Die beiden Flic-Flac-Artisten Jack Fahey und Daniel Chiarelli testeten zusammen mit ihren Kollegen die neuen Rampen auf dem Kesselbrink aus. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Die beiden Flic-Flac-Artisten Jack Fahey und Daniel Chiarelli testeten zusammen mit ihren Kollegen die neuen Rampen auf dem Kesselbrink aus. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld Flic-Flac-Übung auf dem Kesselbrink

Berühmter Zirkus auf der Radrennbahn / Gastspiel von Samstag, 21. September, bis Sonntag, 13. Oktober

VON THOMAS GÜNTTER

Bielefeld. Stippvisite auf den neuen Rampen des Kesselbrinks: Sieben Artisten vom Zirkus Flic-Flac testeten gestern mit ihren Rädern die neuen Strecken und waren begeistert. Der Zirkus kommt auf die Bielefelder Radrennbahn und gastiert dort von Samstag, 21. September, bis zum Sonntag, 13. Oktober.

"Exxtrem!" heißt die neue Show. Die Darbietung wird genau so geschrieben und dauert zwei Stunden. "Dann sind alle fertig", sagt Pressesprecherin Meike Schütte, "die Geräte, die Artisten und die Zuschauer".

Nach fast dreijähriger Tourneepause und erfolgreichen Weihnachtsshows in Kassel, Dortmund und Saarbrücken begann dieses Jahr eine neue Ära. Das Zelt ist zwar immer noch gelb-schwarz, aber sehr viel größer und auch nicht mehr rund.

120 Meter lang und 60 Meter breit ist die überdachte Arena, deren visueller Dreh- und Angelpunkt das Kreuz ist. Zwei Straßen treffen in der Mitte des Zeltes zusammen und bieten den 18 Meter hohen Raum für die Stunts, die – so kündigt es der Zirkus an – noch tollkühner, atemberaubender und gefährlicher sein würden, als alles, was vorher zu sehen war.

Flic-Flac-Gründer und -Direktor Benno Kastein (58) kam während seines USA-Aufenthaltes auf die Idee mit dem Doppelzelt. Seine Freundin Roma Herwida arbeitet als Artistin im Hotel "Caesars Palace" in Las Vegas. Kastein führt den Zirkus gemeinsam mit seinem Bruder Lothar (60).

Benno und Lothar Kastein waren Artisten auf dem Hochseil und dem Todesrad. Ihre humorvolle Darbietung mit Hunden ist bis heute in Fachkreisen legendär. 1989 wagen sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründeten in ihrer Heimatstadt Bocholt den Zirkus Flic-Flac, benannt nach einem Handstützüberschlag rückwärts.

Der Anfang war mühsam. Den eigentlichen Durchbruch erlebte der Zirkus im Sommer 1990 in Bielefeld auf dem Johannisberg. Eigentlich wollten sie gleich wieder abbauen, als sie den Platz im Wald sahen. "Hier bemerkt uns doch gar keiner", maulte Benno damals. Aber dann geschah das kleine Wunder. Jeder Campingstuhl und jeder Hocker aus den Wohnwagen der Artisten wurde ins Zelt geschleppt.

Aus dem Kiosk unten an der Ecke, den damals Marianne Slaghuis betrieb und der gestern nach langen Jahren des Leerstandes abgerissen wurde, borgten sich die Zirkusleute alle Stühle. Nach dem Finale brachten sie die Sitzmöbel wieder runter, um sie am Abend wieder auf den Berg zu schleppen, denn auch die Spät-Vorstellung war ausverkauft. Flic-Flac und Bielefeld haben ein besonderes Verhältnis zueinander. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Benno Kastein sagte gestern: "Bielefeld haben wir viel zu verdanken."

Lange Jahre wollte Flic-Flac immer auf den Johannisberg. In diesem Jahr geht das nicht mehr, zum einen, weil der Platz zu wenig Platz hat, und zum anderen, weil der Zirkus wegen des großen Zeltes viel Platz braucht.

Insgesamt 95 Festangestellte arbeiten für den Zirkus, dazu kommen noch etliche Aufbauhelfer. Der Umzug von einer Stadt zur anderen dauert wegen der großen Ausrüstung fast eine Woche. Flic-Flac kommt aus Düsseldorf und reist weiter nach Berlin.

40 internationale Artisten – ob aus Kolumbien oder Kiew – sorgen für spannende und aufregende Momente. Die 1.500 Zuschauer sitzen auf vier steilen Tribünen. Die harte Rockmusik kommt aus teilweise mobilen Lautsprechern.

Zwei Nummern dürfen bei Flic-Flac nicht fehlen. Das Todesrad und der eiserne "Globe of Speed". Die neun Fahrer aus Südamerika und Polen mit ihren Cross-Maschinen geben sich die Kugel in der Kugel.

Die Zeiten

Flic-Flac gastiert von Samstag, 21. September, bis zum Sonntag, 13. Oktober, an der Radrennbahn.

Zeiten: dienstags bis samstags 20 Uhr. Sonntags um 19 Uhr. Am Nachmittag samstags um 16 Uhr und sonntags um 15 Uhr. Zusatzvorstellung am Tag der Einheit, 3. Oktober, um 16 Uhr.

Karten: in den Bielefelder Geschäftsstellen der Neuen Westfälischen. Sofortrabatt mit der NW-Karte für Vorstellungen dienstags, mittwochs und donnerstags.

Der Zirkus Flic-Flac hat einen neuen Sponsor. Die Firma Sauermann aus Kassel. Das Unternehmen legt seinen Schwerpunkt auf Bestattungen. Zirkusdirektor Benno Kastein findet das lustig.

Der Düsseldorfer Sänger Frank Fabry führt als dämonischer Zeremonienmeister durch das Programm.

Flic-Flac will anders sein. Mit viel Akrobatik und ohne Tiere. Einzige Ausnahme im aktuellen Programm: die Dressur der Bagger.

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