Bielefeld Der Butler mit dem Sensorkopf

Service-Roboter macht in der Laborwohnung im neuen Forschungsbau Citec die ersten Handgriffe

von thomas güntter
Die Professoren Britta Wrede und Helge Ritter mit M1, der im Haushalt helfen soll. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Die Professoren Britta Wrede und Helge Ritter mit M1, der im Haushalt helfen soll. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld. M1 hebt den rechten Arm. Dann dreht er seine Hand, öffnet die Finger und greift einen Apfel. M1 lässt den Apfel in die Hand von Britta Wrede fallen. Dann fährt er nach hinten in den Raum. M1 ist ein Service-Roboter der Firma Meka Robotics aus dem amerikanischen San Francisco. In dieser Woche kam er in der Laborwohnung des neuen Citec-Gebäudes auf dem Bielefelder Campus Nord an. Gestern wurde der Butler mit dem Sensorkopf der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Ziel der Forscher ist es, eine sozial kompetente Wohnung zu erschaffen, die ihre Bewohner im Alltag selbstständig unterstützt. An dem bundesweit einmaligen Projekt arbeiten Forscher und Forscherinnen des Excellensclusters Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) der Universität Bielefeld.

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Das Appartement

Das Intelligente Appartement ist Teil des neuen Foschungsbaus Citec, der im Juni des vergangenen Jahres fertig gestellt wurde.


Die Laborwohnung ist 60 Quadratmeter groß und hat drei Räume, in denen Küche, Wohnzimmer, Fitnessraum und ein Bad untergebracht sind.

Für das neue Großprojekt kooperieren zwölf Forschungsgruppen der wissenschaftlichen Einrichtung: Informatiker, Roboterspezialisten oder Linguisten. Die feste Mannschaft besteht aus zwölf Personen, in Spitzenzeiten können es bis zu 100 werden. Rund 1,8 Millionen Euro investiert Citec in das Projekt, das bis 2017 läuft.

Die intelligente Wohnung und der Roboter sollen Gäste künftig bei Alltagstätigkeiten unterstützen und das Leben behaglich machen. "Ziel des Projekts ist ein Appartement, das natürliche Situationen versteht und je nach Bedarf Dienstleistungen anbietet", sagt Professorin Britta Wrede, die Frau mit dem Apfel. Sie leitet das Projekt zusammen Dr. Ing. SvenWachsmuth und Dr. Thomas Hermann. Die Wohnung soll zum Beispiel das Licht selber einschalten, je nach Helligkeit draußen oder die Heizung steuern, je nach Temperatur. Oder sie kann melden, wenn zum Beispiel der Kühlschrank offen steht.

Der Roboter M1 trägt den Langnamen "Meka Mobile Manipulator M1". Er ist mit den Sensoren und dem Steuerungssystem der Wohnung vernetzt, so dass ihn das Appartement direkt dorthin dirigieren kann, wo Unterstützung nötig ist.

Der Oberkörper von M1 ist auf einem fahrbaren Gestell montiert, das nicht vor und zurück, sondern auch seitwärts fahren kann. Seine Hände sind denen von Menschen nachempfunden. Britta Wrede: "Wir werden ihm beibringen, natürlich zu greifen." Er soll sich später in Bewegung setzen, um Einkäufe in den Kühlschrank einzuräumen. Professor Helge Ritter, Koordinator von Citec, ergänzt: "Der Roboter könnte den Gästen auch ein Erfrischungsgetränk servieren."

Im Moment trägt der Roboter noch seinen mitgelieferten Sensorkopf. Später wird er mit einer Variante Flobi-Roboterkopfs ausgestattet. Flobi, eine Bielefelder Entwicklung, ist ein sozialer Roboter, der mit emotionalen Gesichtsausdrücken auf sein Gegenüber reagiert. Ritter: "Untersuchungen am Citec haben gezeigt, dass er dadurch von Menschen besser als Gesprächspartner akzeptiert wird, als ein eher technisch anmutender Roboter."

M1 ist nicht billig. Er kostet rund 290.000 Euro. Ritter ist sich sicher, dass Roboter, je weiter sie verbreitet sind, immer preiswerter werden. Britta Wrede: "Autos waren in den ersten Jahren auch sündhaft teuer. Später wird die Alternative heißen: Zweitwagen oder Roboter." Bis die Zukunft beginnt und Roboter im Haushalt helfen, so die Professoren, dauere es noch zwei Jahrzehnte. Das wäre dann 2034. Mindestens.

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