren Spendern gehört. Sorgen wegen der Anzeige macht sich Ricco jetzt trotzdem. "Ich habe kein Geld, um eine Strafe zu zahlen. Sonst würde ich ja nicht containern. Ich suche Essen, weil ich Hunger habe!" "Uns erschreckt die Selbstverständlichkeit, wie gegen junge Menschen, die Lebensmittel aus dem Müll holen, vorgegangen wird", heißt es in der Pressemitteilung seiner Mitschüler. "Ist es wirklich notwendig, unsere Freunde derart zu kriminalisieren?"

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