Rettung: Fünf Feuerwehrleute holten am Mittwoch vier Küken aus der Kanalisation an der Heeper Straße. - © Fotos: Gabriele Roeder-Cooper / Siegrun Kirschnereit
Rettung: Fünf Feuerwehrleute holten am Mittwoch vier Küken aus der Kanalisation an der Heeper Straße. | © Fotos: Gabriele Roeder-Cooper / Siegrun Kirschnereit

Bielefeld Entenmama in Panik, vier ihrer Küken verschwinden in der Bielefelder Kanalisation

Knapp zweistündiger Rettungseinsatz der Feuerwehr von Erfolg gekrönt. Großes Lob von Tierschützern für den unermüdlichen Einsatz

Jens Reichenbach

Bielefeld. Mama Stockente ist stolz. Neun Küken reihen sich hinter ihr, um vielleicht einen ersten Spaziergang zu einer neuen Bleibe zu machen. Doch als die Großfamilie den Grünzug der Berufskollegs an der Heeper Straße verlassen will, kommt es zur Katastrophe. Vier ihrer Küken fallen am Straßenrand in einen Gullyschacht. Gabriele Roeder-Cooper (56) hat am Mittwoch in ihrem Auto den Absturz der Kleinen und die panisch reagierende Entenmutter gegen 14 Uhr bemerkt und lenkt ihr Fahrzeug sofort an den Straßenrand. Auch eine andere Tierschützerin, Siegrun Krischnereit, hält sofort an, als sie fünf Küken auf der Heeper Straße herumirren sieht. Die beiden Frauen versuchen zunächst zu verhindern, dass eines der Tiere auf der viel befahrenen Straße von einem Auto überfahren wird. Mit Badetüchern behelfen sie sich, um die Küken von der Straße zu drängen und damit auch die große Ente aus dem Gefahrenbereich zu locken. "Es war nur noch panisches Piepsen zu hören" Nachdem sie die Küken in eine Transportbox gepackt haben, fangen sie tatsächlich auch die aufgebrachte Mutter ein, die immer wieder auf die Straße will. Noch während dieser schwierigen Operation an der Straßenoberfläche ruft Gabriele Roeder-Cooper die Feuerwehr. Denn in dem Gully, in den die vier Küken gestürzt sind, hing kein Auffangkorb. Die vier abgestürzten Küken sind schon nicht mehr zu sehen. "Aber wir hörten ein panisches Piepsen", erinnert sich Kirschnereit. Die Feuerwehrkollegen von der Tierrettung zögerten nicht. Sofort sperrten sie zunächst eine der Spuren, die in Richtung Innenstadt führen, später kurzzeitig sogar zwei. "Die haben einen Gully nach dem nächsten geöffnet und nach den Küken gesucht", sagt Roeder-Cooper. "Die Jungs haben sich wirklich voll reingehängt. Die hatten echt Sachverstand", lobt die ehrenamtliche Tierschützerin "Großes Lob - die Jungs haben echt alles gegeben" Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn tatsächlich sind die Küken irgendwo in einem der Schächte verschwunden - allerdings immer noch gut hörbar. Am Ende dauert es gut 90 Minuten, in denen die fünf Tierretter pumpen und spülen und schließlich in etwa 150 Metern Entfernung - auf Höhe des Getränkemarktes - ein Küken nach dem anderen aus einem Schacht käschern. "Wir fanden schon klasse, dass wir die Entenmama und die fünf Küken von der Straße retten konnten", sagt Kirschnereit. "Aber die Feuerwehrmänner haben nicht aufgegeben, bis auch die übrigen vier Küken in Sicherheit waren. Das war unglaublich." Auch Gabriele Roeder-Cooper, die sich im Wildtierschutz engagiert, ist voll des Lobes. Nach getaner Arbeit versucht sie sogar die Umstehenden zu einem Beifall zu bewegen - leider vergeblich, sagt sie. "Die haben echt alles gegeben. Ich möchte diesen Jungs ein ganz großes Lob dafür aussprechen." Und dann fügt sie leise hinzu: "Die wollten noch nicht einmal ein Trinkgeld." Die Entenmama und ihre neun tapferen Küken wurden nach der Aufregung an der Heeper Straße von der Feuerwehr zu einem Experten gebracht. An einen deutlich sichereren Ort, wo keine große Straße die Wege der Entenfamilie kreuzen werden.

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