BIELEFELD Die Szene ist zurück, aber ruhig

An der "Tüte": Zwischenbericht nach Aufhebung der Trinker-Satzung

VON JENS REICHENBACH

Bielefeld. Im Sommer vergangenen Jahres hat das Oberlandesgericht in Hamm die Trinker-Satzung gekippt, die im Stadthallenpark zur Vertreibung der ungeliebten Drogen- und Trinker-Szene an der sogenannten "Tüte" (Abgang zur Stadtbahn Hauptbahnhof) dienen sollte. Jetzt – ein Jahr danach – hat Ordnungsamtsdezernentin Anja Ritschel ein positives Zwischenfazit gezogen, auch ohne die verloren gegangene Satzung.

Zwar habe sich die Szene seit der Nicht-Anwendung der Satzung wieder im Stadthallenpark verteilt – seit dem 14. Juni 2010 werde das Trinken von Alkohol und Rumlungern im Park nicht mehr geahndet –, trotzdem seien seitdem keine Behinderungen oder Belästigungen der Bahn- und Stadtbahnreisenden mehr registriert worden, so der Bericht aus dem Ordnungsamt.

Einzelne Drogenrazzien der Polizei hätten zudem die Zahl der Personen im Park begrenzt. Ritschel bestätigte, dass sich an schönen Abenden immerhin wieder 30 bis 40 Personen an der Tüte versammelten, an weniger schönen seien es 10 bis 30. Mehr als 50 seien es in diesem Jahr nur zwei Mal gewesen, im Sommer 2010 hätten sich auch nur vereinzelt so viele Personen an der Tüte niedergelassen. Zum Vergleich: Vor Einführung der berühmten, aber unrechtmäßigen Satzung hatte die Behörde an Sommertagen mehr als 200 Szeneangehörige gezählt.

Ritschel macht das Zwei-Säulen-Modell der Ordnungsbehörden dafür verantwortlich: Zum einen gebe es weiterhin ordnungsrechtliche Regeln, die verstärkt geprüft würden: So wurden für öffentliches Urinieren und Müll-Vergehen seit Sommer vergangenen Jahres 61 Verwarnungen ausgesprochen. Zum anderen habe man die Hilfeangebote für die Klientel erfolgreich ausgebaut und verbessert. Einzig die Vermüllung sei problematisch geblieben – wie übrigens in anderen Parks auch.

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