Bielefeld Selbstfotografie als Trend

Experten diskutierten in der Stadtbibliothek über das Thema "SelfiePoseKult"

Sophie Berger macht von sich ein Selbstporträt. Üblicherweise werden diese eigenhändig mit einem Smartphone aufgenommen. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Sophie Berger macht von sich ein Selbstporträt. Üblicherweise werden diese eigenhändig mit einem Smartphone aufgenommen. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Handy-Selbstportraits, sogenannte "Selfies", sind das meist diskutierte Phänomen eines andauernden Trends in sozialen Netzwerken. Die Veröffentlichung ist nicht ungefährlich, denn nicht alles wird im Internet so wahrgenommen wie gewollt. Cybermobbing kann die Folge sein. Diese Problematik bildete gestern den Grundstein der Podiumsdiskussion einer Tagung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Stadtbibliothek.

"Selbstinszenierungen von Kindern und Jugendlichen sind nichts Neues", sagt Tanja Reineke vom Bielefelder Jugendring. "Die Plattformen und der Verbreitungsraum haben sich jedoch verändert", so Reineke. "Die oft vorgebrachten Vorwürfe gegen die Selfies sind, dass es zu viele gibt, sie egozentriert und idealisiert sind", sagt Dr. Ulla Authenrieth, wissenschaftliche Assistentin am Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel. Dabei gäbe es viele verschiedene Typen von Selfies. Dies würden Online-Wettbewerbe wie die Selfie-Olympics zeigen, in denen es darum gehe, ein möglichst außergewöhnliches Selfie zu posten.

"Das Veröffentlichen von Selfies bleibt eine Gratwanderung", findet Anke Mützenich vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Selbstfindung und Selbstinszenierung von Heranwachsenden finde durch das Internet nicht in einem geschützten Raum statt. "Anders als bei Filmen oder Computerspielen gibt es im Internet keinen Altersschutz", ergänzt Matthias Felling, Referent der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW.

Jürgen Lauffer, Geschäftsführer der GMK, vergleicht die neuen Medien mit der Rockmusik, die zunächst verschrieen war, und nun nicht mehr wegzudenken ist. "Man muss die Lebenswelt der Jugendlichen reflektieren und pädagogische Angebote entwickeln, die sich ihrer Umgebung anpassen", sagt er. "Denn Problematisierung hat häufig mit Unsicherheiten zu tun", ergänzt Angela Tillmann, Professorin für Medien- und Kulturpädagogik am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik in Köln. Durch Unsicherheit entstehe schnell eine Abwehrhaltung gegen die Schnelllebigkeit der Jugendkultur. Dabei handle es sich um ein neues Thema mit klassischem Inhalt: Der Identitätsfindung von Heranwachsenden. Am Ende der Diskussion sind sich die Experten einig, dass die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen der Schlüssel zu mehr Sicherheit im Netz sei. Auch Cybermobbing könne so vorgebeugt werden.

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